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2018 deutlich mehr gefälschte und illegale Medikamente im Umlauf

Rund 1,2 Millionen Schmuggel- und Plagiatsarzneiwaren wurden 2018 beschlagnahmt.
Rund 1,2 Millionen Schmuggel- und Plagiatsarzneiwaren wurden 2018 beschlagnahmt. ©APA/HANS PUNZ
Die Zahl der illegalen und gefälschten Medikamente hat sich laut Produktpirateriebericht mehr als verdreifacht. Im Jahr 2018 wurden rund 1,2 Millionen Schmuggel- und Plagiatsarzneiwaren beschlagnahmt.

Der österreichische Zoll hat im vergangenen Jahr eine Rekordmenge an illegalen und gefälschten Medikamenten aus dem Verkehr gezogen. Oft handelt es sich dabei um Potenzmittel wie das nicht zugelassene “Kamagra”. Insgesamt rund 1,2 Millionen Schmuggel- und Plagiatsarzneiwaren wurden 2018 beschlagnahmt, geht aus dem jährlichen Produktpirateriebericht hervor. Das ist mehr als eine Verdreifachung.

Zollfahnder zogen so viele Potenzmittel aus dem Verkehr wie noch nie

“Der Rückgang bei den gefälschten Medikamenten – dabei handelt es sich hauptsächlich um Potenzmittel – und der gleichzeitige Anstieg bei den anderen illegalen Medikamenten liegt vor allem daran, dass der Patentschutz von Tadalafil, einem Wirkstoff, der gegen Erektionsstörungen eingesetzt wird, 2017 ausgelaufen ist. Ohne Patentschutz sind solche aufgegriffenen Arzneimittel zwar noch illegale, aber nicht mehr gefälschte Medikamente”, erklärte der Produktpiraterie-Experte im Finanzministerium, Gerhard Marosi, am Donnerstag in einer Aussendung, dass es auch bei Fälschern einen Trend zu “Generika” gibt.

Mehr als 95 Prozent der aufgegriffenen Medikamentenfälschungen kamen 2018 aus Indien. Am 14. November 2018 stoppte der Zoll am Flughafen Wien beispielsweise einen 42-Jährigen Inder, der mit 33.000 Stück Arzneiwaren in seinen beiden Reisetaschen einreisen wollte. Unter den Medikamenten befanden sich zum größten Teil Potenzmittel sowie Nahrungsergänzungsmittel, die in Österreich nicht zugelassen sind.

Warnung vor gefälschten Medikamenten aus dem Internet

Das Finanzministerium warnt davor, gefälschte Medikamente im Internet zu bestellen. “Nachgemachte, wirkungslose Medikamente oder gefälschte Arzneimittel, die mit Schadstoffen verunreinigt sind, in Umlauf zu bringen, ist nicht nur kriminell, sondern bringt Menschen auch in Lebensgefahr”, so Staatssekretär Hubert Fuchs (FPÖ). Das für den Zoll zuständige Finanzressort legt den Produktpirateriebericht jedes Jahr dem Nationalrat vor.

Darin heißt es, die Bedingungen, unter welchen gefälschte Medikamente produziert, gelagert und transportiert werden, würden nicht annähernd den geltenden Standards der Pharmaindustrie entsprechen. Das Ergebnis seien oft mit Schadstoffen verunreinigte Medikamente oder Arzneien, die über- oder unterdosiert sind, oder solche, die überhaupt wirkungslos sind. Vertrieben werden diese Fälschungen den Angaben zufolge über Online-Portale, die den Konsumenten Echtheit und Seriosität vortäuschen. Tatsächlich stünden hinter diesen illegalen Machenschaften vor allem die organisierte Kriminalität, die keinerlei Rücksicht auf den gesundheitlichen oder finanziellen Schaden für die betrogenen Kundinnen und Kunden oder die Folgekosten für die Gesellschaft nehme.

