Frank Turner im Interview: “Konservatismus pisst mich an”

Frank Turner legt nach: Neues Album.
Frank Turner legt nach: Neues Album. - © APA
Singer-Songwriter Frank Turner ist ein umgänglicher Zeitgenosse. Der britische Musiker, dessen sechstes Studioalbum “Positive Songs for Negative People” am 7. August erscheint, wirkt stets gut gelaunt. Emotional wird er nur bei engstirnigen Zeitgenossen. “Als Künstler hat man die Pflicht, sich zu verändern und weiterzuentwickeln”, betont er. “Der Konservatismus vieler Rockfans pisst mich an.”

Damit meint der 33-Jährige jene Publikumsschichten, die sich nach stetiger Wiederholung sehnen. “Ich hoffe doch sehr, dass ich mich in den vergangenen zehn Jahren verändert habe. Ansonsten wäre ich ein verdammter Idiot”, meint Turner, der dabei aber herzhaft lachen kann. “Wenn es dann heißt ‘Oh, das klingt aber nicht wie das erste Album’, dann erwidere ich: ‘Ich weiß, ich habe mich auch sehr bemüht!’ Das ist doch eine beschissene Idee, sich zu wiederholen. Immerhin handelt es sich um Kunst, da will man doch auch das Publikum fordern.”

Wobei sich Anhänger der gleichermaßen energetischen wie positiv gestimmten Songs zwischen Indie, Folk und Punk keine Sorgen machen müssen: Frank Turner steht auch im Jahr 2015 für eingängige Musik mit viel Herz. Schon das vorab ausgekoppelte “Get Better” machte das deutlich, und Stücke wie “Glorious You” oder “Love Forty Down” untermauern diesen Eindruck. Überzeugen konnte man sich davon in den vergangenen Wochen bereits bei Konzerten in Innsbruck, Dornbirn, Salzburg und dem Nova Rock, die vorerst die einzigen Österreichtermine von Turner im laufenden Jahr bleiben.

Frank Turner und Österreich

Westösterreich hat es Frank Turner angetan. “Ich war dort vorher noch nie. Die Shows waren sehr gut besucht, das hat mir natürlich gefallen”, schmunzelt Turner. Aber auch die Zeit vor den Auftritten scheint er gut genutzt zu haben. “In Salzburg habe ich mir beispielsweise die Festung angeschaut, das war toll. In Dornbirn bin ich sogar auf einen Berg geklettert – nein, seien wir ehrlich: Ich bin einen kleinen Hügel hinaufgewandert”, grinst er schelmisch. “Aber es war wunderschön. Auf Tour bist du ja immer von denselben Leuten umgeben. Da ist es wichtig, ab und zu Zeit für dich selbst zu haben, schon aus psychologischen Gründen.”

Still sitzen kann der Vielbeschäftigte offenbar nicht. Seit er mit der Post-Hardcore-Formation Million Dead vor gut 15 Jahren seine Musikkarriere startete, hat er eigentlich zumindest alle zwei Jahre ein Album vorgelegt. “Mir wird wahnsinnig schnell langweilig”, versucht sich Turner an einer Erklärung. “Außerdem gibt es nicht viele Dinge, in denen ich wirklich gut bin. Auf Tour gehen und Konzerte spielen gehört sicher dazu, also mache ich das auch. Meistens fühlt es sich zum Glück nicht wie Arbeit an.”

Neues Album “Positive Songs for Negative People”

Eine gewisse Herausforderung war hingegen “Positive Songs for Negative People”, wie Turner erläutert. “Es war komisch. Ich glaube, dass es mit großem Abstand das Beste ist, was ich je abgeliefert habe, aber die Geburt war recht schwierig.” Während die Aufnahmen einfach von der Hand gingen – “wir haben alles in neun Tagen live eingespielt” -, war es die Suche nach dem richtigen Sound, die Turner grübeln ließ. Schlussendlich stieß er auf den Produzenten Butch Walker und eins führte zum anderen. “Es war eine tolle Erfahrung, obwohl es ein kleiner Kampf war, alles so hinzubekommen, wie ich es wollte.”

Was auch zeigt, dass er nichts dem Zufall überlässt. “Es gibt aber schon Momente, wo ich bestimmte Sachen in die Hände von anderen lege. Beispielsweise das Artwork der Platte, von dem ich begeistert bin. Da hatte ich nur eine vage Idee und jemand anders hat es realisiert. Mir ist aber wichtig, dass ich Bescheid weiß darüber, was passiert oder geplant ist”, unterstreicht Turner. “Das ist aber insofern selten ein Problem, da ich in Gedanken meist schon wesentlich weiter bin als die anderen. Ich mische mich gerne ein.”

Nun stehen Frank Turner und seine Liveband, die Sleeping Souls, weitere Konzerte an. “Normalerweise dauert so ein Tourzyklus, der ein neues Album begleitet, knapp zwei Jahre”, so Turner. Vielleicht erscheint in der Zwischenzeit aber ein zweites Album seines Hardcore-Nebenprojekts Möngöl Hörde. “Wir schicken uns schon Ideen zu. Aber das Gute daran ist: Wir haben keine Verpflichtungen, sondern wollen einfach eine gute Zeit haben.” Beim selbstbetitelten Debüt sei es jedenfalls so gewesen. “Und nichts für ungut, aber es war so befreiend, dafür keine Interviews zu geben”, lacht Turner.

>> Rückblick: Frank Turner live im Wiener Gasometer.

(Christoph Griessner/APA)

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