Interview mit Heinz Pollischansky (WWW): “Wer uns wählt, wählt sich selbst”

Von Daniela Herger
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WWW-Spitzenkandidat Heinz Pollischansky beim Gespräch mit VIENNA.at
WWW-Spitzenkandidat Heinz Pollischansky beim Gespräch mit VIENNA.at - © VIENNA.at
Die Liste WWW (Wir wollen Wahlfreiheit) tritt bei der Wien-Wahl am 11. Oktober erstmals an. Wofür steht diese jüngste Wiener Partei? VIENNA.at hat Spitzenkandidat Heinz Pollischansky zum Interview über Bürgerbeteiligung, Asyldebatte, Rauchverbot, Lieblingsplätze in Wien, seinen Stolz auf die Stadt, Ursula Stenzel und vieles mehr getroffen.

VIENNA.at: WWW (Wir wollen Wahlfreiheit) ist ja ganz neu in der Wiener Politiklandschaft. Was sind denn stichwortartig die wichtigsten Eckpunkte in Ihrem Wahl-Programm?

Heinz Pollischansky: Direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild, heruntergebrochen auf Österreich. Dieses Thema beinhaltet alles. Wenn eine Partei ein Gesetz macht und eine große Menschenmasse, sagen wir in Wien 20.000 bis 25.000 Leute, in Österreich 100.000, zum Magistrat geht, sich registrieren lässt und sagt “das wollen wir nicht”, oder “wir wollen etwas Anderes”, dann müssen diese Menschen das Recht haben, Wien zu fragen, sprich abzustimmen. Das ist unser einziges Wahlversprechen. Wenn wir ins Rathaus einziehen und uns braucht eine Partei, müssen wir das mitnehmen. Wir wollen erreichen, dass das Volk mitreden darf, egal über welches Thema.

Herzensthemen Bürgerbeteiligung und Wahlfreiheit

Apropos Bürgerbeteiligung: Sie planen unter anderem Abstimmungen über Rauchergesetz, Tiertransporte und Bargeld. Kann das nicht auch zu weit gehen? In welchen Bereichen ist es vielleicht keine gute Idee, die Bürger mitbestimmen zu lassen?

Sagen Sie mir ein Thema, wo es nicht sinnvoll ist, uns als Volk zu fragen. Wichtig ist, dass ein Thema genügend Leute betrifft, deshalb eben diese Höhe von mindestens 20.000 Leuten. Nicht eine Schrebergartensiedlung, die sagt, uns gefällt etwas nicht. Als Gastronom war es bei mir eben das Rauchen. 350.000 Menschen haben unterschrieben, dass sie eine Gleichberechtigung Raucher/Nichtraucher richtig finden, dass alles bleiben soll wie es ist,  und der Wahnsinn war: Die Politik hat darauf nicht einmal irgendwie reagiert. Das war der Stein des Anstoßes für mich, in die Politik zu gehen. Dass der freie Wille der Menschen zählt, das hat mir so gefehlt. Und das Thema Tiertransporte ist mir ein Herzensanliegen. Wir essen Fleisch, aber wir müssen Tiere ja nicht quälen. Lebendtransporte müssen so kurz wie möglich sein, Ab-Hof-Schlachtungen sind ideal.

Es wird hoffentlich Jahre geben, wo wir gar keine Abstimmung brauchen, weil die Regierung so gut ist. Aber wir wollen das Recht zur Abstimung haben.

“Wenn du uns wählst, wählst du dich selbst”

Bei der Wien-Wahl treten ja einige etabliertere Parteien an, die schon länger in der Stadt Politik machen. Warum sollte man gerade WWW wählen?

Weil wir ja aus der Geschichte gelernt haben, dass Wahlversprechen nicht eingehalten werden. Wir sind die erste Partei, für die gilt: Wenn du uns wählst, wählst du dich selbst. Wir versprechen dir nur: Mit uns darfst du selber wählen, was du willst. Das ist in der Schweiz bewährt. Niemand von den Altpolitikern will Macht verlieren. Wenn die jetzt gezwungen wären, schon im Vorhinein mehr nachzudenken, weil sie sonst von den Wählern “entmachtet” werden, dann funktioniert so eine Abstimmung. Das ist direkte Demokratie.

