Das Wiener O-Töne-Literaturfestival wurde von Arno Geiger eröffnet

Arno Geiger hat am Donnerstagabend das Literaturfestival eröffnet.
Arno Geiger hat am Donnerstagabend das Literaturfestival eröffnet. - © APA
Mit der Lesung von Arno Geiger wurde am Donnerstagabend im Wiener Museumsquartier das Literaturfestival O-Töne eröffnet. Trotz Schlechtwetters waren zahlreiche Zuschauer dabei.

Trotz kühler Temperaturen, die der nachmittägliche Regen nach Wien gebracht hatte, versammelten sich am Donnerstagabend mehr als 300 Literaturfans vor der Freiluft-Bühne, auf der ab 20.45 Uhr Arno Geiger aus seinem Coming-of-Age-Roman “Selbstporträt mit Flusspferd” als erster jener neun Autoren lesen sollte, die bis zum 27. August das Museumsquartier mit Literatur versorgen. Doch die filigranen Klänge der Sängerin Mira Lu Kovacs, die mit ihrer zwischen Songwriter-Folk und Jazz angesiedelten Band Schmieds Puls tapfer gegen die Witterung ankämpfte, sollten die einzigen bleiben, die an diesem Abend vor der Kunsthalle Wien durch die Boxen glitten.

Hat Arno Geiger “Regen-Karma”?

“Er ist der Autor mit dem Regen-Karma”, scherzte Moderatorin Clarissa Stadler, als Autor, Technik und Publikum um 21 Uhr nach einer raschen Umbau-Aktion im Indoor-Ausweichquartier Arena21 angekommen waren. Für einen letzten Song fungierte Stadler noch als Mikrofonständer für die doch etwas enttäuscht wirkenden Mira Lu Kovacs, die noch eine Solo-Zugabe zum Besten gab, bevor Arno Geiger seine Rolle als Haupt-Act des Abends einnahm. “Er ist vielleicht ein Star, aber kein Popstar, weil er keine Allüren hat”, so Stadler in ihrer kurzen Einführung über den aus Vorarlberg stammenden Autor, der am 22. Juli seinen 47. Geburtstag feiert.

Nicht genug Platz für alle Zuhörer

In knapp 45 Minuten führte Geiger die zahlreichen Zuhörer, die teilweise bis in den Gang hinaus stehend die Lesung verfolgten, in seinen jüngsten Roman ein. Nach “den letzten Dingen” in seinem Alzheimer-Buch “Der alte König in seinem Exil” habe er nun “die ersten Dinge” erkunden wollen, sagte Geiger. Frei nach dem Cat-Stevens-Song “The First Cut Is The Deepest”, habe er sich “den echten Schmerzen, den ersten tiefen Einschnitten im Leben” junger Erwachsener gewidmet. Dies sei ungewöhnlich, da diese Art Roman normalerweise “aus der eigenen Jugend heraus” geschrieben werde. So habe er sich wieder in diesen Lebensabschnitt hineinfühlen müssen. Aber nicht nur das Lebensgefühl heutiger 20-Jähriger war Gegenstand seiner umfangreichen Recherchen: Um sich dem titelgebenden Zwergflusspferd annähern zu können, habe er viel Zeit im Zoo von Basel verbracht. Dem einzigen Zoo, der sich seiner Anfrage geöffnet hatte, wie er schmunzelnd erzählte.

Während er bei der heutigen Jugend “eine andere Art des Verlorenseins” konstatierte, die er in Folge seinem Protagonisten, dem Veterinärmedizinstudenten Julian einhauchte, bewunderte er an dem Basler Zwergflusspferd vor allem die Tatsache, “dass man es nicht ökonomisieren kann”. “Ein Flusspferd kann man nicht vor einen Wagen spannen, man kann es auch nicht umarmen. Es ist ein Tier, das mit größter Selbstverständlichkeit einfach dick ist”, erzählte der Autor unter Lachen des Publikums.

Autor nutzt Beobachtungen aus seinem Umfeld

Zahlreiche Motive seines Romans – von der mit ihrem Vater nur auf Französisch sprechenden jungen Frau Aiko bis zur Gemächlichkeit des Tiers – stammen aus Beobachtungen aus Geigers Umfeld, wie er im Gespräch mit Clarissa Stadler erzählte. Zunächst seien ihm “auf Anhieb 50 Tiere eingefallen, das Flusspferd war nicht dabei”. Erst als er an einen sehr gemächlichen, nicht aus der Ruhe zu bringenden Freund gedacht habe, sei er auf dessen tierische Entsprechung gekommen. In jedem Fall habe es Geiger genossen, “den jungen Menschen in mir wieder an die frische Luft gelassen zu haben”. Dem Publikum in dem dann doch ziemlich stickigen Raum gefiel das sichtlich auch. (APA)

>> Einen Überblick über das Pogramm des Literaturfestivals finden Sie hier.

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