Riding Dinner im Test: Schnitzel essen in voller Fiaker-Fahrt durch Wien

Von Daniela Herger und Jennifer Schindl
Mit dem Fiaker fahren und dabei Wiener Spezialitäten genießen - VIENNA.at machte den Test
Mit dem Fiaker fahren und dabei Wiener Spezialitäten genießen - VIENNA.at machte den Test - © VIENNA.at / Jennifer Schindl
Ein Wiener Start-up mit innovativer Idee: Das Riding Dinner verbindet die klassische Sightseeing-Fiakerfahrt durch Wien mit dem Genuss typischer Wiener Küche der traditionsreichsten Häuser. VIENNA.at ist für Sie Fiaker gefahren – Wiener Schnitzel und Sachertorte an Bord inklusive.

Die ursprüngliche Idee entstand – wie nicht wenige gute Ideen – zu später Stunde bei einem Feierabend-Bier. Marco Pollandt und Raimund Novotny, zwei befreundete junge Wiener mit Wurzeln in der High End-Hotellerie, philosophierten eines Abends im August 2015 darüber, dass man während einer Fiakerfahrt eigentlich relativ unterbeschäftigt sei. Wenn man dabei wenigstens etwas essen könnte, spannen sie den Faden weiter, etwa, indem man mit der Kutsche Halt bei verschiedenen Hotels machte und das Essen von dort an den Fiaker serviert bekäme – das wäre doch was.

Riding Dinner: Von der Grundidee bis zum “individuellen Reisebüro”

Als der Geistesblitz der beiden Arbeitskollegen auch bei nüchterner Betrachtung am nächsten Morgen noch interessant wirkte, war der Grundstein zu “Riding Dinner” gelegt. Die Idee ließ Pollandt und Novotny nicht mehr los.

Einiges gab es im Vorfeld auszutüfteln, bis das Essen im Fiaker ohne Verschüttgefahr genossen werden konnte. Die größte Herausforderung bestand Novotny zufolge darin, einen dem Fiakergesetz konformen Tisch in die Kutsche zu bekommen, der auch entsprechend ein- und ausgebaut werden konnte. Festes Hineinschrauben war da keine Option. Mit der Kreation eines speziellen klappbaren Pop-up-Instant-Tisches mit Spreizsystem, der in die verschiedensten Kutschen – laut Pollandt gibt es die Fiaker nämlich in vier verschiedenen Innenausführungen – mit ein paar wenigen Handgriffen eingebaut werden konnte, war schon viel gewonnen.

Das Duo begann, sich über die Möglichkeiten einer entsprechenden Start-up-Gründung zu informieren und die langen Amtswege auf sich zu nehmen, die es brauchte, um alle notwendigen Genehmigungen zu deren Umsetzung zu erhalten. Das Hauptproblem dabei: Wegen der Ungewöhnlichkeit der weltweit noch nicht da gewesenen Idee fühlte sich niemand recht zuständig, die Bürokratie stellte die größte Hürde da. Hilfreich war, dass die beiden Jungunternehmer einige Big Player Wiens für die Innovation der Fiaker mit kulinarischer Verpflegung gewinnen konnten. Mit Fiaker Paul, dem größten Fiaker-Unternehmen der Bundeshauptstadt, das allein 25 Kutschen besitzt, war der bestmögliche Kooperationspartner gewonnen. Und auch die hochkarätigen kulinarischen Unterstützer trugen dazu bei, dass das junge Unternehmen in die Gänge kam: vom Schwarzen Kameel über Bitzinger bis hin zum Café Landtmann.

Nach einem guten Jahr Vorlaufzeit wagten die beiden Wiener letztlich den großen Schritt von zwei sicheren, gut bezahlten Jobs in der Gastronomie ins Ungewisse: in die Selbstständigkeit mit ihrem Start-up. Das skurille Ende vom Bürokratie-Lied: Offiziell geführt wird das Start-up “Riding Dinner” nun mit der Gewerbebezeichnung “Individuelles Reisebüro” – vermittelt man doch Personentransport und Verpflegung.