Auch Dopingmittel von Medikamentenschmuggel betroffen

Der Medikamentenschmuggel betrifft auch Dopingmittel. So hat sich im Juli 2018 bei 16 Kartons mit einem Gewicht von 423 Kilogramm herausgestellt, dass es sich nicht wie angemeldet um elektrische Schalter handelt, sondern um 362.500 Tabletten und Ampullen verschiedenster Steroide. Weitere Nachforschungen hätten ergeben, dass diese Masche der Schmuggler zuvor bereits mindestens 22 Mal geklappt hat.

Der Zoll geht daher davon aus, dass auf diese Weise mehr als 20 Tonnen Dopingmittel mit einem Warenwert von rund 23 Millionen Euro eingeschmuggelt und in der EU verteilt worden sind. Die Zollfahnder schalteten daraufhin neben dem von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) akkreditierte Labor Seibersdorf auch Europol ein. Die international laufenden Ermittlungen zu den Abnehmern dauern noch an, wie es im Produktpirateriebericht heißt.

Großteil der beschlagnahmten Produkte aus China und Indien

Der Zoll beschlagnahmte 2018 auch 38.513 gefälschte Produkte mit einem Wert von insgesamt 2,6 Mio. Euro, gemessen am Originalpreis. Der Großteil davon stammt aus China und Indien. Am fälschungsanfälligsten sind dabei Uhren, Taschen, Schuhe, Kleidung und Handyzubehör sowie Spielzeug. Gegenüber 2017 waren die Aufgriffe stark rückläufig, als 254.712 Produkte im Wert von 13,7 Mio. Euro aus dem Verkehr gezogen wurden.

Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein, denn ein großes Problem für den Zoll sind Fälschungen, die über das Internet vertrieben werden. Der Online-Handel für den Verkauf von Fälschungen floriert. 2018 betrafen mehr als 88 Prozent aller aufgedeckten Fälle Kleinsendungen im Postverkehr oder durch Kurierdienste.

Auch Apothekerkammer und Pharmig warnen vor Fälschungen

Die Österreichische Apothekerkammer und der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) haben sich angesichts der Zahlen zu Medikamentenfälschungen des Produktpiraterieberichts 2018 alarmiert gezeigt. Solche Fälschungen könnten sogar tödlich sein, zudem schädigen sie Unternehmen und die Gesamtwirtschaft. Umso mehr soll nun auf Aufklärung und Information gesetzt werden.

“Wir werden die Bevölkerung beim Thema Medikamentenfälschungen verstärkt informieren und sensibilisieren”, kündigte die Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, Ulrike Mursch-Edlmayr, an. Über den Informationsstand der Bevölkerung zeigte sie sich “erschüttert”, denn fast die Hälfte der Österreicher wisse nicht, dass hierzulande der Verkauf von rezeptpflichtigen Medikamenten im Internet verboten sei. “Im besten Fall ist eine Medikamentenfälschung für den Betroffenen wirkungslos, im schlimmsten Fall gesundheitsschädigend oder sogar tödlich.” Sichere und geprüfte Arzneimittel seien ausschließlich über die Apotheke erhältlich.

Sicherheitslogo für legale Internetapotheken

Auch die Pharmig will Medikamentenfälschern das Handwerk legen. “Die Gefahr, die von solchen Produkten ausgeht, ist offensichtlich immer noch zu wenigen bekannt. Gefälschte Arzneimittel unterliegen keinerlei Qualitätskontrolle”, warnte Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog. Zum Schutz der eigenen Gesundheit sollten Arzneimittel beim Arzt oder in der Apotheke bezogen werden.

Um zumindest den Bezug von rezeptfreien Arzneimitteln über das Internet sicherer zu machen, gebe es bereits seit 2015 ein Sicherheitslogo für legale Internetapotheken sowie eine Liste aller legalen und registrierten Internetapotheken Österreichs. Der Handel mit gefälschten und illegalen Arzneimitteln schädige nicht nur die Gesundheit des Einzelnen, sondern auch “Unternehmen und damit die Gesamtwirtschaft. Der Kampf gegen diesen Handel ist wichtig, aber noch wichtiger ist die Aufklärung”. Wer keine eigentlich rezeptpflichtigen Arzneimittel im Internet kaufe, lege Fälschern automatisch das Handwerk.

(APA/Red)

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