Die Geschichte des Wiener Praters: Vom Jagdgebiet zum Vergnügungspark

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Der Wiener Prater war einst ein Jagdgebiet, ehe das Areal für die Öffentlichkeit zugänglich wurde.
Der Wiener Prater war einst ein Jagdgebiet, ehe das Areal für die Öffentlichkeit zugänglich wurde. - © APA/Alexander Schatek/Thomas Sittler/bb.com
Der Wiener Wurstelprater feiert sein 250-jähriges Bestehen. Österreichs bekanntester Vergnügungspark, der auch dank des Riesenrads weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist, kann auf eine lange Tradition zurückblicken.

Das mit Fahrgeschäften und Lokalen besiedelte Areal in der Leopoldstadt, das sich im Erholungsgebiet Prater befindet, begeht heuer ein Jubiläum. Vor 250 Jahren wurde das Gebiet für die Wiener geöffnet.

Der Prater war einst kaiserliches Jagdrevier und damit nur dem Adel zugänglich. Kaiser Josef II. ließ die Grünflächen aber mit dem 7. April 1766 für das Volk öffnen und genehmigte gleichzeitig die Errichtung von Gastronomieständen. Neben ersten Buden von Wirten, Kaffeesiedern und Lebzeltern sorgten bald auch Schaukeln, Ringelspiele und Kegelbahnen für Unterhaltung. Damit war der Vorläufer des späteren Wurstelpraters geboren.

Die Geschichte des Wiener Praters: Vergnügung stand im Vordergrund

Große Veränderungen des Areals zog die Weltausstellung 1873 mit 53.000 Ausstellern nach sich. Als Zentrum wurde – am heutigen Standort der Wiener Messe – eine 84 Meter hohe Rotunde errichtet, die 1937 einem Brand zum Opfer fiel. Ende des 19. Jahrhunderts entstand das Vergnügungsareal “Venedig in Wien”, in dessen Mitte 1897 das Riesenrad errichtet wurde. Nun wurde der Prater mehr und mehr zum Unterhaltungsort. “Hutschenschleuderer”, Kuriositätenkabinette und Puppentheater in Holzbuden buhlten ebenso um die Gunst des Publikums wie erste Fahrgeschäfte a la Hochschaubahn und Autodrom. 1928 nahm die Liliputbahn ihren Betrieb auf.

1938 ging der Prater in das Eigentum der Gemeinde Wien über. Ende des Zweiten Weltkriegs fiel ein Großteil des 260.000 Quadratmeter großen Vergnügungsparks einem Brand zum Opfer. Der Wiederaufbau gelang vor allem mithilfe von Privatinitiativen. Im Lauf der Jahrzehnte kamen immer weitere und moderne Attraktionen hinzu. Inzwischen gibt es insgesamt 250 Attraktionen, davon 146 Fahrgeschäfte. Viele Restaurants und Lokale – darunter etwa das bekannte “Schweizerhaus” – verköstigen die jährlich rund 4,2 Millionen Prater-Besucher.

Wiener Wurstelprater heute: Neugestaltung und Sanierung

Insgesamt betreiben 80 Unternehmer die Attraktionen, ein Viertel davon stammt von traditionsreichen Prater-Dynastien ab. Die ältesten davon sind seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Geschäft.

Die letzten großen Umbauten erfolgten vor einigen Jahren mit der völligen Neugestaltung des Prater-Entrees. Der Vorplatz wurde unter dem Motto “Wien um 1900” umgestaltet. Das Projekt wurde allerdings nicht nur ästhetisch scharf kritisiert, sondern hatte auch ein politisches Nachspiel.

Nicht zuletzt aufgrund der Kostenexplosion von ursprünglich 32 Mio. Euro auf beinahe die doppelte Summe und heftiger Kritik an den Modalitäten der Auftragsvergaben musste die zuständige SPÖ-Stadträtin und Vizebürgermeisterin Grete Laska 2009 schließlich den Hut nehmen – wobei damals versichert wurde, dass ihr Rücktritt rein private Gründe habe.

Attraktionen bieten Nostalgie und Moderne

Der Vergnügungspark bietet heutzutage einen Mix aus Nostalgie und Moderne. So gibt es Attraktionen aus vergangenen Zeiten wie eben die Hochschaubahn oder die Alt-Wiener-Grottenbahn. Auch bekannt ist der Toboggan – eine der ältesten Holzrutschen der Welt. 1913 wurde sie eröffnet, brannte aber während des Zweiten Weltkrieges komplett ab.

1947 erfolgte die anhand von alten Plänen originalgetreue Wiedererrichtung. Im Jahr 2000 musste der Toboggan aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Nach einer Generalsanierung des denkmalgeschützten Baus können die Praterbesucher seit 2009 wieder auf Jutesäcken die kurvige Strecke hinabsausen.

Neben den klassischen Schießständen oder den Autodrom-Bahnen gibt es mittlerweile auch viel Action – etwa den Windkanal “Wind-O-Bona” oder die “Black Mamba”, beide lassen einen – wenn auch auf unterschiedliche Art – durch die Lüfte wirbeln.

Ebenfalls spannend: die Indoor-Achterbahn im Dunklen “Darkride Insider” oder das österreichweit höchste Kettenkarussell, dessen Turm sich 117 Meter in die Höhe schraubt. Auf dem Riesenradplatz befindet sich außerdem das Wachsfigurenkabinett “Madame Tussauds”.

(APA/Red)

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