Amadeus Awards 2016: Wanda erneut als große Abräumer

Von Amina Beganovic
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Erneut räumten Wanda mehrere Amadeus Awards ab.
Erneut räumten Wanda mehrere Amadeus Awards ab. - © APA
Amore, immer wieder Amore: Bei den 16. Amadeus Austrian Music Awards zählte die Wiener Pop-Band – wieder einmal – zu den großen Gewinnern. Auch sonst glänzte die Verleihung des wichtigsten Musikpreises Österreichs kaum mit Überraschungen.

Die 16. Verleihung der Amadeus Austrian Music Awards brachte am Sonntagabend wieder einmal das Who-Is-Who der heimischen Musikszene nach Wien, zum sehen und – vornehmlich – gesehen werden. Manch einer legte einen klassischen Auftritt auf den Black Carpet vor dem Volkstheater hin. Andere, wie die Band Turbobier, zogen da schon skurrilere Methoden vor: Eine vollbepackte lila Lilliputbahn etwa, so dass man die Gröhl-Chöre wohl bis zum Ring hören konnte.

Immerhin, die Spaßmacher von Turbobier hatten auch etwas zu feiern, sahnten sie doch den Award in der Kategorie “Hard & Heavy” in diesem Jahr ab (auch, wenn so mancher Metal-Fan dazu wohl nur den langhaarigen Kopf schütteln kann).

Drei große Gewinner bei den Amadeus Awards

In Sachen Genre-Gewinner zeigten sich die Awards aber ohnedies kreativ heuer: So holte der Mundartsänger Der Nino aus Wien den begehrten Award der Kategorie “Alternative” heim, auch wenn seine Musik so viel mit Alternative zu tun hat wie Loin d’ici von ESC-Popelfe Zoe (das es übrigens nebst Darbietungen von Sarah Connor, Parov Stelar oder Conshita Wurst live auf der Bühne zu sehen gab, inklusive buntem Candy-Kitsch-Bühnenbild natürlich).

Das war es aber so ziemlich mit den Überraschungen des Abends, denn die drei großen Gewinner waren auch in diesem Jahr recht vorhersehbar: Die Wiener Indie-Band Wanda heimste gleich drei Trophäen ein und zeigte damit, dass der “Amore”-Hype um sie alles andere als eine Eintagsfliege war. Zwei Auszeichnungen gab es jeweils für das Duo Seiler & Speer sowie für die Band Bilderbuch.

Wanda: “Haben Wette verloren”

Die ersten beiden Awards nahm Marco Wanda noch relativ unbeeindruckt entgegen (“Für was haben wir den bekommen?”), meinte aber auch augenzwinkernd: “Und ich habe gewettet, dass wir keine gewinnen.”

Auch die Kollegen von Seiler & Speer unterdrückten die Freudenausbrüche, etwa bei der Annahme des Awards als “Bester Song des Jahres” für “Ham Kummst”.: “Trauriges Österreich, wenn das dein bester Song sein soll”, meinte das Duo lapidar dazu.

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Etwas freudvoller zeigte sich Parov Stelar über seinen Preis in der Kategorie “Electronic / Dance”, und widmete diesen, mit Bezug auf die Terror-Anschläge von Paris und Brüssel, “all jenen, die es sich nicht nehmen lassen, weiterhin auf Konzerte zu gehen. Den Preis widme ich der Freiheit und der künstlerischen Breite!”

Freudentaumel bei Dagmar Koller für Conchita

Ein wenig die Show stehlen lassen musste sich Conchita von Dagmar Koller, die ihr ihren nun zweiten Preis als “Künstlerin des Jahres” überreichte. Sichtlich begeistert, wenn auch ein wenig überwältigt, rief Dagmar Koller Conchita auf die Bühne (“Was muss ich dir denn da übergeben?”), lachend fielen sich die beiden wie Freundinnen um den Hals, Conchita selbst musste ganz ungewohnt um Fassung ringen und sich die Lachtränen aus den Augen wischen: “Meine Güte, Frau Koller! Glamour in Person.”

Als “Künstler des Jahres” wurde ein deutlich gefassterer Hubert von Goisern ausgezeichnet: “Musiker sein heißt Zauberer zu sein. Man verzaubert die Zuhörer – und natürlich sich selbst.”

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Lebenswerk-Award für Marianne Mendt

Als bester Schlager wurden die Seer auf die Bühne geholt, den Preis in der Kategorie Volksmusik gab es erneut für “Mountain Man” Andreas Gabalier. Der FM4-Award ging an Schmieds Puls, ebenfalls ausgezeichnet wurden Skero (Hip-Hop/Urban) und Norbert Schneider (Jazz/World/Blues), über das “beste Album” durften sich Bilderbuch freuen: “Da sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen”, so Sänger Maurice Ernst.

Standing Ovations im Volkstheater gab es bei der Verleihung des Lebenswerk-Preises an “Kaisermühlen Blues”-Star und  Jazz-Förderin Marianne Mendt: “Du hast für nachfolgende Generationen in Österreich das Tor weit, weit aufgemacht”, so Laudator Viktor Gernot, bevor Mendt ihren Preis unter tosenden Applaus und mit einem lauten “Yeah” abholte. “Ich freue mich über diesen großartigen Award.”

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“Tolles Jahr für österreichische Musiklandschaft”

Moderator Manuel Rubey, dessen Gags heuer noch zugeknöpfter waren als sein hochgeschlossenes Hemd (mit welchem er sich vielleicht von dem Zirkus-Glitzerfummel von Kollegin Arabella Kiesbauer abheben wollte), fand erneut lobende Worte für den heimischen Musikmarkt, der ein “tolles Jahr” hinter sich gebracht habe: “Was ist los mit diesem Land? Wir waren immer klein und unbedeutend, dafür aber entspannt. Doch das ist jetzt anders. Österreichische Künstler feiern derzeit Erfolge wie schon seit den 1970er-Jahren nicht mehr.”

Das ist lobens- und begrüßenswert. Bleibt nur noch zu hoffen, dass die heimische Szene in den kommenden Jahren auch noch einige weitere Künstler ins Rampenlicht stellt, die diesem Ruf ebenfalls gerecht werden könnten – neben den üblichen Verdächtigen.

Die Amadeus-Gewinner 2016 im Überblick

Band des Jahres: Wanda
Künstler des Jahres: Hubert von Goisern
Künstlerin des Jahres: Conchita
Album des Jahres: Schick Schock – Bilderbuch
Song des Jahres: Ham Kummst – Seiler und Speer
Live Act des Jahres presented by oeticket.com: Wanda
Alternative: Der Nino aus Wien
Pop/Rock: Wanda
Electronic/Dance: Parov Stelar
Hard & Heavy: Turbobier
Hip Hop/Urban: Skero
Jazz/World/Blues: Norbert Schneider
Schlager: Die Seer
Volksmusik: Andreas Gabalier
FM4 Award: Schmieds Puls
Lebenswerk: Marianne Mendt
Best Sound presented by FAMA: Bilderbuch – Schick Schock
Songwriter des Jahres presented by AKM / austromechana: Seiler und Speer

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Red./Bilder: APA

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