“Frosch-Bande”-Prozess: Baldiges Urteil in Sicht

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Der Prozess rund um die "Frosch-Bande" könnte am Montag sein Ende nehmen
Der Prozess rund um die "Frosch-Bande" könnte am Montag sein Ende nehmen - © APA (Sujet)
Der Prozess rund um eine brutale Raubserie in mehreren Bundesländer, die von einer rumänischen Bande mit neun Personen durchgeführt wurde, könnte eine Woche nach seinem Beginn nun ein Ende finden.

Das Urteil über die sich selbst “Frosch-Bande” betitelten Täter, die in Wien, Nieder- und Oberösterreich im Zuge von Einbruchdiebstählen Hausbesitzer und -besitzerinnen überfallen und misshandelt haben sollen, könnte am Montag fallen.

Verhandlung gegen neun Rumänen

Zu Verhandlungsbeginn hatten sich die teils verwandten Männer aus derselben Region Rumäniens im Alter zwischen 22 und 53 Jahren teilweise geständig gezeigt, die Taten allerdings abgeschwächt bzw. sich gegenseitig belastet und widersprüchlich angegeben, wer wo beteiligt gewesen war. Ein einziger räumte ein, ein Opfer geschlagen zu haben. Aus finanzieller Notlage hätten sie sich auf ihre Raubzüge durch Europa begeben. Entlegene Objekte wurden ausspioniert und in wechselnder Besetzung überfallen. In Österreich begannen die Überfälle, bei denen meist nur ganz geringe Beute gemacht wurde, aber zwei Menschen schwer verletzt wurden, im Juni. Am 5. September wurde ein Ehepaar in Bayern beraubt, der Mann überlebte die Tortur nicht – diese Tat ist allerdings nicht Verhandlungsgegenstand in Wiener Neustadt. Bereits am folgenden Tag wurde eine ältere Frau in Gänserndorf überfallen, kurz darauf wurden sieben Mitglieder des Familienclans in Wien festgenommen, in der Folge zwei weitere.

Ermittlungen waren von längerer Dauer

Die Ausforschung war ein längerer Prozess, sagte ein Ermittler am Montag. Nach dem ersten Vorfall in Strasshof habe man noch keine Ansätze gehabt, dann folgte ein ähnlich verübter Raub in Alland. Die Kriminalisten hatten zunächst keine Namen, keine Pkw-Kennzeichen, sagte der Chefinspektor. Erst im Zuge von Auswertungen diverser Telefonate nach der Tat in Puchberg verdichteten sich die Erkenntnisse und Vermutungen zum Täterbild. Der Beamte des Landeskriminalamts war dann auch bei den Vernehmungen der Verdächtigen dabei, in denen sie ihre Handlungen abgeschwächt hätten. Eine Dolmetscherin mit Muttersprache Rumänisch wies im Zeugenstand die Aussage eines der Angeklagten zurück, seine Angaben wären nicht richtig übersetzt worden.

Überfall in Gänserdorf: Hacke am Hals angesetzt

Gleich fünf fremden Männern hat sich eine 87-Jährige am 6. September 2015 im Haus ihrer Tochter in Gänserndorf gegenübergesehen. Einer habe ihr eine Hacke am Hals angesetzt und “Wo Geld, wo Safe?” gefragt, schilderte sie die bangen Momente. Dann stellte er sich hinter sie und würgte sie. “Ich habe keine Luft mehr bekommen”, erzählte die Zeugin.

Einen Schlag habe sie kassiert, seitdem höre sie viel schlechter, meinte die Wienerin am Montag im Prozess gegen neun des Raubes im Rahmen einer kriminellen Vereinigung Angeklagte in Wiener Neustadt. Ein Täter habe sie festgehalten und auf sie “aufgepasst”, während die anderen alles durchwühlten, und sie abschließend auch in den Keller geführt und eingesperrt, sagte die alte Dame in Abwesenheit der Beschuldigten. Nach der Festnahme der Verdächtigen hatte sie bei der polizeilichen Befragung drei der Männer, davon Brüder, eindeutig wiedererkannt. Heute tat sie sich bei der Identifizierung via gezeigte Fotos ein wenig schwerer: “Sie schauen sich alle so ähnlich.”

Vorstrafen in anderen Ländern vorhanden

Einer der von der Zeugin als Angreifer Identifizierten bestritt vehement, die 87-Jährige gewürgt zu haben. Ein anderer Angeklagter wollte der Pensionistin lediglich in der Küche ein Glas Wasser gegeben und sie dann auf Zuruf in den Keller geführt haben. Weitere Aussagen von Überfallenen wurden in der Folge verlesen. Die Richterin hielt fest, dass die Beschuldigten in Österreich allesamt unbescholten seien, jedoch – mit Ausnahme des Sechstangeklagten – bis zu neun Vorstrafen u.a. in ihrer Heimat Rumänien, Italien, Frankreich und Deutschland aufweisen.

Der Staatsanwalt fühlte sich, wie er in seinem Schlussvortrag betonte, von den Beschuldigten “angelogen”. Von zu Prozessbeginn angekündigter reumütiger, geständiger Verantwortung sei “nichts übrig geblieben”, verwies er auf gegenseitige Schuldzuweisungen und Leugnen der Gewaltaktionen. Zugegeben wurden demnach lediglich diverse Diebstähle. Dann habe ein “erfolgreicher” Raub, bei dem 20.000 Euro erbeutet wurden, die kriminelle Vereinigung “angelockt”, derartige Coups fortzusetzen, sprach der Ankläger von einer Tour durch Europa, die eine Spur der Verwüstung nach sich zog und nun entsprechend zu bestrafen sei. Im Verfahren hätten sich klar zwei Anführer der Gruppe herauskristallisiert. Für die Opfer war das Vorgehen der Täter qualvoll, forderte der Staatsanwalt “empfindliche” Haftstrafen.

Staatsanwalt fordert “empfindliche” Haftstrafen

Die Verteidiger der Erstangeklagten führten deren doch vorhandene Geständnisse und Beiträge zur Wahrheitsfindung ins Treffen. Bei dem “nur” als Fahrer und einem lediglich ein bis zwei Mal Beteiligten sei bei der Strafbemessung deren untergeordnete Rolle in der Hierarchie der “Frosch-Bande” zu gewichten. “Ich bereue und es tut mir leid”, entschuldigte sich ein Beschuldigter bei den Opfern. Er habe sieben minderjährige Kinder und aus finanzieller Not mitgemacht. Er habe nicht gewusst, was passiert, meinte ein anderer. Gegen 14.00 Uhr zogen sich die Schöffen zur Urteilsberatung zurück.

(APA/Red.)

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