100 Jahre Musiktheater am Gürtel

Mit einer großen Gala feiert die Wiener Volksoper am Samstag, 4. September (19 Uhr, weitere Termine: 10. und 18. September), ihr 100-jähriges Bestehen als Musiktheater - 1898 erbautes Haus wurde 1904 vom Sprechtheater zur „Volksoper“.

Mitwirkende bei der von Christoph Wagner-Trenkwitz moderierten Veranstaltung sind u. a. der zukünftige erste Kapellmeister Alfred Eschwe, Annely Peebo, Morten Frank Larsen, Wicus Slabbert oder Ulrike Steinsky. Die Gala taucht musikalisch in die Zeit des ersten Direktors der Volksoper, Rainer Simons, und in die Mitte der 1950er Jahre, als die Volksoper vom Nachkriegs-Ausweichquartier der Staatsoper zum eigenständigen Bundestheater mit unverwechselbarer Programmgestaltung wurde.

Das 1898 aus privaten Mitteln erbaute Haus am Gürtel kam schon in einige Turbulenzen, bevor es zur Volksoper mutierte. Zum 50. Jahrestag der Krönung von Franz Joseph I. als „Kaiserjubiläums-Stadttheater“ erbaut, wurde das Haus als „Bollwerk deutschnationaler Theatergesinnung“ (Wagner-Trenkwitz) programmiert. Doch das Interesse hielt sich in Grenzen, Gründungsdirektor Adam Müller-Guttenbrunn ging mit dem Sprechtheater in Konkurs.

Inzwischen hatte sich ein „Volksopern-Verein“ gegründet, der die Erbauung eines zweiten Opernhauses finanzieren wollte, jedoch einer hierfür gesammelten beträchtlichen Summe verlustig ging, als ein gewisser Herr Strohmayer im Jahr 1900 mit ebendieser untertauchte. So verfielen die Geldgeber auf die Idee, auf einen eigenen Neubau zu verzichten und das bestehende Gebäude am Gürtel als „Volksoper“ zu nützen.

Erster Direktor nach der Neuausrichtung wurde Rainer Simons, der das Haus von 1903 bis 1917 führte. Erster Schritt in Richtung „Volksoper“ war im September 1903 die Aufführung von Carl Maria von Webers „Preciosa“. Zur Aufführung von Webers „Freischütz“ am 15. September 1904 setzte Simons unter den sperrigen alten Theaternamen erstmals den Zusatz „Volksoper“. Dieses Jubiläum wird nun am Samstag mit der Gala gefeiert, wo auch eine kleine Auswahl aus bekannten und weniger bekannten Werken der Ära Simons erklingt. Ab 1906 wurde das Haus ausschließlich Volksoper genannt und bot nur mehr Opern und Operetten, programmatisch näherte man sich der Hofoper am Ring, wo die Nähe mit Misstrauen beäugt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es das Ensemble der Staatsoper, die das 1944/45 geschlossene Haus am Gürtel wieder zum Klingen brachte. Am 1. Mai 1945 wurde von diesem in der Volksoper Mozarts „Hochzeit des Figaro“ aufgeführt. Als „Ausweichquartier“ für die Staatsoper machte sich die Volksoper einen Namen, Wieland Wagner sprach vom „Bayreuth der Operette“.

1955 wurde die Volksoper in den Bundestheaterverband aufgenommen, und die Zeit Mitte der 1950er Jahre, als die Volksoper zu „Wiens größtem qualitätsvollen Unterhaltungstheater“ mit eigenständigem Profil wurde, gilt dem Haus als weitere Zäsur, die es zu feiern gilt. Marcel Prawy als Chefdramaturg des Hauses gelang es 1956, die Volksoper für das gehobene Musical zu öffnen, weiterer Teil des Volksopern-Programmes war schon zu Zeiten Rainer Simons Wagner und Verdi gewesen. All diese Stile werden bei der Volksopern-Gala wiedergegeben.

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