Ein Liebender im Affenkostüm: “Oh Schimmi” von Teresa Präauer

Die Autorin Teresa Präauer nahm heuer an den Tagen der deutschsprachigen Literatur teil
Die Autorin Teresa Präauer nahm heuer an den Tagen der deutschsprachigen Literatur teil - © Wallstein Verlag / APA/GERT EGGENBERGER
Tier-Mensch-Beziehungen sind ein Lieblingsthema der jungen Österreicherin Teresa Präauer, die auch schon in Klagenfurt beim Bachmann-Preis las. In ihrem  neuen Roman macht sich der liebeshungrige Ich-Erzähler buchstäblich zum Affen. “Oh Schimmi” ist unser Buch-Tipp der Woche.

In ihrem Debüt “Für den Herrscher aus Übersee” ließ sie die Protagonisten den Vogelflug üben, in Berlin hielt sie im Frühjahr eine Vorlesung zum Thema “Tier werden”.  Das zentrale Kapitel des Buches “Oh Schimmi” hatte im Vorjahr die Jury des Bachmann-Preises begeistert, wenngleich die in Wien lebende Linzerin am Ende leer ausgegangen war.

Viele Lacher für “Oh Schimmi”

Besonders der fulminante Vortrag der Autorin, die mit den fantasievoll geschilderten insistierenden Annäherungsversuchen eines Mannes (Jimmy bzw. Schimmi) an eine Frau (Ninni), für die er in ein Affenkostüm schlüpft, hatte viele Lacher geerntet. Was man schon damals ahnte, ist mit dem Vorliegen des ganzen Buches Gewissheit: “Oh Schimmi” ist ein vielschichtiger Text, an dessen glatter Oberfläche man durchaus ausrutschen kann.

Präauer erzählt von Liebessehnsucht und Wohlstandsverwahrlosung, Pubertätsnöten und Vernachlässigung, Entfremdung und Sexualfantasien in Zeiten von Hotlines und Handy-Stalking. Ihre Geschichte spielt “im Dschungel der Großstadt! Nicht in Indien, nicht in Afrika, nicht in Asien, aber doch in einer sogenannten Weltstadt. Mehr sage ich dazu nicht, sonst kommt noch einer angereist.” Im obersten Stock eines Apartment-Hochhauses wohnt Schimmi Schamlos gemeinsam mit seiner Mutter, deren persönlichen Zuwendungen eher spärlich, deren Kontrollanrufe (Kennmelodie “Dschungelmusik”) jedoch nervend häufig sind. Vor allem macht sie sich Sorgen, dass ihr Sohn genügend “Fitamine” und ja nicht zu viel Kontakte zu Mädchen bekommt. Berechtigte Sorgen, denn der hat nur eines im Sinn: das endlich in Gang Kommen seines Sexuallebens.

Teresa Präauer gibt dem Affen Zucker

Da gibt es Cindy (“Zindi”) von der Mehrwertnummer, die Schimmis Telefonrechnung in die Höhe treibt, Maguro, eine von den “Asia Girls” aus dem Nagelstudio, die eines Tages gefesselt unter Schimmis Bett gefunden wird, und eben Ninni, die angebetete Nagelstudio-Kundin, deren Adresse in einer furiosen Telefon-Recherche von Schimmis wiedergefundenem leiblichen Vater aufgetrieben wird, so dass dem Hausbesuch nichts mehr im Wege steht. Klingt ziemlich durchgeknallt? Ist es auch. Alles läuft aus dem Ruder. Und auch die Sprache scheint vom wilden Affen gebissen worden zu sein – Kostümwechsel und Camouflage sind auch hier angesagt.

Lustvoll werden knallbunte “americänistische” Stil-Partikel aufgeblasen, Identitäten gewechselt und Realitätsebenen vermischt, wird der American Dream zum fatalen Alptraum und endet die “Miss Teen Rodeo” in den Armen des Falschen. Präauer gibt dem Affen Zucker – bis zur Überdosis. Gesund kann es nicht sein, wenn man sich anstatt von Obst und Gemüse von “Marshmallows und Fiffi Cola” ernährt und mit dem Fernglas in fremde Wohnungen starrt. Da kann es schon passieren, dass man Prügel bezieht, und das nicht zu knapp. Ein rechter Affen-Zirkus, den Teresa Präauer da veranstaltet, der mitunter ziemlich Spaß macht, einem manchmal aber auch das Gruseln lehrt.

Nächste Pläne der Jungautorin

“Are you serious?!” – Diese abschließende Frage des Buches muss sich die Autorin wohl spätestens im kommenden Jahr gefallen lassen, wenn sie Writer in Residence am Grinnell College in den USA sein wird. Wer die Gelegeneheit hat: Es ist spannend, der Autorin beim Performen des eigenen Textes zuzuhören. Schließlich lässt sich ja alleine der Titel von warnend über seufzend bis jubelnd in erstaunlich vielen Variationen aussprechen: “Oh Schimmi”!

Teresa Präauer: “Oh Schimmi”, Wallstein Verlag, 204 S., 20,50 Euro

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(apa/red)

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