“Wiener Wohn-Sinn”: Christoph Mandls Anekdoten aus dem Gemeindebau

Der Wiener Gemeindebau von den Anfängen bis zur Gegenwart wird in dem Buch erfasst
Der Wiener Gemeindebau von den Anfängen bis zur Gegenwart wird in dem Buch erfasst - © tredition Verlag / APA (Sujet)
Der Gemeindebau ist viel besser als sein Ruf: Davon will Journalist und Autor Christoph Mandl mit seinem Werk “Wiener Wohn-Sinn” überzeugen. Seine Schnurren aus dem Gemeindebau in Buchform sind unser Buch-Tipp der Woche.

Leser können auf 150 Seiten in Form von zahlreichen Anekdoten und Erinnerungen in das Leben in kommunalen Wohnbauten eintauchen. Nebenbei erhalten sie auch interessante Informationen zur Geschichte und Architektur – ohne in die Tiefe zu gehen.

Christoph Mandl: Ein Hoch auf den Gemeindebau

Man merkt gleich, dass Mandl ein Gemeindebau-Fan ist: “Gemeindebau – das ist Ausdruck eines Lebensgefühls. Damals wie heute. Einmal mehr, einmal weniger, aber immer eine bestimmte Wohnform, der mehr gemeinsam ist, als nur ein gemeinsamer Hauseingang”, ist etwa auf einer der ersten Seiten zu lesen. Als junger Student wurde er, um eine Reportage für eine Tageszeitung zu schreiben, zur Großfeldsiedlung geschickt. Durch seine Eindrücke schrieb er schließlich einen Text, der die gängigen Vorurteile nicht bedienen wollte.

“Wiener Wohn-Sinn” begibt sich auf einen Streifzug durch die Gemeindebauten Wiens – vom Ottakringer Sandleitenhof über den Döblinger Karl-Marx-Hof bis hin zu den sogenannten Tausendstundenhäusern. Diese wurden armen Wohnungssuchenden übergeben und dafür 1.000 Stunden Arbeitsleistung als Eigenbeitrag verlangt.

“Wiener Wohn-Sinn”: Erinnerungen und Anekdoten

Mandl zitiert in seinem Büchlein historische Erinnerungen verstorbener Bewohner wie dem Arbeiterdichter Alfons Petzold und erzählt von lebenden Bewohnern: der blinden Frau Gerti und dem Buben Patrick, der im selben Stiegenhaus wohnt und ihr immer wieder hilft; dem Psychotherapeuten Herbert, im Innenhof gerne die Rosen schneidet oder von Hausbesorgerin Gaby.

Zu lesen ist viel über Harmonie und Zusammenhalt in den Gemeindebauten – weniger über vielleicht vorhandene Probleme. Ein Manko: Die Architektur und Gestaltung der Bauten wird sehr ausführlich beschrieben und weckt Neugier, diese auch zu sehen – aber Bilder sind in dem Büchlein kaum zu finden.

Erhältlich ist das im Hamburger tredition Verlag erschienene Werk “Wiener Wohn-Sinn” in vielen großen Online-Buchhandlungen und auf Bestellung im Buchhandel. Zur Auswahl stehen die Varianten Hardcover, Taschenbuch und E-Book.

“Wiener Wohn-Sinn. Gemeindebauten in Wien von Anbeginn bis heute”, tredition Verlag, 150 S., Taschenbuch: ISBN 978-3-7345-1196-7, 9,90 Euro

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(apa/red)

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