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14-jährige Palästinenserin wegen Steinewerfens zwei Monate in Haft

Chaula al-Khatibs Tochter Malak wird in Israel vor ein Militärtribunal gestellt.
Chaula al-Khatibs Tochter Malak wird in Israel vor ein Militärtribunal gestellt. ©AP
Zwischen ihren Händen hält Chaula al-Khatib ein Foto ihrer jugendlichen Tochter, das Gesicht bleich und pausbäckig. Die 14-jährige Malak ist jetzt die jüngste Palästinenserin in einer israelischen Haftanstalt.

Ein Militärgericht verurteilte sie wegen Steinewerfens und Besitz eines Messers zu zwei Monaten Gefängnis. Der Fall löste in den Palästinensergebieten und unter Bürgerrechtlern Empörung aus.

“Handschellen und Fußfesseln”

“Mein Herz zerbrach, als ich Malak vor dem Tribunal sah, in Handschellen und mit Fußfesseln”, berichtet die Mutter. “Wegen der Kälte hatte ich ihr eine Jacke mitgebracht, aber der Richter erlaubte nicht, sie ihr zu reichen”, erklärt die 50-jährige voller Kummer in ihrem Heimatdorf Beitin, am Nordrand von Ramallah.

Dass Kinder im Westjordanland bei Protesten gegen die seit 1967 anhaltende Besatzung festgenommen werden, ist nicht selten, erläutert Bürgerrechtler Ajed Abu Katich im Gespräch mit AFP. Rund eintausend Minderjährige seien es jedes Jahr, sagt der lokale Sprecher der Gruppe Defence for Children International, die ihren Hauptsitz in Genf hat. Aber Mädchen sind äußerst selten betroffen.

Der palästinensische Klub der Gefangenen, der sich um das Los der gegenwärtig 6.500 Palästinenser in israelischer Haft kümmert, zählt unter den aktuell knapp 200 Minderjährigen nur vier Mädchen. Und dies sei die höchste Zahl seit vielen Jahren, ergänzt Klub-Sprecherin Amani Sarachneh.

Briefe an die Vereinten Nationen

Da Malak (Arabisch für “Engel”) nach palästinensischen Angaben die jemals jüngste Gefangene ist, schlugen die Emotionen hoch und ergriffen auch die Autonomiebehörde in Ramallah. Sie schrieb Briefe an Spitzenvertreter der Vereinten Nationen und führte Klage, “dass Kinder mitten in der Nacht verhaftet und wochenlang ohne Kontakt zur Familie in Untersuchungshaft gehalten werden”. In den sozialen Netzwerken und der Lokalpresse wird Malaks Porträtfoto immer wieder veröffentlicht und geteilt.

Ihr Vater Ali al-Khatib kann nicht begreifen, wie israelische Soldaten seine Tochter, in Schuluniform, Tornister auf dem Rücken, verhaften und mit verbundenen Augen abführen konnten: “Ich weiß nicht, wie sich so ein gut bewaffneter Staat wie Israel von meiner jungen Tochter bedroht fühlen kann”, empört sich der achtfache Vater.

Stein aufgehoben

Laut Klageschrift, die AFP vorliegt, soll Malak am 31. Dezember am Rand einer Straße, die vor allem von israelischen Siedlern genutzt wird, einen Stein aufgehoben haben. Die fünf Soldaten, die sie dabei beobachteten und festnahmen, fühlten sich auch von dem Messer bedroht, das sie bei ihr fanden. Drei Wochen saß die 14-jährige danach in Untersuchungshaft, bevor sie vor ein Militärgericht gestellt wurde.

Da das Westjordanland unter Besatzungsrecht steht, sind für von Israel geführte Strafverfahren gegen Palästinenser ausschließlich Militärtribunale zuständig, während die Siedler vor zivile Gerichte gestellt werden, gegebenenfalls vor Jugendgerichte. “Jedes Jahr stehen zwischen 500 und 700 palästinensische Minderjährige vor den Militärgerichten”, erklärt Katich. “Israel erlaubt Militärprozesse schon gegen zwölfjährige Kinder, was laut Unicef einzigartig ist”, erläutert er.

Körperliche und sexuelle Gewalt

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, hatte unlängst in einem Sonderbericht die Verhörmethoden der israelischen Armee beklagt: Die festgenommenen Minderjährigen würden mit körperlicher oder sexueller Gewalt gegen sie selbst oder Familienangehörige eingeschüchtert.

Dabei stützen die Militärtribunale ihre Urteile zumeist auf Geständnisse der Kinder. So war es auch im Fall von Malak, die neben der zweimonatigen Haft auch zu 6.000 Schekel (rund 1.350 Euro) Bußgeld verurteilt wurde. “Sie wurde doch gerade erst 14. Einmal in den Armeebaracken eingesperrt, hätte sie völlig verängstigt doch jedes Verbrechen gestehen können”, sorgt sich Ali al-Khatib. “Hätten die darauf gedrungen, dass sie Atombomben besitze, hätte sie auch das eingeräumt”, ruft der Vater aus. (APA)

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