Fiaker-Fahrten mit Romantik-Bonus – bis hin zum Heiratsantrag

Inzwischen ist man im Rahmen von Riding Dinner nach dem Motto “Culinary Sightseeing” seit Jänner auf den Straßen Wiens unterwegs, mit rund einer bis zwei Ausfahrten pro Woche. Gefahren wird bei jeder Witterung, mit offener oder geschlossener Kutsche, Decken gegen Kälte liegen bereit, im Winter wurden darüber hinaus Handwärmer bereitgestellt. In Anspruch genommen wird das Angebot überraschenderweise nicht etwa nur von Wien-Reisenden, sondern von Wienern und Touristen zu gleichen Teilen, vorwiegend von Pärchen wegen des nicht zu bestreitenden Romantik-Faktors, aber auch von Freundesgruppen. Auch zwei Heiratsanträge an Bord gab es in den wenigen Wochen der Unternehmensaktivität schon zu verzeichnen – absolute Highlights, von denen Pollandt und Novotny mit leuchtenden Augen erzählen. Das Riding Dinner bietet sich zu Geburtstagen und sonstigen besonderen Anlässen an, auch eine Firmenfeier eines kleineren Unternehmens hat man schon im Fiaker umgesetzt.

Eins ist klar: Das Riding Dinner trifft den Zeitgeist. Städtereisen in Form von Kurztrips übers Wochenende haben bekanntlich Hochkonjunktur, und wer bei seinem Wien-Trip nicht viel Zeit hat, aber touristische Must-do’s wie eine Fiakerfahrt, traditionelle Wiener Küche und Sightseeing in kürzester Zeit unter einen Hut bekommen will, wird der Idee von Pollandt und Novotny einiges abgewinnen können. “Wir sind ein fahrendes Restaurant – das ist Erlebnisgastronomie, ähnlich wie Dinner im Riesenrad”, so Novotny.

Wenn individuelle Wünsche im Fiaker wahr werden

Angeboten wird das Riding Dinner in zwei verschiedenen Packages: Als Drei-Gänge-Menü für zwei Personen um 485 Euro, was bislang von 85 Prozent der Gäste genutzt wurde, oder als kleineres Paket für zwei oder vier Personen, nur mit Sekt und Brötchen bzw. Petit-Fours, das bereits für 265 bzw. 305 Euro zu haben ist. Darüber hinaus sind Pollandt und Novotny bemüht, individuelle Anfragen zu erfüllen und für jeden Interessierten binnen 24 Stunden das passende Angebot zu finden. Beliebter sei bislang das große Package, wie die beiden Jungunternehmer berichten.

Rücksichtnahme auf spezielle Essensvorlieben und Intoleranzen ist für die Betreiber der Kutschenfahrten mit Verköstigung dabei selbstverständlich – bereits bei der Buchung wird dezidiert etwaiger Vegetarismus, Veganismus oder das Vorhandensein von Unverträglichkeiten abgeklärt. Als wir bei unserer Testfahrt beim Riding Dinner einen der vorgesehenen Apfelstrudel lieber gegen Sachertorte tauschen wollen, ist auch das kein Problem. “Wir möchten prinzipiell einen Auszug aus der klassischen Wiener Küche bieten. Nach Sonderwünschen wird beim Buchungsvorgang explizit zwei Mal gefragt, und auch kurzfristig lässt sich noch etwas ändern”, erläutert Pollandt.

Do’s and Don’ts bei der Fiaker-Fahrt

Was das Verhalten der Gäste im Fiaker betrifft, gibt es laut Pollandt so manches No-Go: Rauchen ist beim Riding Dinner wie auch generell in den Kutschen von Fiaker Paul verboten, Müll sollte nicht hinterlassen werden und auch irgendetwas aus der Kutsche zu werfen, ist nicht erwünscht. Hat man etwas Anderes “loszuwerden”, ist das jedoch kein Problem: WC-Pausen können bei den drei kurzen Stops beim Schwarzen Kameel, Bitzinger und Café Landtmann eingelegt werden. Nur spontanes Aussteigen ist nicht vorgesehen – muss man doch den Tisch im Fiaker auch erst einmal wegklappen und “ausbauen”, bis man die Kutsche verlassen kann.

