Wien: Bankzentrale wird zur Notunterkunft

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Nach der Schließung der deutschen Grenzen ist Krisenmanagement mehr denn je gefragt.
Nach der Schließung der deutschen Grenzen ist Krisenmanagement mehr denn je gefragt. - © APA
Nach den intensiven Kontrollen an den Grenzen zu Bayern wird in Wien fieberhaft nach Unterkünften gesucht. In Deutschland werden 21 Flüchtlinge vorerst in einem ehemaligen KZ untergebracht.

Bis Montag früh hat die Polizei weitere 5.000 Flüchtlinge, die den Grenzübergang Nickelsdorf aus Ungarn kommend überqueren werden, erwartet. Das sagte Polizeisprecher Helmut Marban der APA. Bis Montagfrüh waren bereits 16.500 Migranten eingereist.

1.100 wurden nach Wien transportiert, 200 bis 300 sollten in Einrichtungen der Caritas und in Pfarren der Umgebung untergebracht werden. 1.000 Menschen übernahm das Bundesheer und einige hundert sollten in der Veterinärgrenzstation unterkommen. Vermutlich sollten auch unter dem Flugdach in Nickelsdorf wieder Menschen unterkommen.

Die Deutsche Bahn hat den Zugverkehr zwischen Deutschland und Österreich am Montag um 7:00 Uhr teilweise wieder aufgenommen. Ausgenommen ist zunächst die Strecke zwischen Salzburg und München. Dort befänden sich Menschen auf den Bahngleisen, weshalb hier noch nicht gefahren werden könne, sagte ein Bahn-Sprecher in Berlin. Am Sonntagnachmittag war der Zugverkehr zwischen den beiden Ländern auf Weisung der deutschen Bundesbehörden unterbrochen worden.

Restriktive Grenzkontrollen? “Situation, die wir uns nicht wünschen”

Burgenlands Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil sagte im ORF-Fernsehen am Sonntagabend, der Abtransport von Flüchtlingen aus Nickelsdorf funktioniere “sehr ruhig”. Infolge der geplanten Sperre der ungarisch-serbischen Grenze durch Ungarn werde die Strecke über Budapest und Györ nach Österreich wohl nicht in der bisherigen Intensität genutzt werden. Dann sei davon auszugehen, dass die Flüchtlinge auf die Route vìa Kroatien und Slowenien sowie die Route über Bulgarien und die Slowakei ausweichen, um schließlich über Österreich nach Deutschland zu gelangen.

Wenn auch Österreich an seiner Grenze zu Ungarn ad hoc restriktive Kontrollen einführte, würden aus der Sicht Doskozils Tausende Flüchtlinge “flächig über die Grüne Grenze” in die Ortschaften des Bezirks Neusiedl/See kommen und müssten dort versorgt werden. “Das ist eine Situation, die wir uns nicht wünschen”, betonte Doskozil.

Wien: Flüchtlinge in Erste-Bank-Zentrale

In Wien hat die Erste Bank ihr in Bau befindliches Hauptquartier am Wiener Hauptbahnhof geöffnet, um obdachlosen Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Weitere Standorte könnten folgen, hieß es Sonntagabend. In der ganzen Stadt wird angesichts der vorübergehenden deutschen Grenzsperre fieberhaft nach weiteren Quartieren gesucht.

Unterstützt vom Samariterbund stehen seit Samstag 302 Plätze zur Verfügung, die gleich in der ersten Nacht voll genutzt wurden. Der Startschuss fiel erst am Donnerstag, berichtete Projektleiterin Renate Tomaschek. Fieberhaft wurden im Erdgeschoß Böden verlegt, bei Ikea 151 Holzstockbetten gekauft und von Bankmitarbeitern aufgebaut. Vorstandsvorsitzender Heinrich Treichl will den Betrieb je nach Bedarf bis Februar oder März aufrechterhalten.

Deutschland: Ehemaliges KZ als Notquartier

Indes wird in Deutschland ein ehemaliges Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald laut einem Medienbericht inzwischen von Flüchtlingen bewohnt. Die westdeutsche Stadt Schwerte (Nordrhein-Westfalen) hat nach Angaben des israelischen Portals Ynet mit der Unterbringung von Zufluchtsuchenden in der übrig gebliebenen Wachbaracke des ehemaligen Lagers begonnen.

Demnach wurde entschieden, dass 21 Flüchtlinge dort wohnen sollen. Diesen Schritt hatte die Stadt Schwerte bereits im Jänner ungeachtet heftiger Kritik in Betracht gezogen. Schwertes Bürgermeister Heinrich Böckelühr verteidigte damals die Entscheidung als “sachgemäß”. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte nach Gesprächen mit Vertretern von jüdischen Verbänden an die Stadt appelliert, den Plan fallen zu lassen. Auch von Historikern und Integrationsorganisationen kam Kritik.

(APA, Red.)

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