AA

10 Jahre Audimax-Besetzung: Flächenbrand, Sparflamme, Brand aus

Besetzung des Wiener Audomax im Jahr 2009.
Besetzung des Wiener Audomax im Jahr 2009. ©APA/GEORG HOCHMUTH
Am 22. Oktober 2009 begann mit einer Demo gegen Änderungen der Studienstruktur jene Aktion, die einen zum Inbegriff zivilgesellschaftlichen Engagements und für andere schlicht zum Vandalismus mutierte: Die Besetzung des Audimax der Uni Wien.

Bei dessen Räumung 60 Tage später lief "unibrennt" aber nur noch auf Sparflamme, mittlerweile ist der Brand komplett aus.

Besetzung des Wiener Audimax als spontane Aktion

Begonnen hatte die Besetzung 2009 als spontane Aktion nach Protesten an der Akademie der Bildenden Künste gegen die Umstellung der Studien auf die Bologna-Struktur mit Bachelor, Master und PhD. Über damals noch relativ neue Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter wurden Unterstützer in den Hörsaal beordert und nach einer durchtanzten ersten Nacht wurde mit der Einrichtung von Infrastruktur begonnen: Ein basisdemokratisch organisiertes "Plenum" entschied über alle wichtigen Angelegenheiten, daneben konstituierten sich "Arbeitsgruppen", die u.a. Forderungskataloge erarbeiteten, Putztrupps und "Volxküche". Unterstützung gab es dabei auch von der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH). Inhaltlich wandten sich die Aktivisten gegen Studiengebühren bzw. Zugangsbeschränkungen und forderten "Bildung statt Ausbildung".

Warum gerade damals der Funken übersprang und Proteste entstanden, darüber wurde später viel diskutiert: Kurz davor waren die Studiengebühren quasi abgeschafft worden - als Folge stieg die Zahl der Studienanfänger, auch aufgrund vieler Deutscher, um mehr als 20 Prozent an. Weder für die zusätzlichen Studenten noch die damals schlagend werdende Umstellung der Studienarchitektur gab es zusätzliches Geld - Folge waren überfüllte Hörsäle.

Studenten lösten breite Debatte aus

Mit der Besetzung lösten die Studenten eine breite Debatte aus: An der größten Demonstration nahmen zwischen 10.000 und 50.000 Menschen teil - deutlich mehr als die ÖH als offizielle Studenten-Vertretung in den Jahren davor auf die Straße gebracht hatte. Das heißt aber nicht, dass sich diese ganz aus dem Spiel nahm. "Wir haben uns bewusst nicht draufgesetzt, weil es sonst den Charakter der Bewegung zerstört hätte", so die damalige ÖH-Vorsitzende und heutige Grüne Nationalratsabgeordnete Sigrid Maurer zur APA. Gleichzeitig gab es institutionelle wie persönliche Unterstützung, viele ÖHler inklusive Maurer legten vor Ort Hand an.

Mittels sozialer Netzwerke, Homepage und spontaner Aktionen schafften es die Aktivisten der "unibrennt"-Bewegung immer wieder, auch in der Öffentlichkeit Gehör zu finden: So wurden etwa eine Burgtheater-Vorstellung unterbrochen, Flashmobs organisiert und eine Nationalratssitzung gestört.

Politik reagierte mit Beschwichtigungsversuchen

Die Politik reagierte mit Beschwichtigungsversuchen: Der damalige Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) zapfte seine "Notfallreserve" von 34 Mio. Euro an und initiierte einen rund ein Jahr dauernden "Hochschuldialog", der kein Ergebnis brachte. Er selbst verabschiedete sich - ohne einen Besuch im Audimax - bald als EU-Kommissar nach Brüssel. Erst seine Nachfolgerin Beatrix Karl (ÖVP) stellte sich wenige Tage nach ihrer Angelobung dem direkten Gespräch mit den Studenten.

Für die Politik zahlte sich das Aussitzen aus: "unibrennt" rieb sich immer mehr an internen Fragen wie dem Umgang mit Sexismus und Rassismus im Audimax auf und verlor an Zulauf, der "besetzte" Hörsaal war immer öfter leer oder nur spärlich gefüllt. Schafften es die Besetzer mit Konzerten oder Vorträgen zunächst immer wieder, die Stimmung zum Kochen zu bringen, war der Hörsaal im Laufe der Zeit meist nur mehr Anlaufstelle für eine kleine Zahl von Aktivisten und - zunehmend - Obdachlose. Wirklich voll wurde das Audimax nur mehr Anfang Dezember, als Rektor Georg Winckler sich dem Plenum stellte.

Räumung des Audimax am 21. Dezember

Die Uni-Leitung hatte die Besetzung anfangs toleriert, drängte aber auch angesichts hoher Kosten für Ersatzräumlichkeiten zunehmend auf einen Abzug. Am 21. Dezember war es dann soweit: In den frühen Morgenstunden wurde der Hörsaal geräumt: Verblieben waren zu diesem Zeitpunkt noch rund zehn bis 15 Studenten und 80 Obdachlose.

Nach dem Verlust ihres Flaggschiffs blieb die Protestbewegung nur mehr auf Sparflamme aktiv. Vereinzelt wurde demonstriert, kurzfristig gab es zwei Mal spontane mehrstündige Audimaxbesetzungen. Geblieben sind ein Kinofilm und eine Doku, aber auch kleine hochschulpolitische Erfolge. In den folgenden Monaten wurden doch einige Curricula geändert und etwa mehr Wahlfächer eingeführt.

(APA/Red)

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Wien - 1. Bezirk
  • 10 Jahre Audimax-Besetzung: Flächenbrand, Sparflamme, Brand aus
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen