Amoklauf mit Armbrust und Machete in Wien-Liesing: Mann verurteilt

Mit Machete und Armbrust bewaffnet lief der junge Mann los.
Mit Machete und Armbrust bewaffnet lief der junge Mann los. - © LPD Wien
Einem jungen Mann sind im Jänner nach einem Streit mit der Mutter die “Sicherungen” derart durchgebrannt, dass er die alarmierte Polizei mit einer Armbrust bedrohte, sich dann im zehnten Stock auf mehrere Balkone hinunterhangelte und noch ein Auto kidnappen wollte. Dafür setzte es nun eine Haftstrafe.

Am Landesgericht wurde er dafür am Dienstag rechtskräftig zu 15 Monaten Haft, drei davon unbedingt, verurteilt. Angeklagter und Staatsanwalt nahmen das Urteil an.

Der 20-Jährige hatte offenbar schon längere Zeit ein Problem mit Cannabis, wobei er den Konsum mithilfe einer Therapie zwar etwas einschränken konnte, dafür aber mehr dem Alkohol zusprach. Am Abend des 27. Jänners war er schon ziemlich betrunken, als es aus nichtigem Anlass zu einem Streit mit seiner alleinerziehenden Mutter kam, der sich immer weiter aufschaukelte. Als er in seinem Zimmer eine Armbrust auspackte, wurde es der Frau offenbar mulmig und sie rief den Opa des jungen Mannes an.

Großvater alarmierte Polizei: WEGA rückte an

Auch dieser machte sich Sorgen, alarmierte sicherheitshalber die Polizei und machte sich auf den Weg nach Liesing. Dort war er einigermaßen überrascht, dass ein Großaufgebot der WEGA sich daran machte, die Wohnung zu stürmen. Der Großvater durfte nicht versuchen, seinen Enkel zur Vernunft bringen, sondern wurde zur Seite geschoben.

Als die Beamten in die Wohnung drangen, wurde einer von ihnen mit der Armbrust bedroht. “Dann schieß mich doch ab”, schrie der junge Mann den Beamten an, der jedoch so besonnen war, sich zurückzuziehen. Der 20-Jährige schnappte sich eine Machete, kletterte auf einen darunter liegenden Balkon, von wo er ins Stiegenhaus gelangen wollte. Das scheiterte daran, dass die Tür verschlossen und der Schlüssel unauffindbar war. Stattdessen nahm er etwa 40 Euro Kleingeld mit und kletterte einen weiteren Stock nach unten. Ein dort bereits schlafender Pensionist wurde durch den Lärm geweckt und um ein Paar Schuhe erleichtert, da der Tobende selbst keine an hatte.

Entschuldigung nach Amoklauf in Wien-Liesing

Den größten Schreck jagte der Lehrling einem Senior ein, der gerade aus der Garage fahren wollte. “Ich habe mir gedacht, mit einem Auto komme ich schneller weg”, erläuterte der Angeklagte. Er riss die Tür auf, verletzte den älteren Mann mit der Machete und schlug, als diesem die Flucht gelang, die Seitenscheibe ein. Beim Prozess entschuldigte er sich nun bei dem Pensionisten: “Es tut mir leid, dass ich Ihnen so eine Angst eingejagt habe.” Dieser nahm dies zwar an, meinte aber: “Man sollte schon schauen, was man in seinem Leben macht.”

Am nächsten Morgen hatte sich der Beschuldigte wieder beruhigt, fuhr heim und stellte sich bei drei ihm bekannten Polizisten, die er auf der Straße entdeckt hatte. Auch sonst präsentierte sich der Angeklagte durchaus reumütig und versprach eine Drogen- sowie Aggressionstherapie zu absolvieren. Auch seine Ausbildungsstelle als Elektroanlagentechniker dürfte er behalten. Damit es zu keinen weiteren Streitereien mit der Mutter kommt, wird er vorerst bei den Großeltern unterkommen. Der angerichtete Schaden wurde anerkannt bzw. bereits gut gemacht. Auch der Staatsanwalt meinte, dass der Angeklagte einen “sehr vernünftigen Eindruck macht und sich wohl in einer Ausnahmesituation befunden hat”.

Drei Monate muss der junge Mann absitzen und sich danach verschiedenen Therapien unterziehen.

(APA)

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