Die Spitzenkandidaten haben gewählt

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Das sagen die Spitzenkandidaten bei der Stimmabgabe.
Das sagen die Spitzenkandidaten bei der Stimmabgabe. - © AP
Bereits am vormittag gaben die Spitzenkandidaten der Parteien ihre Stimme ab. FPÖ-Listenerster H.C. Strache schreitet gegen 14 Uhr zur Wahlurne. Das sind die Aussagen der Politiker nach der Stimmabgabe.

NEOS erschien gut gelaunt in Wien-Alsergrund

Gut gelaunt ist NEOS-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger am Sonntag kurz nach 11 Uhr im Gymnasium Wasagasse im Alsergrund zur Stimmabgabe zur Wien-Wahl 2015 erschienen. Angesichts der vielen Kamerateams und Journalisten entfuhr ihr ein “Ui” beim Betreten ihrer ehemaligen Schule. “Es wird ein sehr guter Sonntag”, zeigte sie sich zuversichtlich.

“Es ist ein schönes Gefühl, in meiner alten Schule zu sein”, sagte sie. Der Wahlkampf habe Spaß gemacht, und sie sei mit einem guten Gefühl aufgewacht. “Ich gehe mit einem sehr guten Gefühl heute in die Wahl. Wir haben gute Arbeit geleistet”, meinte sie gegenüber den anwesenden Journalisten. Darauf, ob es einen Plan B für sie selbst gebe, sollten die NEOS den Einzug nicht schaffen, ging sie nicht ein. Den Einzug werde NEOS auf jeden Fall schaffen. “Wir werden auf Landesebene ein deutliches Zeichen für Veränderung setzen, und ich erwarte, dass wir in allen Bezirken einziehen”, so Meinl-Reisinger.

Den Nachmittag werde sie “ruhig” und im Kreis der Familie verbringen, bevor es nach einem Treffen mit dem Landesteam ins Rathaus geht.

Manfred Juraczka wählte in Hernals

ÖVP-Spitzenkandidat Manfred Juraczka hat am späten Sonntagvormittag im Amtshaus Hernals in der Lienfeldergasse seine Stimme abgegeben. Begleitet wurde er von seiner Ehefrau Ellen. Für kurze Unruhe bei den Wahlhelfern sorgte der Umstand, dass Juraczka eine TV-Kamera beim Ankreuzen von hinten mitfilmen ließ.

Angekündigt war der Juraczka’sche Urnengang für 11.00 Uhr. Und tatsächlich betrat der ÖVP-Spitzenkandidat das Wahllokal sogar einige Minuten zu früh. Gut gelaunt begrüßte er die wartenden Journalisten wie auch Wähler und Wahlhelfer. Dann nahm er seinen Stimmzettel und verschwand in der Wahlkabine. Einer Fernsehkamera erlaubte er, diesen Vorgang von hinten mitzufilmen – was Unruhe bei den Wahlhelfern auslöste. Einer raunte leise: “Des dürfens net.”

Schließlich warf er gemeinsam mit seiner Frau unter Blitzlichtgewitter die ausgefüllten Stimmzettel in die Urne. Es gehe ihm “wunderbar”, versicherte Juraczcka nach dem Vorgang: “Der erste Tag seit langem, wo ich ausschlafen konnte.” Er werde jetzt mit seiner Familie essen gehen, sich danach noch etwas zurückziehen und später im Rathaus die Hochrechnungen und Ergebnisse verfolgen.

Auf Prognosen zum Wahlausgang und zum genauen Abschneiden seiner Partei wollte sich der ÖVP-Chef zunächst nicht einlassen: “Jetzt Kaffeesud Lesen bringt nichts.” Schließlich ließ er sich doch noch hinreißen: “Ich hoffe, dass wir vor den Grünen liegen und ich glaube, dass Michael Häupl vor dem Herrn Strache liegen wird.”

Auf die Frage, wo genau denn seine Schmerzgrenze liege, um zurückzutreten, antwortete er ausweichend: “Jetzt haben wir noch ein paar Stunden, wo wir uns gedulden sollten. Dann wissen wir das Ergebnis.” Dieses werde dann analysiert: “Dann können Sie von mir konkretere Antworten haben.”

Juraczka gab auch zu, dass der Wahlkampf aus seiner Sicht nicht optimal verlaufen ist: “In der Tat habe ich mir von Wahlkampf erwartet, dass wir uns mehr den Zukunftsthemen der Stadt widmen hätten können.” Diese seien ihm aufgrund der Flüchtlingsthematik und der Fokussierung auf das Duell SPÖ-FPÖ zu kurz gekommen. “Ein Wahlkampf ist kein Wunschkonzert”, so der ÖVP-Landeschef.

