1.613 Anzeigen wegen Körperverletzungen an Kindern

1.574 Kinder unter 14 Jahren haben im Vorjahr von Jänner bis September eine schwere Körperverletzung erlitten. 39 weitere wurden sogar absichtlich bzw. (sehr) schwer verletzt, so die Anzeigenstatistik des Bundeskriminalamts.

116 Straftaten wegen Quälens und Vernachlässigens von unter 14-Jährigen wurden im selben Zeitraum gemeldet. “Es ist leider so, dass in manchen Familien noch immer die Haltung herrscht, dass man Kinder misshandeln darf”, kritisierte Rosa Logar, Leiterin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie.

Kindesmisshandlung werde im Alltag nach wie vor akzeptiert, sagte Logar am Montag zur APA. “Daher ist es wichtig, jede Form von Gewalt zu verbieten. Auch die Watschen – die kann bei kleinen Kindern fatale Folgen haben.” Bei rund 4.000 Gewaltfällen, mit denen die Wiener Frauenhäuser jährlich konfrontiert werden, gebe es tausende mitbetroffene Kinder.

“Leider muss ich sagen, dass es um den Kinderschutz in Österreich nicht so gut bestellt ist”, urteilte Logar. “Hier würde ich sehr dafür plädieren, dass die Jugendwohlfahrt mehr Ressourcen bekommt.” Wichtig wäre auch eine bessere Strafkultur, forderte Logar. “Strafen helfen und sind hier notwendig.” Viele Fälle würden jedoch eingestellt bzw. nicht bestraft. Ein Gewaltpotenzial verschwinde jedoch nicht von selbst. “Jemand der gewalttätig ist, sucht sich ein neues Opfer”, so die Expertin. Bei der Bewährungshilfe müsse man daher auch an die neuen Partner denken und diese miteinbeziehen. Und es müsse mehr Antigewalt-Therapien geben, die derzeit nur wenige Männer bekämen.

Natürlich sei bei einem Fall wie des zu Tode misshandelten Dreijährigen in Bregenz auch die Mutter mitverantwortlich. Man wisse aber nicht, wie sehr die Frau eingeschüchtert worden sei: “Eine Mutter, die selbst geschlagen wird und Angst vor dem Partner hat, kann ihre Kinder schlecht schützen. Das ist eine gefährliche Verquickung”, betonte Logar.

Eine wichtige Rolle spiele daher immer auch die gesellschaftliche Verantwortung. “Meisten hat es vorher Anzeichen gegeben”, hob Logar hervor. Neben äußeren Verletzungen seien das vor allem Verhaltensweisen: “Als Nachbar könnte einem auffallen, dass ein Kind häufig schreit”, meinte die Expertin. Wenn man das anspreche und abweisend bzw. aggressiv reagiert werde, könnte das ein Hinweis sein. Weiters gilt: Wenn man selbst schon Angst vor einem Nachbarn hat, dann kann man sich vorstellen, wie es den Kindern gehen muss.

In solchen Fällen sollte man abklären, ob jemand in der Umgebung ähnliche Beobachtungen gemacht hat, rät Logar. “Auf jeden Fall sollte man tätig werden und bei der Jugendwohlfahrt anrufen oder Lehrer bzw. den Kindergarten informieren. Es ist besser einmal zu früh, als einmal zu wenig.”

Nachbarn bzw. Bekannte haben – vor allem im ländlichen Bereich – oft Angst, die Polizei zu rufen, meinte dazu Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF). Hilfestellung bietet die österreichweite Frauenhelpline gegen Gewalt unter der Nummer 0800/222 555. Rund um die Uhr wird dort kostenlose telefonische Beratung angeboten. Informationen gibt es auch im Internet:.

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