1,99 Euro für 1 Kilo Hühnerfleisch: Wie billig ist zu billig?

Hendl-Bauern kritisieren Handel für Billigangebote.
Hendl-Bauern kritisieren Handel für Billigangebote. ©pixabay.com (Symbolbild)
Am Freitag wurden von der Dachorganisation der österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG) die Billiangebote im Handel kritisiert. 1,99 Euro für ein Kilogramm österreichisches Hendl stößt bitter auf.
Fleisch-Preise werden teurer

Der Verband vermutete den Black Friday als Mitgrund für die Rabattschlacht, bei der sich die Händler gegenseitig unterbieten würden. "Aber welche Botschaft vermittelt man den Österreicherinnen und Österreichern, wenn 1 kg österreichisches Hendl um 1,99 Euro angeboten wird, wie aktuell bei Hofer?", fragte die ZAG in einer Aussendung.

Wertigkeit für hochqualitatives Fleisch gehe verloren

"Die Wertigkeit für hochqualitatives, österreichisches Geflügel geht bei solchen Preisen zur Gänze verloren. Wenn ein österreichisches Hendl so billig angeboten wird, dann leiden alle entlang der Produktionskette", hieß es weiter. Während die Masthühnerhalter unter Druck stünden, immer billiger zu produzieren, seien die Futtermittelkosten seit mehr als einem Jahr im ansteigen.

Im Jahresvergleich ist das Masthendlfutter laut AMA um ein Drittel (32 Prozent) teurer geworden. Aufgrund der Rabattschlacht im österreichischen Handel drohen nun Preisreduktionen auf Ebene der Geflügelhalter. Dieser Entwicklung wollen die Geflügelmäster entgegentreten. Seit 20 Jahren habe es für Masthühnerhalter defacto keine Preisanhebung beim Geflügelpreis. Ertragssteigerungen hätten sich nur durch die bessere Futterverwertung und höhere Tageszunahmen bei den Tieren ergeben.

Der Verband verwies darauf, dass heimische Masthühnerhalter entsprechend dem österreichischen Tierschutzgesetz nach den EU-weit strengsten und für die Tiere besten Haltungsbestimmungen arbeiteten. Die Tiere hätten in Österreich im Vergleich zu fast allen Ländern Europas viel mehr Platz im Stall. Das bedeute auch, dass sie deutlich gesünder leben. Der Tierarzneimitteleinsatz sei in den letzten zehn Jahren massiv gesenkt worden. Darüber hinaus bekenne sich die Geflügelwirtschaft zur gentechnikfreien Fütterung.

"Für heimische Paradeiser geben Konsumenten mehr aus als für ein Angebotshendl"

"Wir könnten mit ausschließlich gentechnikverändertem Futter aus Übersee viel billiger produzieren, was wir aber nicht wollen, weil wir uns unseren hohen Standards und den österreichischen Konsumenten gegenüber verpflichtet fühlen", konkretisiert Markus Lukas, Obmann der Geflügelmastgenossenschaft Österreich (GGÖ) und ZAG Obmann-Stellvertreter. "Für heimische Paradeiser geben Konsumenten im Vergleich mehr als das Doppelte aus als für ein Angebotshendl. Dadurch geht die Wertigkeit für ein hochwertiges tierisches Lebensmittel, wie dem österreichischen Hendl, zur Gänze verloren", so Lukas.

Billig-Preise schaden Handel, Bauern und den Tieren

Bei Konsumenten hinterließen starke Rabatte bei Fleisch den Eindruck, dass die Produkte auch zu diesen Konditionen produziert werden können, kritisierte die ZAG weiters. Es entstehe ein neues Preisempfinden für das Produkt und die Erwartungshaltung nach ähnlich tiefen Preisen beim nächsten Einkauf. "Allerdings leiden bei so tiefen Preisen nicht nur der Handel, die Schlachtbetriebe und die Bauern, sondern auch die Tiere und die Umwelt. Das sollte allen Menschen in Österreich bewusste sein, wenn sie tierische Produkte zu extrem niedrigen Preisen kaufen", so ZAG-Obmann Franz Karlhuber. Man schätze die langjährige Partnerschaft mit dem Lebensmittelhandel, aber es liege auch in dessen Verantwortung, mit einer aufwandsgerechten Preisgestaltung für fairen Wettbewerb zu sorgen.

(APA/Red)

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