Es gibt sehr viele Nicht-Wähler. Ich hör’s in der Gastronomie. Die Leute sagen: “Es ändert sich ja eh nix.” Und genau das ist das Hauptargument, dass sie uns wählen. Unsere Farbe ist Weiß – die Grundfarbe aller Farben, wir schließen niemanden aus. Weiß wählen bekommt mit uns eine neue Bedeutung.

Heinz Pollischansky über das Raucherthema

Ihre Liste WWW will ja, wie Sie sagen, keine Pro-Raucher-Partei sein. Was ist denn nun Ihre Position als Wirt und als Politiker in dieser Debatte?

Ich bin selbst Nichtraucher, aber als Wirt sehe ich, wie ein Teil des Volkes denkt. Gastronom zu sein ist meine Passion, in die Politik hat es mich eigentlich aus Verzweiflung verschlagen. Eigentlich wurde ich da reingedrängt von vielen meiner Kollegen, die gesagt haben “Heinz, machen wir da was”, und deshalb hab ich diese Aktion mit den 350.000 Unterschriften initiiert.  Das Ziel von WWW ist, dieses eine Versprechen in der Politik durchzubringen: die direkte Demokratie. In dem Moment, wo ich erreicht habe, dass das in der Verfassung steht, ist der Pollischansky von der Politik wieder weg.

Asyldebatte: “So gut es geht helfen”

20.000 Menschen demonstrierten am Montag in Wien für einen menschlichen Umgang mit Flüchtlingen – wo stehen Sie in der Asyldebatte? Was soll man in Wien tun?

Ganz klar: Den Menschen, die vor einem Krieg fliehen, wo die Bomben fliegen, müssen wir so gut es geht helfen. Nehmen, was geht. Da gibt es keine Diskussion. Aber wir müssen die Probleme vor Ort klären und wenn es soweit ist, den Menschen sagen, dass sie wieder in ihr Land zurückmüssen und dort alles wieder aufbauen. Wir müssen die Rahmenbedingungen zur Hilfe schaffen. Aber die Kinder müssen bei uns nicht Deutsch lernen. Wenn wir sie zu sehr integrieren, und sie dann zurückschicken, dann sind wir gemein. Vor Ort müsste viel mehr gemacht werden, von anderen Staaten auch.

“Wir werden die Partei sein, die in der Geschichte das niedrigste Wahlbudget hat”, haben Sie kürzlich in einem Interview gesagt. Wie bestreiten Sie denn Ihren Wahlkampf? Wie läuft die “Beisl-Info-Tour” und spielt auch Social Media eine Rolle?

Wir haben nicht einmal ein Parteikonto, leben von ehrenamtlichen Leuten und Mundpropaganda, das ist das Wichtigste. Unser Problem ist, dass wir so jung sind und die Leute uns nicht kennen. Internet und Facebook ist ein großes Thema, das wir jetzt ausbauen und das betreuen Freiwillige aus Überzeugung. Wir haben keine 7 Millionen Euro und auch keinen Sponsor.

Pollischansky über Ursula Stenzel

Um den Wechsel von Ursula Stenzel zur FPÖ gab es einigen Wirbel – was ist Ihre Meinung dazu?

Das finden wir nicht richtig. Ich finde es unverantwortlich zu sagen, heute bin ich bei Partei X und morgen bei einer anderen. Wahlversprechen muss man man auch halten. Ich kann auch nicht sagen, heute will ich direkte Demokratie und morgen, weil ich die absolute Mehrheit habe, bin ich der Kaiser. Ich glaube, da geht es sehr viel ums Geld, nicht um Überzeugung – leider.

