15 Jahre später: Prozess um Krawatten-Mord

Bild: Bilderbox
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Fast 15 Jahre nach dem Mord an einem chinesischen Koch in Wien-Favoriten wird der mutmaßliche Täter doch noch zur Verantwortung gezogen.

Li-Ping H. (46) hat sich am 15. Februar vor Wiener Geschworenen zu verantworten. „Er hat am 14. September 1992 Chen-Hua Chow vorsätzlich getötet, indem er ihm vorerst mit einem Metallrohr zirka 30 Schläge versetzte, in weiterer Folge acht Messerstiche im Bereich des Brustkorbes, des linken Oberarmes sowie des linken Beines zufügte und ihn schließlich mit einer Krawatte erdrosselte“, lautet der Kern der Anklage.

Zunächst hatten die Ermittler auf Grund der Art und Weise, wie das Opfer ums Leben kam, auf eine „Bestrafungsaktion“ der chinesischen Mafia getippt. In Wahrheit dürfte es Chen-Hua Chow zum Verhängnis geworden sein, dass er seiner Schwester, von der er sich geschäftlich übervorteilt führte, einen „Denkzettel“ verpassen wollte. Der ehemalige Lokalbesitzer, der sich zuletzt als Koch bei seinem Schwager verdingte, hatte damit Li-Ping H. beauftragt, dem er dafür umgerechnet 14.500 Euro in Aussicht stellte.

Li-Ping H. spielte allerdings ein doppeltes Spiel: Er wandte sich an die Schwester und versprach, sie gegen entsprechendes Entgelt unbehelligt zu lassen. Anschließend machte er seinem Auftraggeber vor, dessen Wunsch erfüllt zu haben. Die beiden Männer gingen zur Bank, wo Chen-Hua Chow aber nur einen Teil der im Raum stehenden Summe behob. Laut Anklage kam es zu einem Streit, als Li-Ping H. seinen „Lohn“ einforderte. Man ging schließlich in die Wohnung des damals 47-jährigen Mannes, um doch noch auf einen auf einen „grünen Zweig“ zu kommen.

„Nachdem Chen-Hua Chow sich vermutlich weiterhin weigerte, Li-Peng H. einen Teil oder auch den gesamten vereinbarten Geldbetrag zu bezahlen, eskalierte die Auseinandersetzung dermaßen, dass der Beschuldigte schließlich beschloss, Chen-Hua Chow zu töten“, heißt es in der Anklageschrift. Den Großteil der Schläge mit dem Metallrohr soll er dabei gegen den Kopf des Opfers geführt haben, das zum Tatzeitpunkt einen Gipsverband trug und sich daher unzureichend wehren konnte.

Nach heftigen Stichen mit einem Fixiermesser soll Li-Peng H. den Mann am Ende mit dessen eigener Krawatte erdrosselt und den Tatort mit den zuvor von diesem abgehobenen 8.000 Euro verlassen haben. Er setzte sich nach England ab, wo er bis zuletzt als Koch arbeitete.

Das Verbrechen schien bereits endgültig als ungeklärt zu den Akten zu wandern, als ein später DNA-Treffer doch noch auf die Spur des mutmaßlichen Mörders führte. Am Tatort war unter anderem das Fixiermesser zurück geblieben, auf dem sich die genetischen Fingerabdrücke des zunächst Unbekannten fanden.

Zwar war es 1992 technisch noch gar nicht möglich gewesen, aus den vorhandenen Spuren DNA-Material zu filtern. Die Ermittler hatten die Datenträger allerdings asserviert. Als die DNA-Labors über entsprechendes Wissen und Ausrüstung verfügten, wurde daraus ein DNA-Profil erstellt, das eindeutig einer konkreten Person zugewiesen werden konnte. Dieses Profil wanderte auch in die Interpol-Datenbank.

Als Li-Ping H. in England straffällig wurde – er verbüßte vom August 2004 bis zum April 2005 eine Haftstrafe für eine schwere Körperverletzung -, wurde er routinemäßig erkennungsdienstlich behandelt. Unmittelbar danach wurden die österreichischen Ermittler von ihren englischen Kollegen verständigt, dass der Langgesuchte gefunden war. Auf Ersuchen der heimischen Justiz wurde Li-Ping H. ausgeliefert.

In seinem Prozess, den Richterin Birgit Schneider leiten wird, dürfte sich der Chinese „nicht schuldig im Sinne der Anklage“ bekennen, wie Verteidiger Ernst Schillhammer im Gespräch mit der APA avisierte. Zuletzt hatte Li-Ping H. zugegeben, den Mann getötet zu haben, jedoch Notwehr geltend gemacht, weil er sich gegen dessen Attacken zur Wehr habe setzen müssen.

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