Gerichtsentscheid und neues Pendler-Angebot bei Westbahn

Die Westbahn plant ein neues Angebot für Pendler.
Die Westbahn plant ein neues Angebot für Pendler. - © APA (Sujet)
Am Dienstag wird sowohl von der Westbahn als auch von der VOR mit einer Entscheidung bei der Vergabe von Verbindungen gerechnet. Außerdem sorgt ein neues Pendler-Angebot der Westbahn für Aufregung.

Am 24. November soll es rund um einen Streit zur Vergabe von Verbindungen durch den Verkehrsverbund Ostregion (VOR) auf der Strecke Wien West nach St. Pölten zu einer Entscheidung durch das Verwaltungsgericht Wien kommen. Damit rechnen sowohl die mehrheitlich private Westbahn, die das Verfahren anstrengte, als auch der VOR. Indes herrschte am Montag Aufregung um ein neues Pendler-Angebot der Westbahn.

Derzeit fahren die ÖBB fünf Zugpaare von Amstetten aus über St. Pölten, Tullnerfeld, Wien-Hütteldorf nach Wien-West. Sie wollen – mit dem Argument, dies kostenneutral durchführen zu können – dem Vernehmen nach auf bis zu elf Zugpaare aufstocken; einen Stundentakt-Verkehr mit Mittagslücke umsetzen. Die Westbahn nimmt das den ÖBB bzw. dem VOR einerseits bezogen auf die Kostenneutralität nicht ab. Andererseits stört sie sich an den Direktvergaben durch den VOR und fordert eine Ausschreibung – darum geht es auch im Verfahren beim Wiener Verwaltungsgericht.

VOR ist sich nicht mit Westbahn einig

Der VOR ist uneins mit der Westbahn: “Es handelt sich um eine unwesentliche Änderung bestehender Verträge”, so VOR-Sprecher Georg Huemer am Montag. Es gehe um “eine Umschichtung bestehender Rex200-Züge zwischen St. Pölten und Wien West. Es ist keine neue Direktvergabe und auch keine Ausschreibung notwendig aus unserer Sicht.”

Die Zeit drängt auch schon wegen des anstehenden Fahrplanwechsels mit 13. Dezember. Hier kommt es wegen des bevorstehenden Vollbetriebes des Wiener Hauptbahnhofes zu größeren Änderungen, die sogenannten eigenwirtschaftlichen Züge der ÖBB (IC, Railjet) fahren dann direkt zum Hauptbahnhof, nicht mehr zum Westbahnhof und halten auch daher auch nicht in Wien-Hütteldorf.

Neuer Fahrplan ab Dezember

Und hier hakt die Westbahn nun über das angestrengte Verfahren hinaus seit heute ein: Per 13. Dezember wird der Halt Tullnerfeld auf der Strecke St. Pölten über Wien-Hütteldorf nach Wien West aufgenommen. “Egal wie das Urteil (des Verwaltungsgerichts, Anm.) ausgeht, wir handeln jetzt im Vorhinein, in dem wir den Halt Tullnerfeld aufnehmen”, wird Westbahn-Manager Erich Forster in einer Aussendung des Unternehmens zitiert. Damit werde ein “attraktives Reiseangebot gänzlich ohne Subventionen mit Steuergeld” geboten. Auch neue Zeitkarten für Pendler – teils mehr als zehn Prozent günstiger als im VOR – werden ab Amstetten nach Wien speziell für Pendler angeboten, kündigte die Westbahn an.

“Das ist reiner aktionistischer Populismus vor dem Hintergrund des schwelenden Konfliktes rund um kundenfreundlichere schnellere Verbindungen”, sagt der VOR-Sprecher Huemer zur Westbahn-Ankündigung für Zeitkarten. Man bedauere, dass das Unternehmen das Angebot außerhalb des Verkehrsverbundes lege. Unbenommen sei der Westbahn als privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen natürlich der neue Halt in Tullnerfeld (Gemeinde Judenau-Baumgarten, Bezirk Tulln).

“Pendler brauchen ganzheitliches Angebot”

Der VOR-Sprecher erinnerte auch an den Grund für das Ausscheiden der Westbahn aus dem Verkehrsverbund: Sie habe vor rund zwei Jahren einseitig Aufpreise auf Verbundkarten (z.B. “Peak-Hour-Aufpreise”) verlangt “und damit die Prinzipien des Verkehrsverbundes gebrochen – für uns stellt sich die Frage, warum das neue, zugegebenermaßen preislich attraktive Angebot nicht innerhalb des Verbundes zugunsten aller Fahrgäste angeboten werden konnte”.

Der AK-Wien-Verkehrsexperte Thomas Hader sieht das laut einer Aussendung der Arbeiterkammer ähnlich. “Pendler brauchen nicht viele Ticketangebote von vielen Anbietern, sondern ein Ticket für alle Busse und Bahnen in der Ostregion.” Auch er erinnerte daran, dass die Westbahn seit etwa zwei Jahren nicht mehr im VOR ist. “Sie ist damit die einzige Privatbahn Österreichs, die sich einem gemeinsamen regionalen Verkehrsverbund verweigert.” Auch Hader forderte die Westbahn dazu auf, ihr Angebot im Rahmen des Verbundes zu legen. Die Westbahn solle zurück in den Verkehrsverbund.

Die Haselsteiner Familien-Privatstiftung hält laut “FirmenCompass” inzwischen 49,9 Prozent an der Westbahn, Erhard Grossniggs Augusta Holding 32,7 Prozent und die französische Staatsbahn SNFC nur mehr 17,4 Prozent.

(APA/Red)

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