Wales-Star Gareth Bale: Seelentherapie gegen Österreich

Von David Mayr
Gareth Bale hat bei Real Madrid derzeit einen schweren Stand.
Gareth Bale hat bei Real Madrid derzeit einen schweren Stand. - © AP Photo/Francisco Seco
Im Nationalteam von Österreichs Samstag-Gegner Wales ist Gareth Bale der unumstrittene Superstar. Bei seinem Klub Real Madrid muss sich der Stürmer allerdings mit Fankritik und einer drohenden Reservistenrolle herumschlagen.

Für das WM-Qualifikationsspiel zwischen Wales und Österreich ist Gareth Bale aus dem sonnigen Spanien in den wolkig-kühlen Südwesten Großbritanniens gereist. Dennoch kommt dem 28-Jährigen der Abstecher in seine Heimat wohl wie der Besuch einer Wohlfühloase vor.

In Spanien hat der Superstar des WM-Qualigegners des ÖFB-Teams derzeit nämlich wenig zu lachen. Pfiffe der Fans, die ständige Debatte um seinen Stammplatz bei Real Madrid und der offen vorgetragene Verkaufswunsch eines mächtigen Chefredakteurs sind die Querschüsse, mit denen sich Bale in seinem Berufsalltag derzeit herumschlagen muss.

Wales-Star Gareth Bale: Von den Real-Madrid-Fans ausgepfiffen

Vergangenen Sonntag zog sich der Waliser bei Reals 2:2 gegen Valencia mit einer mäßigen Leistung den Unmut der so anspruchsvollen Fans der “Königlichen” zu. Seine Auswechslung eine Viertelstunde vor Schluss begleiteten sie mit einem gellenden Pfeifkonzert. “Das hat ihn sehr getroffen und ihm ist bewusst, dass er mit seiner Leistung die Erwartungen derzeit nicht erfüllt”, analysierte Sportjournalist Edu Aguirre die Situation des Offensivallrounders.

Besondere Unterstützung seiner Kollegen wurde Bale ebenfalls nicht teil. “Ein Warnsignal ist nie etwas Schlechtes”, meinte etwa Kapitän Sergio Ramos und Linksverteidiger Marcelo – mit über zehn Dienstjahren beim “Weißen Ballett” ebenfalls ein Schwergewicht im Team – sagte nach dem Valencia-Spiel lapidar: “Hier haben sie schon jeden ausgepfiffen, so ist das Bernabéu eben. Wenn sie pfeifen, musst du hart arbeiten, damit sie nicht mehr pfeifen.”

Rehabilitation gegen Österreich?

Doch sein aktuelles Leistungstief ist nicht Bales einziges Problem bei Real Madrid. Parallel dazu wird die Konkurrenz innerhalb des Teams immer stärker. Edelzangler Isco ist unter Trainer Zinédine Zidane aufgeblüht und zum Fanliebling geworden, Jungstar Marco Asensio dank fantastischer Leistungen und einiger Traumtore zu Beginn dieser Saison auf dem besten Weg dahin.

Insofern hat Tomás Roncero, der streitbare Chefredakteur der Madrider Sporttageszeitung AS, durchaus eine Argumentationsgrundlage, wenn er sagt: “Jetzt bekommst du noch 100 Millione für Bale, aber im nächsten Jahr ist er fast 30 und hat womöglich eine schlechte Saison hinter sich. Das schau’ ich mir an, wie du ihn dann verkaufst.”

Leicht hat es Bale in Madrid, wo die Ansprüche gen Himmel schießen und jeder Fehlpass medial ausgeschlachtet wird, momentan wahrlich nicht. Da ist ein Abstecher in die Heimat eine willkommene Abwechslung. Hoffentlich kommt am Samstag (20:45 Uhr MESZ, live auf ORF eins und im VIENNA.at-Liveticker) nicht das ÖFB-Team zum Handkuss, denn Bale wird sicherlich beweisen wollen, dass man in Madrid zu Unrecht versucht, ihn aufs Abstellgleis zu schieben.

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