AGO beantragt Sanierungsverfahren: 4,4 Mio. Euro Verbindlichkeiten

Die Firma AGO hat nun wie erwartet Insolvenz angemeldet
Die Firma AGO hat nun wie erwartet Insolvenz angemeldet - © APA
Am Donnerstag hat der Personaldienstleister AGO (Akademischer Gästedienst in Österreich) erwartungsgemäß einen Insolvenzantrag beim Handelsgericht Wien gestellt. Angestrebt wird ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung.

Dies teilte der Gläubigerschutzverband Creditreform per Aussendung mit. Demnach belaufen sich die Verbindlichkeiten des Unternehmens auf 4,4 Mio. Euro. 65 Gläubiger sind betroffen.

278 Dienstnehmer in Wiener AKH und Co. betroffen

Den Gläubigern wird eine Quote von 20 Prozent binnen zwei Jahren angeboten. 278 Dienstnehmer – sie arbeiten zu einem Großteil im IT-Bereich des städtischen Krankenanstaltenverbundes und im Wiener AKH – sind betroffen.

Die AGO-Unternehmensgruppe führt als Ursache für die finanziellen Schwierigkeiten etwa die Abschreibung infolge der Insolvenz der slowakischen Tochter AGO Engineering s.r.o. an. Dazu kommt ein kürzliches OGH-Urteil, wonach auch Leiharbeitern gewisse Zulagen von Stadtbediensteten zustehen. Hier werden laut Creditreform Nachzahlungen in der Höhe von 130.000 Euro fällig.

Keine November-Löhne, kein Weihnachtsgeld

Laut Anwältin und Schuldnervertreterin Ulla Reisch belaufen sich die Verbindlichkeiten auf 4,438.000 Euro. Durch die schwierige Lage mussten AGO-Mitarbeiter bisher auf ihre November-Löhne sowie das Weihnachtsgeld verzichten. Sie sollen nun aus dem Insolvenzentgeltfonds ausbezahlt werden. Die Höhe der ausstehenden Gehälter war vorerst nicht bekannt. Die AGO-Geschäftsführung sei jedenfalls optimistisch, Kundenaufträge weiterhin ordnungsgemäß zu erledigen, teilte Reisch via Aussendung mit.

Die Ausstände von 4,4 Mio. Euro könnten sich allerdings noch deutlich erhöhen – nämlich im Fall einer Pleite, wie Creditreform betonte: Bei einer konkursmäßigen Verwertung muss im Zuge anstehender Personalkündigungen noch mit zusätzlichen 3,6 Mio. Euro an Verbindlichkeiten gerechnet werden. Das Verfahren war vorerst am Handelsgericht noch nicht eröffnet. Insofern gab es noch keine Informationen über Tagsatzungstermine bzw. darüber, wer mit der Masseverwaltung betraut wird.

AGO machte Schlagzeilen rund ums AKH

In der Öffentlichkeit bekannt geworden war AGO, nachdem der Personalvermittler vor einigen Jahren die Ausschreibung für Reinigungsarbeiten im Wiener AKH gewonnen hatte. Im Zuge der Vergabe wurden Korruptionsvorwürfe laut – wobei entsprechende Verfahren mit Freisprüchen endeten. Beendet wurde allerdings auch der Vertrag durch das Spital. 2013 erging der Putzauftrag an andere Firmen. Der Verlust diesen Riesenauftrags habe sich freilich als Verlust in der Bilanz 2014 niedergeschlagen, hatte Geschäftsführer Michael Gross kürzlich gegenüber der APA mitgeteilt. Mit der jetzigen Situation habe die Sache aber nicht ursächlich zu tun.

Schicksal des Unternehmens entscheidet sich im März 2016

Als Schicksalstag für das insolvente Unternehmen AGO gilt der 3. März 2016. Dann werden die Gläubiger über den Sanierungsplan des Personaldienstleisters und somit über seinen Fortbestand abstimmen, teilte der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) am Donnerstagnachmittag – nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens am Wiener Handelsgericht – mit.

Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf 4,4 Mio. Euro. 65 Gläubiger sind betroffen. Sie können ihre Forderungen bis zum 4. Februar anmelden. Welche Forderungen anerkannt werden, wird im Zuge der allgemeinen Prüfungs- und Berichtstagsatzung am 18. Februar entschieden. Bei diesem Termin muss auch die Insolvenzverwalterin, Rechtsanwältin Susi Pariasek, Auskunft über den Status quo des angeschlagenen Unternehmens geben.

(apa/red)

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