“Etwas Kleines, Feines” – Conchita Wurst geht auf Tournee

Conchita Wurst spricht über ihre Zukunft
Conchita Wurst spricht über ihre Zukunft - © APA/HERBERT PFARRHOFER
Lange hat es gedauert, bis die Fans der bärtigen Bühnendiva ihren Star in einem eigenen Konzert erleben können, im April startet die ESC-Gewinnerin Conchita Wurst mit kleiner Band im Gepäck nun mit einer Tournee durch zehn Städte in Österreich und Deutschland.

Auftakt der Konzertreise ist im Wiener Porgy & Bess, bevor im Berliner Admiralspalast der Abschluss gefeiert wird. Conchita Wurst hat vor der Tour über Privates auf der Bühne, ein neues Album, für das die ESC-Queen Songwriting-Camps besuchen will und einen anstehenden Typwechsel im Herbst gesprochen.

Die erste Conchita-Tournee durch Deutschland und Österreich steht an. Wie groß ist das Ganze dimensioniert?

Conchita Wurst: Es wird etwas Kleines, Feines – was auch für die Locations gilt. Ich bin halt nicht Helene Fischer, die ein Stadion ausverkauft. Das muss aber auch gar nicht sein, weil die Tour für mich ein Stück weiter in die Richtung geht, die ich zukünftig machen möchte: Live Musik zu spielen. Ich habe 80 Prozent meiner Karriere damit verbracht zu singen, während im Hintergrund ein Band läuft. Und jetzt mit einer Band zu spielen, ist etwas ganz Anderes. Ich merke jetzt schon bei den Proben, dass meine Stimme besser wird, ich kreativer werde. Zugleich wird es nicht nur meine eigenen Songs geben. Ich bin auch ganz egoistisch und will mich auf der Bühne selbst bespaßen. Deshalb kommen wir um Shirley Bassey, Tina Turner und Celine Dion nicht herum…

Ist Ihnen der intime Clubcharakter bei einem Konzert wichtig?

Conchita: Die Tour findet in kleineren Häusern und als bestuhltes Konzert statt. Das wollte ich. Ich singe gerne, und ich rede gerne. Das werde ich kombinieren. Es ist eine Chance, Danke an die Fans für die vergangenen Jahre zu sagen. Der Abend soll etwas Privates werden – ich beantworte gerne Fragen über mich und rede gerne mit dem Publikum. Ich bin ein großer Fan davon, das Publikum einzubinden – das Publikum ja eher selten. (lacht)

Wie groß ist Ihre Begleitband?

Conchita: Das sind insgesamt vier Leute um Pianist Phillip Schröter, also noch Bass, Schlagzeug und Gitarre, auch wenn wir mit elektronischer Unterstützung arbeiten. Wir sind alle ungefährt gleich alt und machen deshalb vielleicht Dinge, von denen uns eingefleischte Musiker abraten würden. Aber wird denken: Pffft! Wir machen das jetzt einfach.

Die Tournee findet fast ein Jahr nach Veröffentlichung Ihres Albums statt. Ist das nicht ein wenig spät?

Conchita: Ich mache ja alles viel zu spät, oder? (lacht) Ich habe aufgehört, in einer Sparte des Showbusiness Regeln zu folgen, in der es eigentlich keine Regeln gibt. Wenn etwas funktioniert, dann funktioniert es – und das ist selten vom Zeitpunkt abhängig, denke ich. Und vorher war einfach keine Zeit dafür.

Wie sieht es mit einer neuen Platte aus?

Conchita: Ich schreibe mittlerweile selbst Songs. Ich werde mich deshalb im Sommer drei Monate einsperren und das neue Album schreiben. Songs vom neuen Album wird es bei der Tour noch nicht geben. Mir gefallen aber einige schon sehr gut. Ich gehe jetzt auf Songwriting-Camps, um das wirklich fundiert zu machen.

Wird die Platte stilistisch eine Fortsetzung des Debütalbums, oder geht sie in eine ganz andere Richtung?

Conchita: Bisher passiert alles mit Klavier und Stimme – das klingt natürlich ähnlich. Ich kann noch nicht abschätzen, in welche Richtung es produziert wird. Ich denke, dass ich ruhiger werde. Ich komme eher zu dem zurück, wo ich mich zu Hause fühle, und das ist definitiv das Geschichtenerzählen.

ABD0004_20160121 - WIEN - …STERREICH: Conchita Wurst am Mittwoch, 20. JŠnner 2016, wŠhrend eines Interviews mit der APA-Austria Presse Agentur in Wien. - FOTO: APA/HERBERT PFARRHOFER

In den vergangenen zwei Jahren haben Sie sich auch beruflich als Hybrid zwischen Moderatorin, Sängerin, Glamourstar und Aktivistin präsentiert. Markiert 2016 so etwas wie die Rückkehr zur Musikerin Conchita?

Conchita: Ich habe die Musik für mich in Wahrheit erst jetzt wirklich entdeckt. Ich war durch die Castingshows gut trainiert darin, Songs von anderen zu singen – was sich auch beim ersten Album nicht geändert hat. Das ist nichts Verwerfliches, schließlich hat Celine Dion ihre Weltkarriere darauf aufgebaut. Aber ich habe gemerkt, dass mir das Songwriting Spaß macht. Mittlerweile habe ich Blut geleckt. Man kann mit Musik so viele Dinge sagen, von denen man gar nicht wusste, dass sie einen berühren.

Haben Sie ein Bild von Conchita in der Zukunft?

Conchita: Ganz banal: Ich weiß, wie Conchita im Herbst aussehen wird. Ich kenne mich gut genug, dass ich immer wieder etwas finden werde, das es frisch hält, weil mir schnell langweilig wird, wenn ich immer dasselbe mache. Und nun sehe ich schon seit fünf Jahren so aus wie jetzt!

Steht ein Typwechsel an? Conchita als Blondine?

Conchita: Ich möchte nichts verraten. Aber blond werde ich nicht. (lacht)

Zum Abschluss doch noch eine ESC-Frage. Österreich entscheidet am 12. Februar über den heurigen Song-Contest-Vertreter für Stockholm. Haben Sie einen Favoriten?

Conchita: Da muss man differenzieren. Meine Nummer 1 ist LiZZa mit “Psycho” – da gefällt mir das Lied und die Stimme am besten. Allerdings kann ich sie mir noch nicht auf einer Song-Contest-Bühne vorstellen. Wenn es aber um Vincent Bueno oder Sankil Jones geht, weiß ich, dass man die hinstellen kann, und es geht ab. Beide sind großartige Sänger und Tänzer – da kann man sich eine Show erwarten. Das wären also meine Top 3. Und wenn nichts davon eintritt, ist es mir auch egal. (lacht)

Conchita auf Tour:

  • 13. April im Porgy & Bess Wien
  • 14. April im republic Salzburg
  • 15. April im Treibhaus Innsbruck
  • 22. April im Posthof Linz
  • 23. April im Orpheum Graz,
  • 29. April im Technikum München
  • 30. April im Theaterhaus Stuttgart
  • 1. Mai im Gloria Theater Köln
  • 6. Mai im St. Pauli Theater Hamburg
  • 8. Mai im Admiralspalast Berlin

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)

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