Europa-League-Reise zum Vergessen: Rapid in Valencia gedemütigt

Von David Mayr
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Der grün-weiße Europa-League-Traum ist jäh geplatzt.
Der grün-weiße Europa-League-Traum ist jäh geplatzt. - © AFP/Biel Alino
Der SK Rapid offenbart in Valencia erschreckende Schwächen in der Defensive und kassiert die höchste Niederlage seiner Europacupgeschichte. Dabei hätte es noch schlimmer kommen können.

– aus Valencia –

Das Estadio Mestalla im Herzen Valencias. Auf dem Rasen stehen sich eine spanische und eine österreichische Mannschaft gegenüber und zur Pause steht es 5:0 für die Gastgeber. Moment, da war doch was: Am 27. März 1999 ging dort das ÖFB-Team gegen Spanien in der EM-Qualifikation mit 0:9 unter.

Knapp 17 Jahre später fühlte man sich unweigerlich an jene Partie erinnert, als der FC Valencia Rapid Wien an selber Stelle in der ersten Hälfte des Sechzehntelfinal-Hinspiels der Europa League schonungslos auseinandernahm. 0:5 nach 35 Minuten, es schwante einem Böses.

Vorsicht mit dem, was man sich wünscht!

Als Zoran Barišić bei der Pressekonferenz vor dem Match sagte, “dieses Spiel hat sich die Mannschaft im Laufe der letzten eineinhalb Jahre erarbeitet, erkämpft und verdient”, ahnte er wohl nicht im Entferntesten, was sein Team einen Tag später auf dem Rasen von Mestalla erwarten sollte. Seine Schützlinge bekamen in der ersten Hälfte eine Abreibung der Extraklasse. Wie, wenn der brutale Schulrowdy dem schmächtigen Klassenkameraden im Hof Jause und Taschengeld wegnimmt und ihm nachher noch eine aufs Aug’ haut.

Entgegenstemmen? Fehlanzeige. “Wir haben einfach nicht bedacht, dass es Zweikampfstärke braucht. Ich bin sehr enttäuscht darüber, wie wir in der ersten Hälfte Duelle geführt und unseren Strafraum verteidigt haben”, ging ein sichtlich geknickter Barišić mit seinen Spielern hart ins Gericht. “Das war die bitterste erste Hälfte meiner Trainerkarriere”, räumte der 45-Jährige ein.

Höchste Rapid-Niederlage der Europacupgeschichte

Die Rapidler waren mit dem schnellen Umschalten der Gastgeber heillos überfordert, sobald diese vor das Tor von Richard Strebinger kamen, ergab sich prompt eine hundertprozentige Torchance. Fünf der sechs Gegentreffer fielen nach dem selben Schema: Ein schneller Angriff, der Ball wird von der Seite scharf zur Mitte gespielt und dort braucht ein Valencia-Spieler nur noch einzuschieben. Vor allem Flügelstürmer Santi Mina, der in der Liga zuletzt gar nicht im Kader gestanden hatte, machte die Rapid-Defensive ein ums andere Mal nass. In den ersten 35 Minuten des Spiels erzielte der 20-jährige Galicier zwei Tore selbst und bereitete drei vor.

Aufgrund des bis dahin Gesehenen musste man damit rechnen, dass das valencianische Preisschießen auch nach der Pause munter weitergehen würde. Doch dazu kam es nicht. Einerseits, weil Rapid den “Charaktertest”, wie Barišić es nannte, bestand und sich einigermaßen fing, und andererseits, weil Valencia in Hälfte zwei deutlich Tempo rausnahm und den Ball mehr in die Breite zirkulieren ließ. Dass es am Ende dennoch die höchste Niederlage der grün-weißen Europacupgeschichte wurde, lag am eingewechselten Rodrigo, der kurz vor Abpfiff noch das halbe Dutzend voll machte. Die bisher höchste Rapid-Pleite auf internationalem Parkett war ein 2:7 beim AC Milan im Meistercup 1956 gewesen.

Ultras ersparten sich die Schmach

Für Barišić bleibt die Erkenntnis, “dass uns noch sehr viel auf eine Mannschaft wie Valencia fehlt. Sie waren viel besser als wir”. Im Rückspiel in einer Woche (25. Februar, 19:00 Uhr, live auf Puls 4 und Sky) will man trotzdem “alles versuchen, um zu gewinnen”.

Böse Schlappe in Valencia! Nach einer fürchterlichen ersten Halbzeit fängt sich unsere Mannschaft zwar, am Ende steht aber eine klare Niederlage – 0:6 :-(

Posted by SK Rapid Wien on Donnerstag, 18. Februar 2016

Im Happel-Stadion wieder dabei sein werden die Ultras. Der harte Kern der Rapidfans blieb in Valencia freiwillig draußen, nachdem ihnen das Mitnehmen ihrer Ultras-Transparente behördlich untersagt worden war. In spanischen Stadien sind Ultra-Gruppierungen verboten.

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