Juwelier in Wien-Hernals mit Axt attackiert: Prozess gegen “Pink Panther”

Dieser Juwelier in Hernals wurde überfallen
Dieser Juwelier in Hernals wurde überfallen - © VIENNA.at/Amina Beganovic
Mit einem höchst brutalen, der berüchtigten “Pink Panther”-Bande zugeschriebenen Überfall auf einen Juwelier in Hernals musste sich am Montag ein Schöffensenat im Straflandesgericht auseinandersetzen.

Am 2. Oktober 2012 waren drei mit Sturmhauben maskierte und mit Äxten bewaffnete Männer in das Geschäft in Wien-Hernals eingedrungen und hatten den Inhaber und einen Angestellten attackiert.

Schwerverletzter durch Axt-Hieb

Der Juwelier war erst kurz vorher überfallen worden. Ein Mitarbeiter wollte diesmal nicht tatenlos zusehen, worauf ihm einer der Räuber einen Axthieb versetzte. Der Mann erlitt einen Bruch der rechten vorderen Schädeldecke und blieb schwer verletzt liegen. Der Inhaber, der das mit ansah, einen Hocker ergriff und sich damit schützen wollte, kam ebenfalls nicht ungeschoren davon. Ein Täter entriss ihm den Hocker und fügte ihm Platzwunden und Rissquetschwunden zu. Weil Passanten mittlerweile auf die Vorgänge in dem auf der Hernalser Hauptstraße gelegenen Geschäft aufmerksam wurden, ergriffen die Täter ohne Beute die Flucht.

Zwei von ihnen wurden ausgeforscht und festgenommen. Sie wurden im Herbst 2013 gemeinsam mit anderen “Pink Panther”-Mitgliedern wegen insgesamt fünf in Wien und Salzburg verübter Überfälle zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Einer von ihnen – er fasste zwölfeinhalb Jahre aus – machte in dem Verfahren reinen Tisch und gab den Strafverfolgungsbehörden die Identität des dritten, im Zusammenhang mit dem Überfall in Hernals noch gesuchten Räubers bekannt.

Juwelier in Wien-Hernals mit Axt attackiert: Prozess

Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um den Cousin seines mitverurteilten Komplizen. Zudem saß der von der Wiener Justiz Gesuchte bereits in Slowenien im Gefängnis – er hatte dort nur neun Tage nach dem missglückten Überfall in der Hernalser Hauptstraße einen weiteren Juwelier-Raub begangen und wurde dafür zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nach Verbüßung von rund der Hälfte der Strafe lieferten die slowenischen Behörden ihn an Österreich aus, wo ihm nun der Prozess gemacht werden konnte.

Die Verhandlung fand unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Vor dem Gerichtssaal patrouillierte schwer bewaffnet ein hünenhafter Polizist, im Saal selbst waren streckenweise zwei Justizwachebeamte und vier Spezialkräfte der Polizei anwesend. Grund: Die rechtskräftig abgeurteilten angeblichen Mittäter des Angeklagten mussten unter Wahrheitspflicht als Zeugen aussagen. Zumindest einer der beiden soll dem Vernehmen nach von in Serbien befindlichen Hintermännern massiv bedroht worden sein, sollte er den Angeklagten belasten.

Angeklagter: “Das ist schon lange her”

Prompt versicherte der betreffende Zeuge dem Senat (Vorsitz: Minou Aigner), der 31-jährige Angeklagte – sein Cousin – habe mit dem inkriminierten Raub nichts zu tun. Er könne den beteiligten Dritten nicht nennen, weil er Angst um seine Familie habe, “aber er war es sicher nicht”. Weitere Fragen der Vorsitzenden beantwortete der Zeuge meist mit “Ich kann mich nicht erinnern” oder “Das ist schon lange her”. Auf die Frage, weshalb bei dem Coup Äxte zum Einsatz kamen, meinte er zur Richterin: “Sie haben so etwas noch nie gemacht. Sie können es nicht wissen.” Auf ihre Nachfrage, was er denn an Beute erwartet hätte, bekam Richterin Aigner “Brot wird es nicht gewesen sein” zu hören.

Prozess wurde vertagt

Der zweite Zeuge, der den Angeklagten bisher belastet hatte, gab zunächst zu Protokoll: “Ich kenne diesen Herrn nicht.” Erst als der Angeklagte auf Vorschlag von Staatsanwalt Markus Berghammer abgeführt wurde, räumte der darüber sichtlich erleichtert wirkende Mann ein, dieser sei an der anklagegegenständlichen Straftat beteiligt gewesen: “Ich habe ihn erst während der Tathandlung kennengelernt.”

Die Verhandlung wurde zur ergänzenden Beweisaufnahme auf Anfang Dezember vertagt.

(apa/red)

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