Zehn Antworten auf Fragen, die man den Wiener Linien schon immer stellen wollte

Von Jennifer Schindl
10 spannende Fragen zu den Wiener Öffis wurden uns beantwortet.
10 spannende Fragen zu den Wiener Öffis wurden uns beantwortet. - © Wiener Linien/Johannes Zinner
Warum ist es in den ULFs im Sommer entweder zu heiß oder zu kalt? In welchen Situationen dürfen die Öffis zwischen den Haltestellen öffnen? Warum gibt es Schwarzkappler-Infos? Kommen nach der U5 auf allen U-Bahn-Strecken selbstfahrende Züge? Diese und viele Fragen mehr haben wir Johanna Griesmayr von den Wiener Linien im VIENNA.at-Interview gestellt.

Während langer Öffi-Fahrten kommen uns oft interessante Fragen zum Betrieb der Wiener Linien in den Sinn. VIENNA.at hat sich zehn solcher Fragen von Johanna Griesmayr, Pressesprecherin der Wiener Linien, beantworten lassen.

VIENNA.at: Warum ist es nicht möglich, im Sommer eine bestimmte Temperatur in den ULFs vorzugeben? Es fühlt sich meist zu heiß oder zu kalt an.

Griesmayr: Die „richtige“ Temperatur für alle zu finden, ist ein Kunststück, das erst vollbracht werden muss. In der Bim ist es sogar noch einmal komplizierter. Zum Einen, weil ein 35-Meter-ULF Wind, Sonne und Wetter eine große „Angriffsfläche“ bietet. Zum Anderen, weil alle paar Minuten die Türen geöffnet werden und Fahrgäste ein- und aussteigen. Auch das ist ein Faktor, denn ein Mensch hat eine Heizleistung von etwa 100 Watt.

In welchen Situationen dürfen die Öffis zwischen den Haltestellen öffnen?

Sicherheit geht vor, deshalb werden die Türen grundsätzlich nur in den Stationen geöffnet. Die einzige Ausnahme ist, wenn die Fahrt aus irgendeinem Grund nicht mehr weitergehen kann.

Warum werden Schwarzkappler-Infos veröffentlicht?

Die Infos sind ein Service, das den einen oder anderen daran erinnert, sich ein Ticket zu kaufen. Wir veröffentlichen aber nur einen Auszug, auch auf anderen Linien wird kontrolliert. Täglich sind durchschnittlich rund 100 Kontrolleure gleichzeitig im gesamten Netz unterwegs. Auf schwarze Schafe treffen sie aber immer seltener. Im letzten Jahr waren weniger als 2 Prozent ohne Ticket unterwegs. Das freut uns natürlich und zeigt auch, dass den Wienerinnen und Wiener gute Öffi-Verbindungen etwas wert sind.

Haben die Schwarzkappler eine besondere Ausbildung? (zB Deeskalationsstrategien, Selbstverteidigung?)

Sicherheit ist uns wichtig. Das gilt gleichermaßen für unsere Fahrgäste wie für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wer in unserem Netz kontrolliert, absolviert deshalb davor eine umfassende Ausbildung in Theorie und Praxis. Dazu gehört neben “Training on the job” mit erfahrenen Kollegen auch ein Deeskalationstraining, bei dem auch Grundlegendes zur Selbstverteidigung vermittelt wird.

Warum fahren die alten Straßenbahnen nur auf bestimmten Strecken (zB 43er, aber nicht 44er?) Lösen die neuen Bombardier Bims die alten Garnituren endgültig ab?

Damit unsere Fahrgäste flexibel und barrierefrei unterwegs sind, statten wir alle Linien mit Niederflurstraßenbahnen aus. Jedes Jahr kommen rund 20 neue Bims dazu und ersetzen ältere Fahrzeuge. Nachdem Wien aber das sechstgrößte Straßenbahnnetz der Welt hat, und unsere Flotte über 500 Straßenbahnen umfasst, dauert das einige Jahre.  Ab 2018 kommt der Flexity, der schrittweise die letzten alten Bims ersetzen wird. Bis dahin verteilen wir die Niederflurfahrzeuge möglichst gleichmäßig im gesamten Netz. Wer mit Kinderwagen oder Rollstuhl unterwegs ist, kann mit unserer App qando eine barrierefreie Fahrt schon von zu Haus aus planen.

