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15-Jähriger in Wien von drei Jugendlichen verprügelt: Prozess

15-Jähriger Tschetschene drosch in Wien mit zwei Mittätern auf türkisch stämmigen Burschen ein.
15-Jähriger Tschetschene drosch in Wien mit zwei Mittätern auf türkisch stämmigen Burschen ein. ©APA
Weil er "schlecht" über Tschetschenen gesprochen hatte, ist am 12. August 2020 ein 15 Jahre alter Bursch türkischer Abstammung von drei tschetschenischen Jugendlichen in Wien zusammengeschlagen worden. Einer von ihnen konnte ausgeforscht und festgenommen werden.

Einer von ihnen konnte ausgeforscht und festgenommen werden. Der ebenfalls 15-Jährige, der seine Komplizen nicht preisgab, wurde am Montag am Landesgericht verurteilt.

Zwölf Monate Haft für 15-Jährigen

Der bisher Unbescholtene fasste wegen versuchter absichtlicher schwerer Körperverletzung und Nötigung zwölf Monate Haft aus, wovon ein Monat unbedingt ausgesprochen wurden. Der Rest wurde dem Jugendlichen unter Setzung einer dreijährigen Probezeit auf Bewährung nachgesehen. Zudem ordnete das Gericht Bewährungshilfe an und erteilte dem Schüler die Weisung, sich einer Therapie bei der Männerberatung zu unterziehen. Verteidiger Wolfgang Blaschitz akzeptierte die Entscheidung, die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab. Das Urteil ist damit nicht rechtskräftig.

Ursprünglich war in dem Fall davon ausgegangen worden, die drei Jugendlichen mit tschetschenischen Wurzeln hätten sich als "Sittenwächter" betätigt, da ihr Opfer Kontakt zu einer jungen Tschetschenin pflegte. In der Verhandlung stellte sich allerdings heraus, dass dieser Kontakt bereits 2018 "eingeschlafen" war und das Mädchen monatelang nicht mehr auf virtuelle bzw. telefonische Wiederherstellungsversuche des Jugendlichen mit türkischen Wurzeln reagiert hatte.

Schlecht über Tschetschenen geäußert

Die jungen Tschetschenen hatten allerdings über Dritte erfahren, dass sich der 15-Jährige abfällig über ihre Volksgruppe geäußert hatte. Das wollten sie nicht ungesühnt lassen. Man entschloss sich, dem Burschen einen "Denkzettel" zu verpassen, wie der Angeklagte einräumte.

Das Opfer habe "über unser tschetschenisches Volk gelästert", gab der für sein Alter groß gewachsene und trainierte Bursch - er ging bis zu seiner Festnahme in seiner Freizeit dem Boxsport nach - zu Protokoll. Der ihm persönlich nicht bekannte Gleichaltrige habe Tschetschenen als "schwache Leute" bezeichnet: "Ausgemacht war, dass ich ihn schlage. Die anderen sollten nix machen. Nur zuschauen."

Opfer geschlagen und gegen den Kopf getreten

Der junge Türke wurde am Hals gepackt und gegen eine Hausmauer gedrückt, als er sich losreißen wollte. Dann verpasste ihm der Angeklagte einen Faustschlag, der den Angegriffenen zu Boden gehen ließ. Sodann schlugen und traten laut Anklage alle drei Täter auf ihn ein, wobei sich die Tritte primär gegen den Kopf und das Gesicht richteten. Der Betroffene erlitt Prellungen, Hämatome und Rissquetschwunden, zum Glück aber keine schwerwiegenden Verletzungen.

"Es war ein Fehler von mir, aber Fehler macht man", stellte der Angeklagte nüchtern fest. Er habe das Opfer "nur geschlagen" und nicht gegen dessen Kopf getreten, behauptete er. Das habe "ein Anderer" gemacht: "Der Andere ist nicht meine Sache."

"So geht es einfach nicht", hielt Richterin Michaela Röggla-Weiss in ihrer Urteilsbegründung hinsichtlich der Motivlage fest. Aus nichtigem Anlass sich zu dritt gewalttätig gegen einen Gleichaltrigen zu verabreden, bedürfe einer spürbaren Sanktion. Allerdings ging die Richterin davon aus, dass die Ursache für die inkriminierte Tätlichkeit tatsächlich nur abschätzige Worte gegen die tschetschenische Volksgruppe waren: "Im Zweifel kann nicht festgestellt werden, dass es sich um eine Sittenwächter-Angelegenheit gehandelt hat." Der verletzte 15-Jährige bekam vom Gericht eine finanzielle Wiedergutmachung in Höhe von 200 Euro zugesprochen. Mit darüber hinausreichenden Ansprüchen wurde er auf den Zivilrechtsweg verwiesen.

(APA/Red)

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