Medienauflauf bei Häupl-Stimmabgabe

Für seine Verhältnisse gut gelaunt hat Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) die Stimmabgabe bei der Wien-Wahl absolviert. Dass der heutige Urnengang ein “Schicksalstag” für seine SPÖ sei, stritt er ab. Denn das “Duell” mit der FPÖ werde zugunsten der Sozialdemokratie entschieden werden, ist Häupl überzeugt.

Pünktlich um 11 Uhr war der Bürgermeister in seinem Wahl-Lokal, einem Amtshaus in Ottakring, erschienen, empfangen vom lokalen SPÖ-Chef Stadtrat Christian Oxonitsch, begleitet unter anderem von Sohn Bernhard, seinerseits Jugend-Koordinator der Wiener SPÖ.

Nach dem üblichen Geplauder mit Beisitzern und Wählern und der Stimmabgabe nahm sich Häupl geduldig Zeit, um Journalisten-Fragen zu beantworten. Für eine Kommunal-Wahl ungewöhnlich, hatten sich selbst Medienvertreter aus dem Ausland in Ottakring eingefunden, um zu eruieren, was die zu erwartenden Zugewinne für die Freiheitlichen für Europa zu bedeuten hätten.

Nichts Gutes, befand Häupl, schlug aber vor, zunächst einmal abzuwarten, wie das Wahlergebnis wirklich aussehen wird. Bei seiner Partei ortet er unabhängig vom Ausgang Reformbedarf, etwa in einer verstärkten Grätzel-Arbeit, wie sie nicht überall gelungen sei. Zudem sieht der Bürgermeister Bedarf an einem Modernisierungsschub: “Mit Retro-Politik werden wir nicht reüssieren.”

Das weitere Tagesprogramm sieht ein Mittagessen mit Journalisten in einem Lokal im fünften Bezirk vor. Womit er sich stärken wird, wusste Häupl angeblich noch nicht: “Das entscheidet der Wirt.”

Maria Vassilakou “ein bisschen nervös”

Die Grüne Spitzenkandidatin Maria Vassilakou hat am Sonntag in einer Volksschule im 17. Bezirk ihre Stimme für die Wien-Wahl abgegeben. Vor Journalisten gab sie sich “ein bisschen nervös”, aber zuversichtlich. “Ich hoffe auf Zuwächse der Grünen”, sagte sie. Aufgrund des Ergebnisses in Oberösterreich, aber auch wegen der Stimmung im Straßenwahlkampf “haben wir allen Grund, optimistisch zu sein”.

Kurz nach 11 Uhr traf Vassilakou gemeinsam mit Ehemann Bernd beim Wahllokal im noblen Bezirksteil Neuwaldegg ein. In der Wahlzelle nahm sie sich recht lange Zeit, noch länger hielt sie dann für die Fotografen und Kameraleute ihr Kuvert über die Urne. Fragen nach dem von ihr in Aussicht gestellten Rückzug bei einem Wahlverlust wich sie danach aus. Sie strebe mehr als die 95.000 Stimmen bei der letzten Wahl an, betonte sie, die Grünen sollten zulegen und in der nächsten Regierung vertreten sein.

Geschlafen habe sie gut, und sie freue sich sehr auf den Abend, so die Grüne. Auf dem Programm stand nach der Stimmabgabe das gemeinsame Kochen eines Mittagessens. “Dann machen wir es uns gemütlich, und ab 16.30 Uhr bin ich im Rathaus-Einsatz.”

Heinz-Christian Strache hofft auf historisches Ereignis

Als letzter der Spitzenkandidaten der Wiener Landtagswahl ist am Nachmittag schließlich auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zur Urne geschritten. Er “hoffe, glaube und vertraue” auf ein historisches Ergebnis, zeigte sich Strache gegenüber Journalisten frohen Mutes.

Das Wahllokal in der Volksschule in der Hainburger Straße im 3. Wiener Gemeindebezirk platzte ob der Dutzenden, auch ausländischen Medienvertreter aus allen Nähten. Schon eine Stunde vor dem angekündigten Termin sammelten sich zahlreiche Journalisten, Fotografen und Kameraleute im Klassenzimmer, die von den Wahlbeisitzern regelmäßig zur Ruhe gemahnt wurden.

Straches Stimmabgabe verzögerte sich um eine Viertelstunde, da er sich artig in der Schlange anstellte. Allerdings wurde dem FPÖ-Chef bei seiner Stimmabgabe auch verdeutlicht, dass er nicht überall gut ankommt: Ein Wahlbeisitzer wollte ihm bei der üblichen Begrüßungsrunde partout nicht die Hand geben – “Ich mag seine Ideologie nicht”, erklärte der junge Mann gegenüber der APA.

(APA/red)

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