Ex-Austrianer Alexander Gorgon: “Ich wurde lange von Managern hingehalten”

Von David Mayr
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Alexander Gorgon netzt seit Sommer für den HNK Rijeka in Kroatien.
Alexander Gorgon netzt seit Sommer für den HNK Rijeka in Kroatien. - © instagram.com/gorgonzola20
Alexander Gorgon erklärt im Gespräch mit VIENNA.at seinen überraschenden Wechsel nach Rijeka, den Reiz des Neuen nach über zwei Jahrzehnten bei Austria Wien und die aktuelle Parallele zum Meisterjahr 2013 mit den “Veilchen”.

Mit 19 Toren und acht Assists hatte Alexander Gorgon vergangene Saison großen Anteil daran, dass die Wiener Austria nach zwei Spielzeiten internationaler Absenz heuer endlich wieder auf europäischem Parkett auftreten darf. Die Torjägerkrone verpasste er am Ende um lediglich zwei Treffer, sie ging zum dritten Mal in Folge an Red-Bull-Salzburg-Goalgetter Jonatan Soriano.

Gorgons angestrebter Wechsel ins Ausland hatte sich bereits über Monate hinweg angebahnt, als es Mitte August dann aber zum HNK Rijeka nach Kroatien und nicht in eine stärkere Liga ging, war die Verwunderung einigermaßen groß. Die Erklärung für seinen überraschenden Schritt liefert Gorgon nun im Gespräch mit VIENNA.at.

“Ich muss dazusagen, dass im Sommer zwar viele Vereine im Gespräch waren, sich dabei allerdings nichts Konkretes ergeben hat. Ich wurde von diversen Managern lange hingehalten und am Ende war das Angebot von Rijeka das einzige, das wirklich ernst zu nehmen war”, erzählt Gorgon über die Wochen vor der Vertragsunterschrift. “Dieses Angebot war aber ein sehr gutes, und als ich dann vor Ort war, um mit den Verantwortlichen zu sprechen und dabei auch die Möglichkeiten, die es hier gibt, sah, war ich schnell überzeugt und wusste, dass ich hier sehr gut herpassen würde.”

Alexander Gorgon: Demut trotz Traumdebüts in der Startelf

Das Gefühl, sich nach 21 Jahren bei der Austria plötzlich bei einem neuen Klub wiederzufinden, war im ersten Moment doch etwas sonderbar. “Immerhin hatte ich ein Umfeld verlassen, wo ich alles bis ins letzte Detail gekannt und mich sehr wohl gefühlt habe.” Der Reiz des Unbekannten war letztlich aber zu groß: “Es war einfach der Zeitpunkt da, wo ich gesagt hab’: Ich brauche jetzt unbedingt eine Veränderung, damit ich etwas Neues, Erfrischendes erleben kann. Ich glaube, dass das nötig war und mir gut getan hat.”

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Sportlich läuft es für den Offensivmann in Kroatien hervorragend. Als Gorgon in Rijeka unterschrieb, lag der HNK einen Punkt hinter Salzburgs Champions-League-Schreck Dinamo Zagreb auf Platz zwei, mittlerweile lachen er und seine Kollegen als einzig ungeschlagenes Team der Liga nach elf Runden mit fünf Zählern Vorsprung auf den ersten Verfolger Osijek von der Tabellenspitze. Ausgerechnet im Heimspiel gegen Ligaprimus Dinamo feierte der 27-Jährige Mitte September sein Startelfdebüt für den neuen Verein, das mit einem 5:2-Sieg und einem Doppelpack für Gorgon besonders erfolgreich verlief.

“Wenn man in eine neue Mannschaft kommt, muss man ein bisschen geduldig sein, bis man seine Chance kriegt”, erinnert er sich an seinen Start in Rijeka. “Ich bin froh, dass es so geklappt hat, wie es passiert ist. Seitdem habe ich immer von Beginn an gespielt und auch meine Tore gemacht. Aber der Fußball ist ein sehr kurzlebiges Geschäft. Es kann sich von Woche zu Woche alles ändern und es ist vernünftig, mit Demut an das Ganze heranzugehen.”

Tabellenführer mit Rijeka: Die Parallele zur Austria ’13

Bei aller Demut, ist die Lust auf Titel im mit 130.000 Einwohnern beschaulichen Rijeka mit dem Erfolg der Mannschaft wieder spürbar. Dreimal – zuletzt 2014 – gewann der HNK den kroatischen Cup, die Meisterschaft ist bisher noch nicht an die Hafenstadt an der Kvarner-Bucht gegangen.

“In den letzten drei Jahren ist Rijeka dreimal hinter Dinamo Zagreb Zweiter geworden. Irgendwann muss es das Ziel sein, dass man ganz oben steht. Daher ist das Ziel diese Saison schon, Meister zu werden”, erklärt Gorgon die Ambitionen des Underdogs und zieht eine Parallele zu den “Veilchen” anno 2013: “Es ist ein bisschen mit dem Meisterjahr der Austria zu vergleichen, wo sich das auch keiner laut aussprechen traute, um nichts zu verschreien. Auch hier in Rijeka will man in Ruhe arbeiten und nicht darüber reden, obwohl jeder weiß, dass es potentiell das Ziel ist.”

Die Austria verfolgt Gorgon selbstverständlich auch nach seinem Weggang nach Kroatien weiterhin. “Im Endeffekt traue ich ihnen alles zu, die Chance, die Gruppenphase der Europa League zu überstehen, ist intakt. Es gibt bei der Austria oft Phasen, wo man vielleicht nicht wirklich gut dasteht, und innerhalb von ein oder zwei Wochen wendet sich das Blatt komplett. Das kenne ich noch aus meinen Zeiten dort.”

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