Wales-Star Gareth Bale: Prinz der “Königlichen” und Albtraum der Klatschblätter

Gareth Bale und Cristiano Ronaldo: Zwei Weltstars untereinander im Plausch.
Gareth Bale und Cristiano Ronaldo: Zwei Weltstars untereinander im Plausch. - © AFP Photo/Francisco Leong
Am Donnerstag Österreichs Gegner in der WM-Quali, bei Real Madrid drauf und dran, Platzhirsch Cristiano Ronaldo den Rang abzulaufen. Warum er früher nur mit dem schwachen Fuß kicken durfte und was ihn mit “CR7” verbindet, erfahren Sie in diesem Portrait.

Der Aufschwung von Österreichs kommendem Gegner in der WM-Qualifikation (Ernst-Happel-Stadion, Donnerstag, 20:45 Uhr, live auf ORF eins) ist untrennbar mit einem Namen verbunden. Ohne Gareth Bale wäre der Vorstoß in die Top Ten der Weltrangliste, die erstmalige Teilnahme an einer EM und der Semifinaleinzug bei der EURO 2016 für die Nationalmannschaft von Wales wohl nicht möglich gewesen.

Der Real-Madrid-Legionär gilt als Herzstück der Truppe von Teamchef Chris Coleman. Der 27-Jährige ist nicht nur Torgarant, sondern auch Führungsspieler, an dem sich die ganze Mannschaft aufrichten kann. “Seine fußballerischen Fähigkeiten und seine Gewinner-Mentalität sind einmalig. Er kann praktisch alles, und er wird immer noch besser”, sagt Coleman über seinen Starspieler.

Bale als Kind zu gut fürs normale Kicken mit den Kameraden

Bales außergewöhnliches Talent blieb schon seinem Turnlehrer nicht verborgen, der für den Waliser eigene Regeln aufstellte. Weil der Linksfuß seinen Klassenkameraden dermaßen überlegen war, durfte er den Ball nur mit seinem schwächeren rechten Fuß berühren. Doch nicht nur im Fußball ragte Bale an der Whitchurch High School von Cardiff heraus – die 100 Meter lief er schon als 14-Jähriger in 11,4 Sekunden.

Zu diesem Zeitpunkt war Bale längst in der Nachwuchsabteilung von Southampton engagiert. Die “Saints” hatten sich den Flügelspieler bereits als Achtjährigen geschnappt und verkauften ihn zehn Jahre später um über acht Millionen Euro an Tottenham.

Bei seinem Wechsel zu den “Spurs” galt Bale als einer der vielversprechendsten Kicker auf der Insel, zumal er auch als jüngster walisischer Teamspieler (Debüt mit 16 Jahren und 315 Tagen gegen Trinidad & Tobago im damaligen Schwarzenegger-Stadion von Graz) und als jüngster walisischer Teamtorschütze (erstes Tor mit 17 Jahren und 83 Tagen) nach London kam.

Schwieriger Start bei Tottenham

Bei Tottenham hatte er allerdings massive Startschwierigkeiten. Bale wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen und stellte zu allem Überdruss auch noch einen Negativrekord auf. In seinen ersten 24 Premier-League-Einsätzen blieben die Londoner ohne Sieg.

Erst als er von der Position des Linksverteidigers auf den linken Flügel wechselte, ging es steil bergauf: Bale wurde dank seiner Schnelligkeit, starker Physis und guter Technik zu einem der gefürchtetsten Offensivspieler der Liga, was schließlich Real Madrid auf den Plan rief.

Wechsel zu Real Madrid: Königstransfer der “Königlichen”

Die “Königlichen” holten Bale im Sommer 2013 um die damalige Weltrekordsumme von 100 Millionen Euro. Damit war sein neuer Klubkollege Cristiano Ronaldo den Status als teuerster Fußballer der Welt los, was wohl zu einer gewissen Rivalität beitrug, die bis heute zwischen den beiden Topstars herrscht. So kann es schon vorkommen, dass Ronaldo mit Bale über die Ausführung eines Freistoßes streitet oder über ein Tor des Walisers nicht gerade ausgelassen jubelt.

Und doch hat Ronaldo seinem Sturmpartner einiges zu verdanken. In seinen ersten vier Jahren bei Real hatte es gerade einmal zu einem Meistertitel und einem Cupsieg gereicht. Mit Bale hingegen brachte es der Portugiese in drei Jahren auf Triumphe im Cup, europäischen Supercup, bei der Klub-WM und vor allem auf zwei Gewinne der Champions League (2014, 2016).

In den beiden Finalspielen der Königsklasse enttäuschte Ronaldo, während Bale das Um und Auf in Reals Offensivspiel war. Vielleicht auch deshalb – vor allem aber wegen der abwärts zeigenden Formkurve des ehemaligen Weltfußballers – kommt es bei Real offenbar zu einer Zeitenwende.

Tritt Bale in Cristiano Ronaldos Fußstapfen?

Laut spanischen Medienberichten will Präsident Florentino Pérez den Vertrag von Bale vorzeitig verlängern und auf das Niveau des Kontrakts von Ronaldo anheben, der jährlich vom Verein knapp 20 Millionen Euro kassiert. Demnach soll Bale bewusst als neues Aushängeschild des Klubs aufgebaut werden, weil der viereinhalb Jahre ältere “CR7” seinen Zenit überschritten habe.

Mit Bale als neuer Nummer eins in der Hierarchie der “Galaktischen” werden die spanischen Boulevardblätter wenig Grund zur Freude haben. Der 62-fache Teamspieler (24 Tore) lebt seit vielen Jahren mit seiner Jugendliebe Emma zusammen, das Paar hat zwei Töchter. Der Familienvater bleibt lieber daheim, anstatt sich auf Partys blicken zu lassen. “Ich gehe nicht aus, sondern spiele lieber auf der Playstation oder sitze vorm Fernseher – was normale Menschen eben so tun”, sagte Bale.

Parallele zu “CR7”: Kein Alkohol, keine Tattoos

Der Verzicht auf nächtliche Feierlichkeiten geht einher mit Bales genereller Ablehnung von alkoholischen Getränken. “Früher habe ich zu speziellen Anlässen hin und wieder Alkohol gekostet, aber er hat mir einfach nicht geschmeckt. Deshalb habe ich es gleich ganz bleiben lassen.”

Tätowierungen lehnt Bale, wie auch Ronaldo, ebenfalls ab – und zwar aus Angst vor einem Donnerwetter seines Vaters. Möglicherweise spielt der 27-Jährige auch nur seinem Erzeuger zuliebe für Wales, denn aufgrund seiner englischen Großmutter hätte er sich auch für Englands Verband entscheiden können. “Aber das ist nie zur Debatte gestanden, ich bin ein stolzer Waliser. Außerdem würde ich mich dann nicht mehr nach Hause trauen”, betonte Bale.

(APA, Red.)

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