30.000 Unterschriften für Radiosymphonieorchester

Die Rettung des Orchesters ist allerdings alles andere als gewiss.

Mehr als 30.000 Unterschriften hat eine Ende März gestartete Online-Petition zur Rettung des ORF Radiosymphonieorchesters Wien (RSO Wien) bis dato erhalten. Das sagte Johannes Fleischmann, Initiator der Petition, heute, Freitag, Vormittag, bei einer Pressekonferenz. Eine Auflösung des Orchesters “wäre ein enormer kulturpolitischer Schaden”. Ähnlich argumentierten die anwesenden Leiter der großen Wiener Konzertveranstalter. Roland Geyer (Theater an der Wien) versicherte gar: “Für mich ist das kein Denkmodell, dass es künftig das RSO nicht gibt. Das kann kein Politiker durchstehen.”

“Der Wegfall des RSO wäre eine Riesen-Lücke, die nicht zu füllen wäre”, sagte Konzerthaus-Chef Bernhard Kerres, der ein Ende der Diskussion forderte. “Wenn es das RSO nicht mehr gibt, verarmt das Wiener Konzertleben und wird das Festival Wien Modern fast unmöglich”, meinte Musikvereins-Intendant Thomas Angyan. “Das RSO hilft uns, unseren Bildungsauftrag zu erfüllen”, sagte Jeunesse-Generalsekretärin Angelika Möser.

Musiker Paul Gulda verwies darauf, dass sich die Unterschriften unter die Petition wie ein Who is Who nicht nur der österreichischen, sondern auch der internationalen Musikszene lesen: “Wenn das Kulturland par excellence sein einziges Rundfunkorchester schließt, ist das europaweit ein verheerendes Signal. Dann ist der Damm gebrochen. Dafür verstehe ich nicht, dass der ORF künftig zwei Society-Formate braucht. Ich brauch das nicht. Das ist die Lugnerisierung Österreichs. (…) Die Frage an die Politik ist, was für eine Vision da verfolgt wird.”

“Es ist völlig klar, dass der ORF in seinem Kulturauftrag die Verpflichtung hat, das RSO in seiner Substanz zu erhalten”, meinte der ehemalige ORF-Journalist Peter Huemer, “Es ist aber auch völlig klar, dass der ORF hier Hilfe von der Politik benötigt. Der Appell ist also sowohl an den ORF als auch an die Politik zu richten.” Schließlich gehe es bei der diskutierten Refundierung der durch die Gebührenbefreiung entfallenden Mittel um große Summen.

Diese Gebührenrefundierung mit einer teilweisen Zweckgebundenheit an das RSO forderten zwei Betriebsräte des Orchesters, Bernhard Ziegler und Geert Langelaar, ebenso wie eine eindeutige Verankerung des RSO im neuen ORF-Gesetz. Dass das “Szenario 4” mit einer möglichen Auflösung des Orchesters weiterhin nicht vom Tisch sei, “wurde uns vor einige Tagen nochmals bestätigt”, sagte Ziegler. Man sehe sich “als Spielball und Verhandlungsmasse” zwischen ORF und Politik und Opfer einer “Melange an Unsicherheiten, die für das Orchester tödlich ist”. Der Anteil des Orchesters betrage 0,8 Prozent des ORF-Budgets, hieß es.

Silvia Fuhrmann, Kultursprecherin der ÖVP, war als “persönliche Solidaritätserklärung” für das Orchester bei der Pressekonferenz anwesend und forderte, neben der Politik auch die ORF-Spitze nicht aus der Verantwortung zu entlassen. Es sei nicht zu akzeptieren, dass der im ORF-Gesetz vorgeschriebene Kulturauftrag vernachlässigt werde, “man ernsthaft darüber nachdenkt, das RSO aufzulösen und gleichzeitig neue Sendungen ankauft, die mit Kunst und Kultur absolut nichts zu tun haben”, so FP-Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner, die darauf verwies, dass im letzten Kulturausschuss ein von ihr gestellter Antrag zum Erhalt des RSO “von den Regierungsparteien mit matten Ausreden abgelehnt” worden sei. “Ich werde aber nicht locker lassen und diesbezüglich noch weitere Anträge stellen.”

Die einfachste Lösung zur Rettung des RSO sei es, das RSO im ohnehin zu novellierenden ORF-Gesetz zu verankern, meinte der Kultursprecher der Grünen Wolfgang Zinggl, in einer Aussendung. “Die Kostenfrage darf in diesem Zusammenhang einfach keine Rolle spielen. Immerhin leisten sich kleinere und weniger wohlhabende Staaten als Österreich Rundfunk-Orchester”, argumentiert Zinggl. Alleine die ARD leiste sich 14 Rundfunkorchester, europaweit gebe es 40 von Rundfunkanstalten getragene öffentlich-rechtliche Klangkörper, hieß es heute in den Unterlagen zur Pressekonferenz, die nicht als Ende, sondern als eigentlicher Auftakt zur Online-Petition gedacht war. Die Petition ende nämlich erst mit der Rettung des RSO, so Fleischmann.

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