18 Prozent der österreichischen Bevölkerung waren 2017 armutsgefährdet

In Österreich waren 2017 18 Prozent der Menschen armutsgefährdet.
In Österreich waren 2017 18 Prozent der Menschen armutsgefährdet. ©APA/Barbara Gindl
In Österreich waren im jahr 2017 1,563.000 Menschen armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Davon waren 434.000 intensiv gefährdet. Diese Zahlen gehen aus einer Statistik Austria-Auswertung des EU-Sozialberichts SILC hervor.

Das höchste Risiko sozialer Ausgrenzung haben Langzeitarbeitslose, Personen mit Nicht-EU/EFTA-Staatsbürgerschaft und Alleinerziehende. Als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet wird in EU-SILC ausgewiesen, wer tatsächlich armutsgefährdet ist (das waren 14,4 Prozent bzw. 1,245.000 Personen) oder unter erheblichem materiellen Mangel leidet (323.000 Personen bzw. 3,7 Prozent) oder in Haushalten mit kaum oder geringer Erwerbstätigkeit lebt (545.000 bzw. 8,3 Prozent). Intensiv (von zwei oder drei Merkmal betroffen) waren 434.000 Personen (5,0 Prozent). Diese “Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdeten” sind vielfach von Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Notstandshilfe oder Familienbeihilfen abhängig. Bei ihnen machen Sozialtransfers 68 Prozent des Haushaltseinkommens aus.

Alleinlebende besonders von Armut gefährdet

Als Schwelle für Armutsgefährdung galt 2017 ein Monatseinkommen von 1.238 Euro für Alleinlebende. Pro Kind werden 371 Euro, pro weiterem Erwachsenen 618 Euro dazugezählt. Wer über der Armutsgrenze lebt, aber unter “erheblicher materieller Deprivation” leider oder kaum bzw. gar nicht arbeitet, ist “ausgrenzungsgefährdet”. “Erhebliche materielle Deprivation” liegt vor, wenn Menschen wesentliche Grundbedürfnisse kaum oder gar nicht stillen können – z.B. sich nicht einmal eine Urlaubswoche pro Jahr oder Heizen der Wohnung nicht leisten können.

Gegenüber 2016 gab es so gut wie keine Veränderung, aber längerfristig betrachtet ist die Armutsgefährdung leicht gesunken. Vor zehn Jahren waren noch um 136.000 Personen mehr von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen. Als armutsgefährdet galten 2008 15,2 Prozent, 2017 waren es 14,4 Prozent.

Sozialministerin will Zahl der Betroffenen senken

Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) will die Zahl der von Armut Betroffenen oder Armutsgefährdeten weiter senken. Präventive Maßnahmen des Sozialstaats hätten bereits dafür gesorgt, dass Österreich mit rund 18 Prozent weiter unter dem EU-Schnitt liege. Die Armutskonferenz fordert mit Blick auf die jüngsten Daten effektive Hilfen bei Kinderarmut, älteren Arbeitslosen und chronisch Kranken.

“Nach wie vor sind 1.563.000 Menschen in Österreich armuts- und ausgrenzungsgefährdet. Das sind um 1.563.000 Menschen zu viele”, stellte Hartinger-Klein am Donnerstag in einer Aussendung fest. Im Regierungsprogramm seien daher Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Betroffenen festgehalten, vor allem bei Kinder- und Jugendarmut aber auch bei Arbeitslosigkeit und Altersarmut, so die Ressortchefin. Als Beispiele nannte sie etwa den Ausbau des Kinderbetreuungsangebots, die verbindliche Sprachförderung für Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache ab dem Kindergarten oder die Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge zugunsten der Niedrigverdiener. Im Bereich der Pflege verwies Hartinger-Klein auf die Erhöhung des Pflegegeldes ab der Stufe 4.

Abstiegsgefahr soll minimiert werden

Starke Sozialstaaten reduzieren die Abstiegsgefahr und schützen die Mitte vor Armut, diesen Schluss zieht die Armutskonferenz aus den Daten der Statistik Austria. Während die Lohneinkommen und die Vermögen auseinander gehen, blieben die Haushaltseinkommen in Österreich relativ stabil – der Sozialstaat gleiche die soziale Schere aus, hieß es in einer Aussendung. Hervorgehoben wurden die steigende Kinderarmut und die Armut Langzeitarbeitsloser. Wenn nun Hilfen wie die “Aktion 20.000” für ältere Arbeitnehmer, die Existenzsicherung in der Mindestsicherung für Kinder wie Familien und die Notstandshilfe gestrichen werde, erhöhe das die Armut, warnt die Armutskonferenz.

Die Liste Pilz kritisierte, dass ÖVP und FPÖ einen Antrag der Fraktion für einen Aktionsplan zur Bekämpfung von Kinderarmut abgelehnt haben. “Es macht mich mehr als betroffen, dass rund ein Drittel aller Kinder in Mehrpersonenhaushalten von Armut und Ausgrenzung gefährdet sind”, so Familiensprecherin Daniela Holzinger. Sie kritisierte, dass von der Regierung geplante Maßnahmen wie die Deckelung der Mindestsicherung oder die Kürzung von Fördergeldern bei der Integration just jene treffen würden, die am meisten Unterstützung bräuchten.

APA/Red.

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