140 Tote bei israelischer Gaza-Offensive

Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat hat eine internationale Untersuchung der israelischen Militäroffensive im Norden des Gazastreifens gefordert.

In den vergangenen 17 Tagen habe die Armee dort mehr als 140 Palästinenser getötet, sagte Erekat am Samstag im Radiosender „Stimme Palästinas“. Er bezeichnete den Einsatz als Massaker, bei dem auch hunderte Menschen verletzt und Dutzende Häuser, die Zivilisten gehört hätten, zerstört worden seien.

Die israelische Armee hatte sich in der Nacht zum Samstag auf Beschluss der Regierung aus palästinensischen Wohngebieten auf Beobachtungspositionen zurückgezogen. Mit der Offensive „Tage der Buße“, die mehr als zwei Wochen dauerte, wollte Israel zuvor den Raketenbeschuss seiner Grenzorte unterbinden. Auslöser war die Tötung zwei Kleinkinder im israelischen Sderot am 29. September durch eine palästinensische Rakete.

Die israelische Armee soll nun mit einzelnen Attacken auf Raketenangriffe reagieren oder diese verhindern. Das Militär ziehe sich aus Gebieten zurück, „bei denen wir sicher sind, dass der Raketenbeschuss aufgehört hat oder wo wir die Dinge unter Kontrolle haben“, sagte ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon. Bei weiteren Raketenbeschüssen werde die Armee zurückkehren: „Wir werden einrücken und handeln, wann immer wir das Gefühl haben, wir werden bedroht.“

Laut Rettungskräften befanden sich unter den in den vergangenen zwei Wochen getöteten Palästinensern 42 Zivilisten. Augenzeugen berichteten, alle vorgerückten 200 Panzer und gepanzerten Fahrzeuge der Armee hätten sich aus dem Gebiet im Norden des Gaza-Streifens zurückgezogen. Bei ihrem Abzug hinterließ die Armee eine Spur der Verwüstung: Die Stadt Beit Hanun sei von der Stromversorgung abgeschnitten, sagten Anwohner. Viele Oliven- und Zitronenhaine seien zerstört und in dicht bebauten Straßen seien Häuser, Straßen und Wasserleitungen durch die Panzer beschädigt worden. Der israelischen Armee zufolge haben die Haine Extremisten als Deckung für den Abschuss ihrer Raketen gedient.

Die Palästinenser feierten den Rückzug in der Nacht mit einem Feuerwerk. „Gott sei Dank sind die schlimmen Tage vorbei“, sagte der 35-jährige Ahmed Abu Ali. „Wir hoffen, es ist ein echter Abzug und keine Taktik.“ Die radikalen Palästinenser-Organisation Hamas erklärte den Abzug zu ihrem Sieg. Sie kämpft für die Zerstörung Israels. Das Flüchtlingslager Jabaliya in dem vorübergehend von Israel eingenommenen Gebiet gehört zu ihren Hochburgen. Unter den laut Rettungskräften 62 getöteten Extremisten gehörten viele dieser Gruppe an.

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