LIVE: Kellerleichen-Mordprozess in Wien – Estibaliz C. bekennt sich schuldig

Estibaliz C. beim Prozess in Wien
Estibaliz C. beim Prozess in Wien - © APA
Am ersten Prozesstag rund um die in Wien-Meidling einbetonierten Kellerleichen kam es nach einer ausführlichen Analyse der Persönlichkeit der Angeklagten, Estibaliz C., zu einem Geständnis. C. schilderte auch ausführlich ihre problematischen Beziehungen zu Männern, wie etwa ihr tristes Eheleben mit Holger Holz.

Gleich zu Beginn ihrer Einvernahme vor dem Wiener Schwurgericht (Vorsitz: Susanne Lehr) hat Estibaliz C., die Angeklagte im Fall um die Kellerleichen in Meidling, ein Geständnis abgelegt. Sie bekenne sich “zu den Tötungen schuldig”, sagte die 34-Jährige.

Schon mit Vater gab es Probleme

Danach schilderte sie, wie sehr sie in Spanien unter ihrem Vater (“ein Tyrann”) sowie ihrem ersten Freund (“er wollte Disco und hat meine Familienwünsche abwertend bewertet”) und später, nach ihrem Umzug nach Deutschland unter Holger Holz, den sie im Juli 2007 geheiratet hatte, gelitten hätte. Sie habe unter ihrem Vater eine schwierige Kindheit verbracht, gab die Angeklagte zu Protokoll: “Man durfte keinen Lärm machen. Man sollte nicht existieren, nicht auffallen.”

Die Atmosphäre zuhause sei “sehr angespannt” gewesen. Wenigstens habe sie die Mutter vor väterlichen Gewalttätigkeiten geschützt. Wirtschaft habe sie nur deshalb studiert, weil “mein Papa das so wollte”.

Die erste Beziehung von Estibaliz C.

Auch mit ihrem ersten Freund, mit dem sie in Spanien fünf Jahre liiert war, lief es laut Estibaliz C. nicht gut. Dieser habe ihren Kinderwunsch ignoriert und sie “nicht gehen lassen”, als sie sich trennen wollte. Sie sei nach Deutschland gezogen, weil sie sich sicher sein konnte, dass ihr Verlobter ihr mangels eigener Sprachkenntnisse nicht folgen würde: “Es war Flucht. Er hätte mich nicht gehen lassen. Ich war immer seine Vorzeigefrau, nicht seine Partnerin. Ich war sein Eigentum zum Herzeigen.”

Vor der Übersiedlung habe sie “leider auch andere Überlegungen gehabt”, räumte Estibaliz C. ein. Sie habe sich überlegt, die Bremsschläuche am Auto des Verlobten zu manipulieren und einen Unfall zu provozieren. Auch an der Therme in seiner Wohnung zu hantieren, sei ihr durch den Kopf gegangen. Sie habe der psychiatrischen Sachverständigen Adelheid Kastner “diese Sachen erzählt”, weil es ihr wichtig sei, im Zuge des gegen sie laufenden Gerichtsverfahrens die ganze Wahrheit zu sagen, betonte die 34-Jährige.

Prozess-Thema: Schwierige Ehe mit Holger Holz

In Deutschland hatte Estibaliz C. zunächst als Au-Pair-Mädchen gearbeitet. Dann lernte sie Holger Holz kennen, in den sie zwar verliebt gewesen sei. Doch heiraten habe sie ihn nicht wollen: “Es war seine Initiative. Er war über 30 Jahre alt und noch nicht verheiratet.” Bei der Zeremonie am Standesamt habe sie geweint, erinnerte sich Estibaliz C.: “Meine Eltern waren nicht da. Keine Freunde. Es war so kalt.”

Gleich nach der Hochzeit habe sich der Mann, den die Angeklagte im Jahr 2008 ermordet haben soll, verändert: “Er hat mich angeschrien, mich niedergemacht. Er hat mich wegen meiner nicht so guten Deutschkenntnisse verspottet. Er hat angefangen, mich Kanake zu nennen. Er hat mich wegen meiner angeblichen Fehler angemeckert.” Während sie in einem Eissalon in Berlin arbeitete, habe Holz nichts getan und ihren Wunsch nach Familienzuwachs ebenfalls ignoriert. Auch gewalttätig (“blutig war ich nie”) sei er geworden. Eine Trennung sei für sie damals dennoch nicht infrage gekommen: “Wenn man schon verheiratet ist, wenn es Probleme gibt, muss man durch.”