Welche großen „Baustellen“ sehen Sie in Wien als Priorität – wo besteht dringender Handlungsbedarf?

Die Wohnsituation in Wien ist mir ein Anliegen, etwa die Gemeindebauten. Die wurden von der Gemeinde gebaut, von uns allen, und sollten von Wienern wieder genutzt werden, von Studenten, Lehrlingen, Familien, zu einem vernünftigen Preis. Der Quadratmeterpreis soll 5 Euro sein, es sollen keine Luxusbauten sein. Es gibt andere Sozialbauten, aber Gemeindebau soll Gemeindebau bleiben. Aber generell: Wenn eine Baustelle in Wien so groß ist, dass es die Wiener stört, findet sich sicher jemand, der dazu eine Abstimmung will.

“Rückgrat des Bürgermeisters fehlt”

Wie zufrieden sind Sie mit dem derzeitigen Bürgermeister Wiens?

Oje. Sehr unzufrieden, was unsere Themen betrifft. Etwa zum Thema Rauchen, zuerst hat der Herr Häupl in einem Interview gesagt, es bleibt so wie es ist, und dann? Es fallen alle um, nicht nur er. In vielen Beziehungen fehlt mir da das Rückgrat des Bürgermeisters.

Wie sehen Sie den Umbau der Mariahilfer Straße nach seiner Fertigstellung?

Es ist für mich undenkbar, zwei Bezirke zu fragen, wenn 23 Bezirke zahlen. Das war zwar Demokratie, aber in einer lächerlichen Form. Und wenn schon, dann eine richtige Fußgängerzone wie auf der Kärntner Straße, von mir aus vom Gürtel bis runter zum Ring – aber auch ohne Radfahrer. Das find ich ganz schlecht, da kommen nur Streitereien. Da mach ich sonst zwei Unterführungen, wo die Autos queren können und die Fußgänger nicht stören. Ich finde das generell nicht schlecht, aber die Art und Weise, wie das durchgesetzt worden ist, eine Katastrophe.

Heinz Pollischansky und Wien

Definieren Sie sich mit drei Worten selbst, abseits der Politik. Wie tickt Heinz Pollischansky?

Zielstrebig, tolerant und geradeheraus.

Was sind ihre Lieblingsplätze in Wien und warum?

Ganz einfach: Der Schafberg. Ich bin dort aufgewachsen im 18. Bezirk, in einem Gemeindebau. Ich kenn dort jedes Gasserl. Das ist absolut meins. Erste, zweite, dritte Schafbergwiese hinauf in den Wienerwald. Wo ich mich wirklich wohlfühle, ist dort.

Wien wurde ja laut Mercer-Studie immer wieder zur Stadt mit der höchsten Lebensqualität der Welt gewählt – was bedeutet für Sie persönlich Lebensqualität in Wien?

Man muss nur durch Wien gehen und dann weiß man’s. Ich bin extrem stolz auf Wien. Ich bin ein “Ungern-Urlauber”, weil wenn ich privat durch Wien gehe, ist das für mich schon ein Urlaub. Wenn man die vielen Touristen sieht, die nach Wien kommen, da können wir wirklich stolz sein – das ist ja noch vor New York. Wichtig ist mir, dass es politisch auch so bleibt und wir Wien nicht verfallen lassen. Hier wird auch gute Politik gemacht, jede Partei hat einen guten Kern, das gefällt mir sehr gut.

“Im Rathaus können wir viel bewegen”

Was ist aktuell das erhoffte Wahlziel von WWW bei der Wien-Wahl?

In Umfragen sind wir schon auf 3 Prozent, das freut mich extrem, das ist ja nur durch Mundpropaganda. Natürlich müssen sie uns auch wählen. Es wäre für uns eine ganz tolle Sache, wirklich die 5 Prozent zu erreichen und im Rathaus zu sein, da können wir viel bewegen. Das schlimmste Ergebnis, was uns passieren kann, ist 4,9 Prozent. (lacht)

>>Mehr zur Wien-Wahl

(DHE)

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