Wie geht es den Pferden dabei?

Was man bei all dem nahezu vergisst: Wie geht es den Pferden? Ist doch das Fiakertum in der Bundeshauptstadt nicht unumstritten und gerade Tierschützern seit Jahren ein Dorn im Auge. Wie uns Pollandt hierzu erklärt, ist es Fiaker Paul als Betreiber sehr wichtig, dass gültige Vorschriften hinsichtlich der Fiakerfahrer eingehalten werden – etwa zu den Arbeits- und Ruhezeiten der Tiere. Da werde seitens der Konkurrenz teils Schindluder getrieben, und davon distanziere sich der Partnerbetrieb von Riding Dinner.

“Wir waren auch selbst mehr als einmal bei seinen Tieren im Stall und haben uns das angesehen. Unser Eindruck war, dass da jeder gut behandelt wird, ob Mensch oder Tier. Er fährt auch selber mit seinen privaten Pferden Fiaker”, versichert Pollandt. Riding Dinner habe auch vor, im Sommer bei größter Hitze zum Wohl der Pferde mit dem Betrieb zu pausieren.

Die Fiaker-Fahrt mit traditioneller Wiener Küche im VIENNA.at-Test

Und wie isst es sich nun wirklich bei voller Fahrt im Fiaker? Schinkenbrot mit Kren, Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln und Apfelstrudel bzw. Sachertorte schmecken, daran gibt es keinen Zweifel. Ja, es ist ruckelig. Doch dafür, dass man sich nicht mit Getränken und Co. die Garderobe beschmutzt, ist dank der speziellen Tischkonstruktion, in der auch an Gläserhalter gedacht wurde, gesorgt. Als besonders herausfordernd erweist sich bei unserer Fahrt das unebene Kopfsteinpflaster am Michaelerplatz. Wie vorgewarnt, werden wir hier kräftig durchgeschüttelt. “Da weisen wir die Gäste darauf hin – das ist eine Challenge, also vielleicht Gläser in die Hand nehmen und nicht gerade nachschenken währenddessen”, lacht Novotny. “Dann ist das auch kein Problem.” Ansonsten hat man beim Riding Dinner alle Hände voll zu tun – Plaudern, auf Sehenswürdigkeiten achten und nicht zuletzt Essen und Trinken sorgen dafür, dass in den 90 Minuten kurzweiliger Kutschfahrt keine Langeweile aufkommt. “Man darf sich halt auch nicht überfluten lassen von den ganzen Reizen,” so der Riding Dinner-Betreiber.

Was uns stark auffällt, ist das Aufsehen, das man mit der Fiakerfahrt der etwas anderen Art bei Wienern wie bei Touristen erregt: Die Reaktionen auf unsere offene Kutsche, in der wir Schnitzel speisend und Wein trinkend durch die Stadt kutschiert werden, sind lachende Gesichter, neugierige Blicke, winkende Hände, aufgeregte Finger, die auf die Kutsche zeigen, Menschen, die in herkömmlichen Fiakern sitzen und sich bei unserem Anblick offenbar fragen, warum es bei ihnen an Bord keine Verpflegung gibt. Rasch wird klar: Das Riding Dinner macht für sich selbst die beste Werbung, wenn es durch die Wiener Innenstadt fährt. Um Buchungen brauchen sich Marco Pollandt und Raimund Novotny jedenfalls keine Sorgen zu machen: Schon bis September 2017 reichen die getätigten Vorab-Reservierungen, und stammen teils von sehr weit her – sein Ruf eilt dem Riding Dinner offenbar bis nach Australien voraus.

>>Eindrücke der VIENNA.at-Fiakerfahrt mit Riding Dinner

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