Wiens größte Flüchtlingssiedlung Macondo: Bewohner gestalten Umgebung

Von Lea Luna Holzinger
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Gemeinsam mit Bewohnern der Flüchtlingssiedlung gestaltete "Architektur ohne Grenzen" den Macondoplatz.
Gemeinsam mit Bewohnern der Flüchtlingssiedlung gestaltete "Architektur ohne Grenzen" den Macondoplatz. - © Architektur ohne Grenzen
Wiens größte und älteste Flüchtlingssiedlung besteht bereits seit 1956. Damals fanden Flüchtlinge des Ungarn-Aufstandes in Macondo Wohnungen. Heute leben zwischen 2.000 und 3.000 Asylberechtigte und Subsidiär Schutzberechtigte in der Siedlung in Wien-Simmering. Die Organisation “Architektur ohne Grenzen” gestaltet mit den Bewohnern gemeinsam den öffentlichen Raum Macondos.

Der Macondoplatz liegt am Vormittag ausgestorben da. Leben kehrt erst am Abend ein, wenn die Bewohner von Wiens größter Flüchtlingssiedlung hier zusammenkommen. Den Platz hat die Organisation “Architektur ohne Grenzen” gemeinsam mit den Bewohnern Macondos gestaltet. “Wir haben mit den Bewohnern gesprochen, was sie sich für die Siedlung wünschen. Wir wollten nicht irgendwas hinsetzen”, erklärt Bernhard Brus, Architekt bei “Architektur ohne Grenzen”.

“Architektur ohne Grenzen” arbeitet mit Flüchtlingen

Die Menschen der Flüchtlingssiedlung hätten sich Sitzbänke am Macondoplatz gewünscht. Also baute das Team von “Architektur ohne Grenzen” gemeinsam mit ihnen Holzbänke und -tische. Auch eine lange Sitzbank ist entstanden. Hier kommen die Menschen am Abend und für Feste zusammen. “Es ist wichtig, die Leute einzubeziehen, weil sie schließlich hier wohnen. Wenn die Leute mitbauen, ist es auch ein Teil von ihnen”, meint Angelika Welebil vom Diakonie-Flüchtlingsdienst. Die Diakonie war mit der Idee zu dem Projekt an “Architektur ohne Grenzen” herangetreten.

Ziel sei es gewesen, für die Bewohner von Macondo einen Ort zu schaffen, an dem sie sich treffen können. Einen solchen Platz gab es laut Welebil in der Siedlung nicht.

Flüchtlingssiedlung als Gemeindebau

Die Flüchtlingssiedlung Macondo liegt am Rand der Stadt in Simmering. Der Gebäudekomplex ist zwischen Donau, Hauptkläranlage und A4 angesiedelt. Hier fanden nach dem Ungarn-Aufstand 1956 die ersten Flüchtlinge eine Unterkunft. Den Namen Macondo prägten Flüchtlinge aus Chile, die in den 1970er Jahren vor der Diktatur Pinochets geflohen waren. Bei Macondo handelt es sich um einen fiktiven Ort aus dem Roman “Hundert Jahre Einsamkeit” von Gabriel Garciá Márquez.

In den 1990er Jahren kamen Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina nach Macondo. Heute leben Menschen aus Syrien, Afghanistan, Somalia, dem Irak und dem Sudan in der Flüchtlingssiedlung. Insgesamt wohnen zwischen 2.000 und 3.000 Menschen in Macondo. Die genaue Einwohnerzahl ist nicht bekannt. Dies liegt laut Diakonie daran, dass die Mietverträge auf den Hauptmieter ausgestellt werden und dieser dann alle weiteren Bewohner beim Bezirksamt meldet. Die Meldedaten seien von der Diakonie schon oftmals angefragt worden, da es sich jedoch um heikle Daten handle, wurden sie nicht herausgegeben.

Die Siedlung ist ausschließlich für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte vorgesehen, die für die Wohnung ganz normal Miete zahlen. “Macondo ist eigentlich wie ein Gemeindebau”, meint Welebil. Die Diakonie bietet in Macondo Beratungen für die Bewohner an. Außerdem weisen sie Menschen mit positivem Flüchtlingsbescheid Wohnungen in der Siedlung zu.

Grillplatz für Macondo

Bei den Wohnungen in Macondo handelt es sich um Startwohnungen, die für maximal drei Jahre vergeben werden. Die Verwaltung Macondos ist zweigeteilt: Für den größeren Teil ist die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) zuständig. Der kleinere Teil der Siedlung wird vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) verwaltet.

Mitten in der Siedlung, gegenüber des Macondoplatzes, steht auch ein eingezäuntes Schubhaftzentrum für Familien. Die Errichtung von Sitzmöglichkeiten auf dem Platz war der erste Teil des Projektes von “Architektur ohne Grenzen”. Die Bewohner hätten sich laut Brus auch mehr Spielplätze gewünscht. Für die Kinder von Macondo gibt es auf dem Areal nämlich nur einen Spielplatz. Ein Grillplatz stand auch auf der Wunschliste. Im kommenden Jahr soll ein solcher Grillplatz gemeinsam mit den Bewohnern von Mavondo gebaut werden.

(Red.)

 

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