Wien in roter Hand: Die Bürgermeister seit 1945

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Michael Häupl geht als Amtsinhaber in die Wien-Wahlen am 11. Oktober.
Michael Häupl geht als Amtsinhaber in die Wien-Wahlen am 11. Oktober. - © APA/Herbert Pfarrhofer
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellte die SPÖ sieben Wiener Bürgermeister. Der aktuelle Amtsinhaber Michael Häupl ist der längstdienende.

In Wien regieren seit 1945 ausschließlich sozialdemokratische Bürgermeister – wenn man von einem wenige Tage dauernden kommunistischen Intermezzo unmittelbar nach Kriegsende absieht. Der derzeitige Amtsinhaber Michael Häupl (SPÖ) ist seit Oktober 2008 der längst dienende Bürgermeister da überholte er Franz Jonas, der fast 14 Jahre im Amt war.

Häupl ist der siebente vom Gemeinderat gewählte Bürgermeister seit dem Zweiten Weltkrieg. Vor ihm waren Theodor Körner (1945 bis 1951), Franz Jonas (1951 bis 1965), Bruno Marek (1965 bis 1970) Felix Slavik (1970 bis 1973), Leopold Gratz (1973 bis 1984) und Helmut Zilk (1984 bis 1994) im Amt. Drei von ihnen wechselten aus dem Wiener Rathaus in Spitzenfunktionen im Bund: Körner und Jonas wurden Bundespräsident, Gratz Außenminister.

Betrachtet man die lange Historie Wiens, dann verblasst die Riege der Stadtoberhäupter der Zweiten Republik allerdings zur kurzen zeitgeschichtlichen Episode. Seit dem Jahr 1282 gab es nämlich gezählte 237 Bürgermeister in Wien (wobei einige Personen das Amt mehrmals übernahmen) – unter ihnen bisher keine einzige Frau.

Die Nachkriegs-Bürgermeister im Kurzportrait

Theodor Körner (geboren am 1873 in Uj Szönyi, Ungarn, gestorben 1957 in Wien): Als er am 17. April 1945 provisorisch das Amt des Wiener Bürgermeisters übernahm (und den von der Widerstandsgruppe O5 nominierten Kommunisten Rudolf Prikryl ablöste), stand Körner bereits im 73. Lebensjahr. Am 14. Februar 1946 wurde Körner offiziell zum Bürgermeister gewählt. Er amtierte sechs Jahre lang, bis er im Mai 1951 die Nachfolge des verstorbenen Karl Renner als Bundespräsident antrat.

Franz Jonas (geboren 1899 im damals noch nicht eingemeindeten Floridsdorf, gestorben 1974 in Wien): Der gelernte Schriftsetzer und Buchdrucker verdiente sich als Bezirksvorsteher von Floridsdorf und Stadtrat für Ernährungsangelegenheiten seine Sporen. Im Juni 1951 zum Bürgermeister gewählt, hatte er dieses Amt 14 Jahre lang inne. Er schlug für die SPÖ drei Wahlen. Auch Jonas zog 1965 aus dem Rathaus in die Hofburg um.

Bruno Marek (geboren 1900, gestorben 1991 in Wien): Der ehemalige Leiter der Wiener Messe AG war bereits 16 Jahre lang Präsident des Wiener Landtages, als er im Juni 1965 Bürgermeister wurde. Herausragendes Ereignis seiner Amtsperiode war der im Jahr 1968 erfolgte Grundsatzbeschluss des Gemeinderates über den Bau der U-Bahn und der tatsächliche Baubeginn im darauf folgenden Jahr. Im Dezember 1970 legte er sein Amt aus Altersgründen zurück.

Felix Slavik (geboren 1912, gestorben 1980 in Wien): Er gab ein “Kurzgastspiel” im Rathaus. Er scheiterte an der geplanten Verbauung des Sternwarteparks in Währing. Die von ihm veranlasste Volksbefragung – die erste ihrer Art und noch ohne gesetzliche Grundlage – brachte über 57 Prozent “Nein”-Stimmen. Im Juni 1973 legte er nach knapp zweieinhalb Jahren sein Amt als Bürgermeister zurück.

Leopold Gratz (geboren 1929, gestorben 2006 in Wien): Der Jurist mit SPÖ-Parteikarriere war 1970 Unterrichtsminister, ab 1971 Klubchef im Nationalrat. Als Bürgermeister musste er 1976 den Einsturz der Reichsbrücke hinnehmen. In seine Amtszeit fielen aber auch der Start für die Neugestaltung des Donaubereiches und die Fertigstellung des U-Bahn-Grundnetzes. Im September 1984 tauschte Gratz den Bürgermeistersessel gegen den des Außenministers im Kabinett Sinowatz.

Helmut Zilk (geboren 1927, gestorben 2008 in Wien): Entgegen aller Erwartungen wurde 1984 der ehemalige Lehrer, Journalist, ORF-Programmdirektor, Ombudsmann, Kulturstadtrat und Unterrichtsminister als neuer Bürgermeister auserkoren. Mit der ihm eigenen Vehemenz widmete er sich den Angelegenheiten des einzelnen Bürgers. Dennoch fiel in seine Amtszeit der Verlust der absoluten SPÖ-Stimmenmehrheit. Im Dezember 1993 wurde Zilk Opfer eines Attentats der ersten Briefbombenserie.

Michael Häupl (geboren 1949 in Altlengbach, NÖ): Bereits seit 1993 Wiener SPÖ-Chef, löste der Biologe im November 1994 Zilk als Bürgermeister ab. In den bisher fast sechzehn Jahren seiner Regierungszeit konnte Häupl die absolute Mandatsmehrheit bei der Wahl 2001 wiedererringen, nachdem diese 1996 verloren gegangen war. 2005 wurde die “Absolute” verteidigt, 2010 ging sie erneut verloren, woraufhin Häupl sich zur rot-grünen Koalitionspremiere entschloss. Häupl gilt als starker Mann in der SPÖ, der sich auch regelmäßig zu bundespolitischen Themen zu Wort meldet.

>> Alles zu den anstehenden Wien-Wahlen finden Sie hier

(APA, Red)

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