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1 + 1 = 100 oder Die Schule des Lebens

Man stelle sich vor, es ist Schule und man muss wieder hin: Besonders tragisch ist das nicht - gesetzt den Fall, man landet in jener mehrstufigen Integrationsklasse an der Wiener Volksschule Brioschiweg, die die österreichische Regisseurin Doris Kittler für ihren Film "1+1=100 oder Die Schule des Lebens" begleitet hat. Als Plädoyer für eine neue, von Mitbestimmung, Kreativität und Freiheit geprägte Schule ist der Dokumentarfilm zu verstehen, der ab Freitag (20.4.) täglich um 19.00 Uhr im Filmhaus Kino am Spittelberg in Wien zu sehen ist. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Kaum ein Thema wird derzeit mehr diskutiert als die geforderte Reform des österreichischen Bildungssystems. Mittels Schulversuchen wie jenem an der Volksschule Brioschiweg wird vielerorts aber bereits aus dem starren Regelschulwesen ausgebrochen. Doris Kittler zeigt 25 Schüler zwischen sechs und zehn Jahren verschiedener Herkunft und mit unterschiedlichsten Bedürfnissen, die gemeinsam unterrichtet und doch individuell betreut werden. Die älteren Kinder helfen den jüngeren, die stärkeren den schwächeren, der Lehrer tritt auch mal zurück und wird zum Lernbegleiter. “Kinder freuen sich, wenn sie zum ersten Mal in die Schule kommen”, sagt eine der Lehrerinnen, “unser Ziel ist es, ihnen diese Freude so lange wie möglich zu erhalten.” Nicht nur Wissensaufnahme, sondern “leben lernen” stehe hier im Mittelpunkt.

1 + 1 = 100 oder Die Schule des Lebens

“Hier ist man freier”, sagt etwa Leon, der aus einer Regelschule hierher gewechselt ist, “man kann die Sachen machen, die einem gefallen.” Die Kinder werden je nach Bedürfnis unterschiedlich unterrichtet, auch Montessori-Materialien kommen zum Einsatz. So wird der Buchstabe “B” als Brot gebacken und werden zehn Tage lang akribisch Reiskörner aus einer Ein-Kilo-Packung gezählt (es sind übrigens 40.000). Gehässigkeiten zwischen den jungen Klassenkollegen gibt es auch hier – nur werden diese bei einem wöchentlichen “Forum” unter den Schülern ausdiskutiert und beseitigt. An anderen Tagen wird wie unter Erwachsenen über Umweltschutz und Kapitalismus diskutiert oder der “typische Wiener” spielerisch und musikalisch ertastet.

Mal interagieren die Kinder in “1+1=100” direkt mit der Regisseurin, dann wieder scheinen sie die Kamera auszublenden und sich von ihr nicht beirren zu lassen. Kittler gelingt damit ein guter Einblick in die Klassengemeinschaft und die Lehrerschaft, deren Methoden sie sich in Interviews beschreiben lässt. Namen werden ebenso wenig eingeblendet wie Erklärungen aus dem Off gegeben – die Beobachtungen stehen für sich und werden lediglich mit beschwingter Musik von Otto Lechner und Max Nagl unterlegt. Einzelne Kinder werden teilweise durch längere Begleitung vorgestellt, sodass man die Vielfalt vom hochbegabten Einzelgänger bis zum Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf begreift. Visuell anstrengend ist indes die Aufnahme in Home-Video-Qualität, die die 70 Minuten Dokumaterial lang werden lassen.

Am Ende ist “1+1=100” mehr Plädoyer für eine andere Schule denn ästhetischer Dokumentarfilm. Die Doku kann und soll vorrangig Verantwortlichen Inspiration und Anregung sein. Alle anderen Zuseher nehmen eventuell Dinge mit, die sie möglicherweise noch nicht wussten: So erfährt man gemeinsam mit den Kindern woher der Name Naschmarkt kommt oder welches Harmonikainstrument in Wien erfunden wurde. Das ist doch auch was.

(APA)

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