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24 Jahre Haft für Andreotti

Der siebenfache italienische Regierungschef Giulio Andreotti ist am Sonntag wegen eines Mordauftrags im Jahr 1979 zu 24 Jahren Haft verurteilt worden.

Andreotti wurde für schuldig befunden, 1979 den Mord an dem römischen Journalisten Mino Pecorelli in Auftrag gegeben zu haben.

Das Berufungsgericht in der mittelitalienischen Stadt Perugia verurteilte auch den Mafioso Gaetano Badalamenti zu einer Haftstrafe von 24 Jahren verurteilt. Neun weitere Angeklagte wurden freigesprochen. In erster Instanz waren der 83-jährige Andreotti sowie alle anderen Angeklagten 1999 freigesprochen worden.

Der prominente Politiker, der als Senator auf Lebenszeit dem Parlament angehört, war zur Urteilsverkündung nicht erschienen. Er nannte das Urteil „absurd“. Andreotti war in dem Prozess von dem ehemaligen Mafia-Boss Tommaso Buscetta, der mit der italienischen Justiz kooperiert, belastet worden.

Nach Buscettas Aussagen hatte Andreotti die Mafia gebeten, Pecorelli zu beseitigen, weil dieser in der von ihm geleiteten Zeitschrift „Osservatore Politico“ (“Politischer Beobachter“) Dokumente veröffentlichen wollte, die Andreotti politisch schwer belastet hätten.

Pecorelli wurde am 20. März 1979 von Unbekannten in Rom ermordet. Auch der am Sonntag zu Ende gegangene Prozess konnte die ausführenden Personen des Mordes nicht ermitteln. Das Gericht kündigte an, die Urteilsbegründung spätestens in drei Monaten vorzulegen.

Als die Justiz Anfang der 90-er-Jahre gegen Korruption und Mafia- Verstrickungen in der italienischen Politik zu Felde zog, geriet auch Andreotti ins Visier. Heute gilt er als Symbol der damaligen italienischen „Schmiergeld-Republik“. Seine Democrazia Cristiana wurde im Zuge der Tangentopoli-Prozesse aufgelöst.

Ein weiterer Prozess wegen Mafia-Verstrickungen läuft gegen den christdemokratischen Politiker derzeit in Palermo. Auch in diesem Fall war Andreotti in erster Instanz freigesprochen worden.

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