Wiener Flüchtlingskoordinator Hacker: “Wir waren vorbereitet”

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Flüchtlinge am Sonntag in der Nähe des Hauptbahnhofs in München (Bayern)
Flüchtlinge am Sonntag in der Nähe des Hauptbahnhofs in München (Bayern) - © APA/dpa/Andreas Gebert
Zur Entscheidung Deutschlands, Grenzkontrollen wieder einzuführen und temporär den Zugverkehr aus Österreich zu stoppen, meldete sich der Wiener Flüchtlingskoordinator Peter Hacker am Sonntagabend in der ORF-TV-Sendung “Wien Heute” . “Wir waren eigentlich nicht überrascht”, sagte er.

Es seien mehrere Szenarien in Betracht gezogen worden, auf die man sich vorbereitet habe.

Hilfsbereitschaft der Wiener nicht in Gefahr

“Wir waren auch darauf vorbereitet, dass der Zugverkehr nach Deutschland ein kleines Hemmnis erfährt”, sagte Hacker. Die Hilfsbereitschaft der Wiener sah er durch die neue Entwicklung ebenfalls nicht in Gefahr. Sie sei nicht dadurch geprägt gewesen, “dass wir helfen und winken”, sondern das sei schon ein Statement gewesen. Er glaube, “dass das völlig uneingeschränkt so weitergeht”.

Hacker: Kapazität für Flüchtlinge nicht ausgeschöpft

Zur Frage der Unterkünfte betonte Hacker, dass Wien noch nicht am Plafond angekommen sei. Auch in der vergangenen Nacht wurde Hacker zufolge die Kapazität bei weitem nicht ausgeschöpft. Es gebe mehrere feste Gebäude, in denen etliche hundert Flüchtlinge untergebracht werden könnten. “Wir bereiten uns darauf vor, dass die Menschen mehrere Tage da bleiben”, sagte Hacker. Man sei dafür gewappnet, “dass wir auch kochen müssen”.

Zur Frage einer Strategie Österreichs nach den geänderten Rahmenbedingungen sagte Hacker, er sei derzeit nur auf Funktionieren gepolt, nicht auf das Nachdenken über eine Strategie. Es gebe eine Sitzung, “wir hoffen, dass da heute eine klare Strategie herauskommt”.

Flüchtlinge: Am Wiener Westbahnhof weiter ruhig

Die Betreuung von Flüchtlingen am Wiener Westbahnhof ist Sonntagabend indessen trotz der Nachricht von der deutschen Grenzschließung unverändert weitergegangen. Der Eisenbahnregelbetrieb bis Salzburg laufe, hieß es seitens ÖBB und Caritas gegenüber der APA. Es herrschte Ruhe. Menschen lagerten im und um den Bahnhof, der Transport in Notquartiere lief weiter.

Züge Richtung Westen fuhren ab, viele Flüchtlinge waren darin aber nicht zu erkennen. Dies sei aber kein Unterschied zu den Tagen zuvor und hänge davon ab, wie voll besetzt die Züge seien, wurde betont. Wie viele Menschen am Sonntag noch eintreffen könnten, wagte niemand zu prognostizieren. Geplante Busse aus Nickelsdorf fuhren direkt in die Quartiere, so ein ÖBB-Verantwortlicher.

54 Flüchtlinge suchten um Asyl an

Bis zum frühen Abend waren am Sonntag 3.000 Menschen am Westbahnhof angekommen, 3.800 seien weitergereist, hieß es nach der örtlichen Lagebesprechung seitens der Caritas. Nur 54 hätten um Asyl angesucht. Am Abend waren noch rund 300 Menschen am Bahnsteig 1 versammelt und warteten auf den Bustransport in die Notquartiere.

Laut Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner standen wie in den Tagen zuvor rund 3.900 Plätze in der Bundeshauptstadt zur Verfügung. “Wir haben es die letzten Nächte schon geschafft, für alle einen warmen Schlafplatz zu finden. Ich bin zuversichtlich, dass das heute auch gelingen wird”, sagte er am Bahnhof zur APA.

Freiwillige am Westbahnhof im Einsatz

Es waren rund 150 Freiwillige am Bahnhof im Einsatz, sortierten und verteilten die zahlreich eingetroffenen Hilfsgüter, versorgten die Menschen mit Nahrung und sorgten für Dolmetschdienste. Eine Prognose, wie es weitergehen könnte, wenn in den nächsten Tagen immer mehr Flüchtlinge ankommen, aber nicht nach Deutschland weiterkommen, wagte Schwertner nicht. Klar sei, dass sich Menschen, die vor Bomben geflüchtet seien, nicht von Grenzzäunen oder -kontrollen aufhalten ließen.

Dass Deutschland den Zugverkehr an von und nach Österreich an allen Grenzen gestoppt hat, wurde regelmäßig – allerdings nur auf Deutsch – durchgesagt. Die Angekommenen machten sich dennoch Hoffnungen auf die Reise nach Deutschland. Passanten wurden angesprochen, die Bitte: Geld für ein “Ticket to Germania”.

(apa/red)

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