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30.000 bis 40.000 Abtreibungen jährlich

„Drei von vier Frauen haben einen Abbruch im Laufe ihres Lebens“, meint ein Gynäkologe. Eine Gesamtstatistik über die Anzahl von Schwangerschaftsabbrüchen ist in Österreich jedoch gesetzlich nicht vorgesehen.

Für Christian Fiala, ärztlicher Leiter der Gynmed-Ambulanz in Salzburg, wäre eine Kostenübernahme von Abbrüchen durch die Krankenkassen bzw. ein kostenfreier Zugang zu Verhütungsmitteln sowieso viel dringender. Beate Wimmer-Puchinger, Wiener Frauengesundheitsbeauftragte, sieht die Zukunft ebenfalls eher darin und in mehr Aufklärungs- und Präventionsarbeit – besonders auch bei Burschen.

„Ich würde das Zählen von Abbrüchen für eine Alibiaktion halten“, befand Fiala. Es sei „absurd und eine Zeitverschwendung“, und würde nur von den tatsächlichen Problemen ablenken. Wenn es in Österreich zu einer Übernahme der Kosten der Abtreibung kommen würde, dann würde auch eine Meldepflicht bestehen und man hätte dann auch Angaben über die Häufigkeit. Aber abgekoppelt von so einer Maßnahme Statistiken zu verlangen, davon hält der Arzt nichts. Der Forderung nach einer Statistik steht auch Wimmer-Puchinger ablehnend gegenüber: „Was zu tun ist, das wissen wir so auch“. Abtreibungsgegner wie die Österreichische Lebensbewegung fordern Aufzeichnungen, „damit ausreichende Hilfestellung möglich ist“, wie Geschäftsführerin Sonja Horswell der APA sagte.

30.000 bis 40.000 Abtreibungen jährlich

Jährlich komme es zu rund 30.000 bis 40.000 Abbrüchen, schätzt der Gynäkologe Fiala. Das würde bedeuten: „Drei von vier Frauen haben einen Abbruch im Laufe ihres Lebens“. Ein Vergleich: Schweden hat – bei einer Einwohnerzahl von rund acht Millionen – etwa 32.000 Abbrüche. Dort gebe es aber ein wesentlich besseres Verhütungsverhalten als in Österreich. Deshalb sei der angegebene Schätzwert für Österreich als ein absolutes Minimum zu betrachten.

Die geringste Zahl (29.000) an Schwangerschaftsabbrüchen verzeichnet Holland – bei einer Einwohnerzahl von 16 Millionen: Die Abbruchsrate (bei 1.000 Frauen im gebärfähigem Alter in einem Jahr) beträgt in Holland 8,4. Nimmt man die Migrantinnen aus der Zählung heraus, kommt man bei in Holland geborenen Frauen nur noch auf 4,5. Zum Vergleich: Die USA verzeichnet eine Rate von 23, Österreich 20-25. Schlussfolgerung des Arztes Fiala am niederländischen Beispiel: Die Frauen, die die beste Prävention und Verhütung auf Krankenschein vorfinden, lassen seltener Abbrüche vornehmen. Dass es in Österreich nicht einmal für Sozialhilfeempfänger kostenfreie Verhütungsmittel gebe, bleibt für Fiala unverständlich.

Rechte und Pflichten in Österreich

Grundsätzlich kann in Österreich jeder Arzt im niedergelassenen Bereich einen Abbruch durchführen, aber er ist dazu gesetzlich nicht verpflichtet. Zusätzlich weigern sich die meisten Ärzte, Abbrüche nach der 12. Woche vorzunehmen (obwohl 16 Wochen legal sind). „So wie es im Straßenverkehr Unfälle gibt, gibt es bei der Verhütung auch Unfälle und Fehler“. Aufgabe der Medizin sei es, die Leute zu versorgen und mit Prävention zur Seite zu stehen, betonte der Gynäkologe.

Die Lebensbewegung sieht in der Forderung nach einer verpflichtenden Bedenkzeit zwischen Mitteilung über die Schwangerschaft und Abtreibung einen Weg zur Reduzierung der Abbrüche: Frauen sollen genügend Zeit haben, um ohne Druck vom Beratungsangebot profitieren zu können, argumentierte Horswell.

Eine Verpflichtung zum Überdenken bedeute eine Bevormundung und Bestrafung der Frauen, ein zeitlicher Aufschub sei eine „seelische Grausamkeit“, beurteilte Fiala diese „vollkommen absurde“ Forderung. Denn wenn sich die Frau schon für eine Abtreibung entschieden hat, wolle sie den Abbruch auch sofort durchführen lassen. Zu den seelischen Belastungen würden schließlich auch die normalen, körperlichen Schwierigkeiten einer fortschreitenden Schwangerschaft hinzukommen – wie Übelkeit.

Befürworter einer verpflichtenden Bedenkzeit würden so tun, als ob es sich die Frauen einfach machen würden, pflichtete Wimmer-Puchinger bei. „Das ist ärgerlich und frauendiskriminierend“. Eine Bedenkzeit könne an dem Grundgefühl, das eine Frau über eine Schwangerschaft hat, nicht mehr viel ändern. „Es ist nicht so, dass Frauen da eine Vorschrift bräuchten“.

Wimmer-Puchinger erachtet vor allem mehr Investitionen in die Arbeit mit Burschen als wesentlich. Männer würden „eindeutig zu wenig“ über Verhütung und Schwangerschaft wissen, verwies die Universitätsprofessorin für Psychologie auf eine Studie über das Sexualverhalten der Österreicher, die im Sommer 2005 präsentiert wurde. Aufklärung in allen Schulstufen sei nach wie vor angesagt, denn zu meinen „jetzt sind eh alle aufgeklärt, Schluss damit“ gehe nicht auf. Weitere Präventionsmaßnahmen sind für die Expertin alle Schritte, die das Selbstbewusstsein von Mädchen stärken sowie solche, die zu einer Enttabuisierung des Themas beitragen.

Ein Musterland ist auch für die Psychologin Holland: Zum einen gebe es dort einen gut etablierten, verpflichtenden Sexualunterricht und zum anderen kostenfreie Verhütungsmittel und die rezeptfreie „Pille danach“. „Eine restriktive Politik wie in den USA bringt nur Unglück“.

Werbung im ORF

Der Fernsehspot der Lebensbewegung „Baby, wir schaffen das“ – von den SP-Frauen heftig kritisiert, vom Frauenministerium finanziell unterstützt – wird übrigens von 13. bis 19. März auf ORF 2 nach einer Serie im vergangenen Herbst nochmals ausgestrahlt.

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