Erinnerungen der Eissalon-Besitzerin

Auch ihr Chef im Berliner Eissalon habe ihr das Leben nicht leicht gemacht, erklärte Estibaliz C. Dieser habe sie ausgenutzt, sie mit Arbeit zugedeckt. Wieder seien ihr “Fantasien” gekommen: “Ich dachte, ich zünde das Büro an, dann muss ich da nicht weiterarbeiten. Ich hatte konkrete Gedanken im Kopf.”

Diese setzte sie nicht um, da Estibaliz C. schließlich mit ihrem Ehemann nach Wien zog, wo die beiden in der Nähe des S-Bahnhofs Meidling einen Eissalon aufmachten. Dieser habe sich aber als “absolute Pleite” entpuppt, so die 34-Jährige. Es habe kaum Umsatz gegeben, zudem habe sich Holger Holz gehen lassen, nachdem er sich der Hare-Krishna-Sekte angeschlossen hatte: “Der hat bis um 10.00 geschlafen und ist um 11.00 gekommen. Wir hatten kein Eis. Er hat nichts gemacht. Er wollte nicht zupacken.”

Unglücklich verliebt

2006 musste das Ehepaar mangels finanzieller Möglichkeiten die Wohnung räumen. Sie bezogen das Lager ihres Eissalons “Schleckeria”. “Keine Fenster, kein warmes Wasser, Toilette am Gang, Schimmel. Wir haben schlechter als Asylanten gelebt”, beschrieb Estibaliz C. ihre Lebensumstände. Auf die Frage, ob sie Holger Holz in dieser Zeit etwas Positives abgewinnen konnte, bemerkte die Angeklagte: “Nicht dass ich wüsste.”

Im Juni 2007 habe sie sich in den Eismaschinen-Vertreter Manfred Hinterberger aus Hollabrunn verliebt. Der 48-Jährige sei ihr wie ein Ausweg erschienen: “Ich war verzweifelt in meiner Ehe.” Sie habe sich schließlich scheiden lassen, obwohl Hinterberger in einer Beziehung lebte: “Ohne Manfred hätte ich nicht die Kraft gehabt, mich scheiden zu lassen”. Zwei Wochen nach der Scheidung habe Hinterberger jedoch die Beziehung wegen des angeblich zu großen Altersunterschieds beendet, was sie sehr mitgenommen habe, skizzierte Estibaliz C.: “Ich bin zur Kirche gegangen. Ich war gebrochen.”

Verteidiger rügt Anklage im Kellerleichen-Fall

Als tendenziös und unvollständig hat Verteidiger Rudolf Mayer das Eröffnungsplädoyer der Staatsanwältin im Wiener Kellerleichen-Prozess kritisiert. Die Anklägerin habe “absichtlich nicht gesagt, was wirklich vorgegangen ist”, meinte Mayer in seiner Replik. Estibaliz C. sei “ein schwer gestörter Mensch, der sich nicht ausgesucht hat, gestört zu sein”.Die Anklägerin habe verschwiegen, dass Holger Holz ein jähzorniger, “gemeiner” Mann gewesen sei, so Mayer unter Bezug auf die Angaben einer früheren Partnerin des Deutschen. Diese – immerhin eine Polizistin – habe sich aus Angst vor ihm sogar einmal in ein Zimmer eingeschlossen.    Vor dem gewaltsamen Ende des Deutschen sei es entgegen der Darstellung der Anklage zu einem Streit mit Estibaliz C. gekommen, erklärte Mayer. Ähnlich sei es später bei Manfred Hinterberger gewesen, wo es zu einer verbalen Auseinandersetzung wegen dessen Untreue gekommen sei. Der Mann habe seiner Mandantin an den Kopf geworfen, dass sie sich mit seinem Verhalten “arrangieren” müsse, weil er ansonsten “die Lust” verliere, so Estibaliz C.

(apa/red)

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