Vor der Eröffnung des Abdullah-Zentrums in Wien erneute Kritik

Auch Claudia Bandion-Ortner besetzt im neuen Abdullah-Zentrum einen Posten.
Auch Claudia Bandion-Ortner besetzt im neuen Abdullah-Zentrum einen Posten. - © APA/ Rastegar
Am Montag wird in Wien das König-Abdullah-Zentrum für Interreligiösen Dialog (KAICIID) eröffnet. Kritik kommt nicht nur von Teilen der Öffentlichkeit, sondern auch Rabbi David Rosen, der im Dialogzentrum das Judentum vertritt, zeigte sich skeptisch. Gleichzeitig unterstrich er jedoch die Notwendigkeit des Zentrums.

Rabbi David Rosen denke, dass “der König und die Minister um ihn herum es absolut ernst meinen, dass sie Veränderungen in Saudi-Arabien wollen”, erklärte Rabbi Rosen. Auch angesichts der Tatsache, dass KAICIID vorerst völlig vom Golfstaat finanziert werde, fürchte er nicht, dass Saudi-Arabien das Zentrum für seine Zwecke instrumentalisieren könne. “An das Geld aus Saudi-Arabien sind keine Bedingungen geknüpft”, betonte Rosen, die Autorität Österreich oder Spaniens sei ebenso groß wie jene des Golfstaates.

Abdullah-Zentrum soll religiösen Kontakt fördern

Die Bedeutung des Dialogzentrums beruhe auf der Tatsache, dass “die Initiative von Saudi-Arabien ausgehe, dem Herzen der muslimischen Welt,” ist der Rabbiner überzeugt. Denn die Beziehung zwischen dem Islam und der Moderne sei wohl die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Das bedeutendste Problem in der muslimischen Welt sei dabei “das Gefühl nicht respektiert zu werden”. Das führe zu einer Kultur des Konfliktes, sagte Rosen. “Daher ist religiöser Dialog so wichtig.” Denn gelänge es dem Islam nicht “seinen Platz in der modernen Welt zu finden”, dann werde der Terrorismus im Namen der Religion weitergehen, glaubt er.

Religion müsse statt Teil des Problems, Teil der Lösung werden. Denn weiterhin gebe es viele Konflikte, in denen eigentlich territoriale Auseinandersetzungen als religiöse dargestellt würden. Dies gelte für Irland, ebenso wie für Sri Lanka, Kaschmir, Nigeria und besonders für den Nahen Osten.

Skepsis und Kritik im Vorfeld

Skeptisch dem Zentrum gegenüber, sei er dennoch weiterhin: “Wir müssen erst beweisen, dass die Initiative echt ist.” Da sei er zwar zuversichtlich, erklärte der Rabbiner, sollte sich jedoch das Gegenteil ergeben, werde er zurücktreten. Und er werde wohl nicht der einzige sein, zeigte er sich überzeugt. Wenn es in Saudi-Arabien statt weiterer Fortschritte, Rückschritte gäbe, “etwa ein gewaltsames Vorgehen gegen Minderheiten – dann wäre es für die Mitglieder des Direktoriums wohl sehr schwer weiterzumachen,” so der Rabbiner.

Das König-Abdullah-Zentrum für Interreligiösen Dialog (KAICIID) wird am 26. November eröffnet, es werden hochrangige Gäste erwartet. (APA)

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