Überparteilich, etwas patriotisch, immer leutseliger: BP-Kandidat Van der Bellen

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Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen - vom Image her gütig
Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen - vom Image her gütig - © APA
Der Professor muss schon wieder ran: Ex-Grünen-Chef Alexander Van der Bellen muss am 4. Dezember seine Wähler erneut für eine Bundespräsidenten-Stichwahl an die Urnen locken. Seine Rolle legt der 72-jährige Professor überparteilich an, gewürzt mit Patriotismus und steigender Routine in Sachen Leutseligkeit.

Erst kippte der Verfassungsgerichtshof den Wahlsieg, dann löste sich mit Kleber-Gate der Wiederholungstermin auf – Van der Bellen geht im Trachtenjanker erneut in die Stichwahl.

Erst spät kam Van der Bellen zur Politik

Van der Bellen ist ein politischer Spätzünder. Als Professor für Volkswirtschaftslehre mit estnisch-russischem Migrationshintergrund lernte ihn das Grüne Urgestein Peter Pilz kennen und lockte das frühere SPÖ-Mitglied in seine Partei. Als Kandidat für den Rechnungshof-Präsidenten noch gescheitert, zog er wenig später 1994 als Abgeordneter in den Nationalrat ein.

Es dauerte nicht lange, bis der fachkundige Professor mit guter Rhetorik, stets versehen mit einem Schuss Humor, zum Star der Grünen aufstieg – und das, obwohl seine Positionen der Basis bis heute viel zu wirtschaftsliberal sind. Das hinderte die Partei freilich nicht, ihn 1997 zum Bundessprecher und 1999 zum Klubobmann zu machen.

Van der Bellen prägte Politik der Grünen

Über ein Jahrzehnt prägte Van der Bellen die Politik der Grünen. Wahlerfolge folgten, manche größer, manche kleiner. Eine Niederlage gab es für Van der Bellen nur am Verhandlungstisch, als sich der von ihm durchaus geschätzte Wendekanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) für eine Neuauflage von Schwarz-Blau entschied statt die Grünen in die Regierung zu holen. Danach wirkte Van der Bellen deutlich weniger motiviert. Als die Wahl 2008 nicht so gut lief wie erhofft, übergab er die Staffel an seine langjährige Kronprinzessin Eva Glawischnig.

Ein großer Wahlkämpfer war Van der Bellen in seiner Zeit als Klubobmann nie. Fast immer lagen die Ergebnisse hinter den Prognosen. Doch nun scheint er mit jedem neuen Bundespräsidenten-Wahltermin dem Bad in der Menge ein wenig mehr abgewinnen zu können. Sein Wahlkampfteam hat ihm Volksnähe samt Trachtenjoppe auf den Leib geschneidert – was wohl damit zu tun hat, dass der intellektuelle Ex-Grüne bisher in ländlichen Regionen kaum punkten konnte.

Voll Güte, Charme – und kein Bürgerschreck

Dass es sich – bis zur Aufhebung durch den VfGH – gegen FPÖ-Kandidat Norbert Hofer trotzdem mit dem höchsten Amt im Staat ausgegangen war, hat wohl viel mit seinem über Jahre aufgebauten Image zu tun, dem er in Grundzügen auch heute treu ist. Van der Bellen strahlt eine gewisse Güte aus, hat professoralen Charme, meidet tendenziell klassischen Polit-Sprech und ist nicht gerade ein Bürgerschreck, vor dem sich konservative Wähler fürchten müssen.

Entsprechend versucht Van der Bellen auch jetzt wieder, sich als Kandidat der Mitte zu positionieren und die Führungsrolle Hofers bei den Freiheitlichen zu unterstreichen. Je mehr sich FPÖ-Repräsentanten unter Rechtsextremen zeigen, angesichts der Zuwanderung vor Bürgerkriegen warnen oder gar den lieben Gott um Hilfe anrufen, desto glaubwürdiger könnte das wirken, lautet wohl das Kalkül.

Lebensdaten Alexander Van der Bellens

Alexander Van der Bellen, geboren am 18. Jänner 1944 in Wien als Sohn einer estnischen Mutter und eines russischen Vaters. Aufgewachsen im Tiroler Kaunertal. Studierte Volkswirtschaft und unterrichtete als Uni-Professor sowohl in der Tiroler Hauptstadt als auch in Wien. Aus seiner ersten, im Herbst 2015 geschiedenen Ehe hat er zwei Söhne. Er ist nun mit Doris Schmidauer, Geschäftsführerin im Grünen Parlamentsklub, verheiratet.

(apa/red)

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