"16 Tage gegen Gewalt": Regierung zu mehr Prävention gefordert

Es besteht dringender Handlungsbedarf bei der Prävention gegen Gewalt an Frauen und Kindern.
Es besteht dringender Handlungsbedarf bei der Prävention gegen Gewalt an Frauen und Kindern. ©pixabay.com (Symbolbild)
Die Organisatoren des Frauenvolksbegehren fordern die Regierung auf im Bereich Gewaltschutz klare Maßnahmen zu setzen.
Initiative startet in Österreich

“Jede Fünfte ist häuslicher Gewalt ausgesetzt. Da reichen keine Lippenbekenntnisse mehr”, betonte Sprecherin Andrea Hladky im Vorfeld des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November. “Unser Zuhause sollte uns Schutz bieten, doch es ist für Frauen hierzulande nahezu der gefährlichste Ort”, wurde Hlatky am Freitag in einer Aussendung zitiert und forderte “sofortige Maßnahmen”.

77 Frauen und Mädchen wurden 2017 Opfer eines Mordes oder Mordversuchs, fast zwei Drittel aller 42.079 Anzeigen wegen Tötung, Körperverletzung, sexueller Übergriffe und Raub standen in Zusammenhang mit Beziehungstaten. Das Volksbegehren setzt sich u.a. für den Ausbau der Zusammenarbeit aller Organisationen, die Frauen in Gewaltsituationen betreuen ein sowie für eine Ausfinanzierung und rechtliche Absicherung sämtlicher Beratungsstellen.

Maßnahmen der Regierung könnten Frauen zusätzlich gefährden

Auch Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings, ortete dringenden Handlungsbedarf. Mit der Ratifizierung der Istanbulkonvention 2013 habe Österreich sich dazu verpflichtet, Präventions- und Schutzmaßnahmen auszubauen, um Frauen effektiv vor Gewalt zu schützen. “Die Frauenministerin hat die drastischen Kürzungen bei den Frauenorganisationen damit gerechtfertigt, den Fokus auf den Gewaltschutz legen zu wollen. Davon ist bisher nichts zu sehen”, kritisierte Frieben. Geplante Maßnahmen der Regierung wie die Abschaffung der Notstandshilfe könnten Frauen sogar zusätzlich gefährden, da sie dadurch in ihrer Existenzgrundlage bedroht seien.

Gewalt am Arbeitsplatz – sei es körperliche, psychische, sexuelle Belästigung oder Mobbing – ist ein weitverbreitetes Problem und brauche besseren gesetzlichen Schutz. Das forderten der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) und die Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida am Freitag anlässlich der Kampagne “16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen”, die am Sonntag startet.

Jede fünfte Frau erlebt Gewalt am Arbeitsplatz

Jede fünfte Arbeitnehmerin bzw. jeder fünfte Arbeitnehmer hätte laut einer aktuellen Erhebung bereits Gewalt am Arbeitsplatz erlebt. Frauen – vor allem jüngere – sind besonders oft betroffen, erläuterte vida-Vorsitzende Elisabeth Vondrasek in einer Aussendung. “Verdrängen oder Verharmlosen des Themas Gewalt am Arbeitsplatz ist leider immer noch gang und gäbe. In vielen Betrieben werden Gewalt und Mobbing nicht einmal als Thema angesehen”, kritisierte sie. “Es ist wichtig Gewalt und Mobbing aufzuzeigen und Betroffene zu ermutigen, sich zu wehren.”

Gewalt am Arbeitsplatz reicht von verbalen Angriffen über Ausgrenzung und Mobbing bis hin zur sexuellen Belästigung und zu physischen Übergriffen. Menschen in Dienstleistungs- und Verkehrsberufen, sind laut vida besonders oft betroffen – und hier vor allem Frauen. Diese arbeiten auch öfter in unteren Hierarchieebenen, wo es weniger Mitsprache gebe und es eher zum Ausnutzen von Machtverhältnissen komme. Zudem würden weitaus mehr Frauen als Männer sexuell belästigt. Mobbing werde verstärkt gegenüber Frauen angewendet, die aufgrund von Betreuungspflichten dem Betrieb nicht uneingeschränkt zur Verfügung stehen.

Prävention: Verantwortung liegt auch bei Unternehmen

Von Betrieben und Gesetzgeber werden weitere Schritte zur Bekämpfung der Gewalt eingefordert. “Oberste Priorität ist, genügend Personal einzusetzen. Das ist eine Grundvoraussetzung, um der Gewalt am Arbeitsplatz vorzubeugen”, hielt Vondrasek fest.

Auch ÖGB-Vizepräsidentin Korinna Schumann sieht die Verantwortung bei den Unternehmen: “Ein positives, wertschätzendes und gewaltfreies Arbeitsklima sollte eine Selbstverständlichkeit sein.” Betriebe und Führungskräfte sollen aktiv gegen Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz auftreten. Es brauche Planbarkeit der Arbeitszeit und ausreichend Freizeit, um Überlastungen zu verhindern sowie genügend Beschäftigte, um den Arbeitsdruck gut verteilen zu können. Denn die Ursachen für Belästigung und Gewalt im Betrieb, so der ÖGB, liegen zu einem großen Teil auch in der Arbeitsorganisation.

(APA/Red)

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