Zur U5: Werden vollautomatisierte Züge nach und nach auf allen U-Bahn-Strecken kommen?

Wien startet mit dem vollautomatischen Betrieb in ein neues U-Bahn-Zeitalter. Die U5 bietet dafür die perfekte Möglichkeit, weil sowohl im Neubau, als auch im Umbau von bestehenden Stationen Erfahrungen gesammelt werden können. Andere Linien umzustellen ist eine langfristige Option nach der Vollinbetriebnahme der U5.

Will oder kann man das Telefonieren nicht verbieten? Wenn ja, warum?

Auch hier gilt: Rücksicht hat Vorrang, damit sich alle in den Öffis wohlfühlen können. Mit unseren Kampagnen zeigen wir deshalb auf, was von vielen als störend empfunden wird. Das soll auch dazu anregen, sich Gedanken zu machen, welches Verhalten einem selbst unangenehm auffällt. Beim nächsten Telefonat überlegt man dann, ob es nicht warten kann. Wir haben mit diesem Weg sehr gute Erfahrungen gemacht und setzen auch in Zukunft auf Bewusstseinsbildung für ein gutes Miteinander.

Wie steht es um die Frauenquote bei den Wiener Linien?

Der Frauenanteil liegt bei Neuaufnahmen bei rund 20 Prozent, hier sehen wie ein großes Entwicklungspotential: Wir wollen Gleichberechtigung und das fördern und unterstützen wir auch. Seit 2011 ist Alexandra Reinagl als erste Frau in der Geschäftsführung ein treibender Motor und ein wichtiges Vorbild. Der Wiener Töchtertag ist für uns ein Pflichttermin, um Mädchen schon früh für die Wiener Linien und einen technischen Beruf zu begeistern. Junge Frauen, die bei uns eine Lehre beginnen, sind eine große Bereicherung. Aber auch in allen anderen Unternehmensbereichen freuen wir uns über Frauenpower.

Gab es seit Einführung der neuen Kampagne 2013 bereits Geldstrafen wegen Essen oder Küssen in den Öffis?

Unser Ziel ist, dass sich alle Fahrgäste wohlfühlen. Deshalb ist auch Küssen und Essen in unseren Fahrzeugen erlaubt, das war auch nie anders. Aber: Rücksicht hat Vorrang. Das ist es, worauf wir mit der Kampagne aufmerksam machen wollten. Die Grenze ist für uns dort, wo sich andere gestört fühlen. Mit einem stark riechenden Kebab wird man sich im Bus nicht beliebt machen. Dann heißt es aussteigen und runterschlucken. Der nächste Bus kommt bestimmt, versprochen. Geldstrafen gibt es nur bei mutwilliger Beschädigung bzw. Verschmutzung der Fahrzeuge.

Manchmal hat man das Gefühl, man bewegt sich nur in Millimetern vorwärts. Gibt es eine Vorgabe, die besagt, zwischen Ampeln möglichst immer in Bewegung zu bleiben?

Vorausschauendes Fahren hilft beim Energiesparen: Bewusstseinsbildung und die Vermittlung einer energieoptimierten Fahrweise sind deshalb in der Aus- und Weiterbildung unseres Fahrpersonals fix verankert. Dazu gehört auch, möglichst in Bewegung zu bleiben, weil beim Bremsen und Anfahren mehr Energie verbraucht wird. Wenn die Bim langsam fährt, kann das aber auch andere Gründe haben. Beispielsweise ein schlecht geparktes Auto, das vorsichtig passiert werden muss oder eine Weichenanlage, die auch nicht in voller Geschwindigkeit überfahren werden kann.

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