Wiener Polizist unter Doppelmordverdacht: Frau mit Dienstwaffe getötet, Sohn erwürgt

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Der Wiener Polizist brachte die Leichen in die Steiermark.
Der Wiener Polizist brachte die Leichen in die Steiermark. - © APA
Der 23-jährige Wiener Polizist, der unter Doppelmordverdacht steht, gibt an, seine schwangere Partnerin mit einem Schuss aus der Dienstwaffe getötet zu haben. Zuvor soll es einen Streit gegeben haben. Andauernde Auseinandersetzungen sollen den Mann zu der Tat getrieben haben. Der Beamte erwürgte anschließend seinen 21 Monate alten Sohn.

Getötet wurden die 25-Jährige und das gemeinsame Kind demnach bereits am vergangenen Sonntag in der Wohnung des Paars in Wien-Margareten, erläuterte Polizeisprecher Patrick Maierhofer. Am Montag legte der 23-Jährige die Leichen in sein Auto, erst am Mittwoch brachte er sie in seine Heimatgemeinde Trofaiach in der Steiermark.

Intensive Auseinandersetzungen als Motiv

Die Obduktionen waren am Sonntag noch nicht abgeschlossen. Nach bisherigem Ermittlungsstand wurde laut Maierhofer jedoch ein einzelner Schuss auf die 25-Jährige abgegeben. Die Dienstwaffe habe der junge Beamte nicht mit nach Hause nehmen dürfen. In der Einvernahme gab er zu, die Pistole vom Typ Glock 17 in der Vergangenheit nach längeren Diensten entgegen der Vorschrift öfter daheim in einem Kasten verwahrt zu haben.

Laut dem 23-Jährigen gab es seit mehreren Monaten intensive Auseinandersetzungen in der Beziehung. Seine Lebensgefährtin soll ihn körperlich attackiert und in der Wohnung “eingesperrt” haben, sagte Maierhofer. Am vergangenen Sonntag habe er die Beziehung beenden wollen. Es soll erneut zu einem Streit gekommen sein, bei dem der Polizist die Dienstwaffe holte und abdrückte. Danach erwürgte er nach eigenen Angaben seinen Sohn. Der Beschuldigte wurde am Sonntag in eine Justizanstalt überstellt.

Doppelmordverdacht: Untersuchungshaft beantragt

Gegen den 23-jährigen Polizisten wurde die Verhängung der Untersuchungshaft beantragt. Das bestätigte Nina Bussek, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, am Sonntagnachmittag auf Anfrage der APA. Das zuständige Gericht muss nun darüber entscheiden.

Laut Polizeisprecher Patrick Maierhofer hatte der Beschuldigte zunächst keine genaueren Angaben zum Hergang und Motiv der Tat machen wollen. Gemeinsam mit seiner Pflichtverteidigerin entschloss er sich dann doch dazu, am Samstag und Sonntag umfangreich auszusagen. Die polizeilichen Ermittlungen waren damit am Wochenende abgeschlossen.

Glock 17: Die Dienstwaffe der österreichischen Polizei

Bei der Dienstwaffe, die der Polizist für seine Tat verwendet hat, handelt es sich um eine Pistole des Typs Glock 17 vom Kaliber neun Millimeter. Der Waffenhersteller Gaston Glock hatte das Modell Anfang der 1980er-Jahre für das Bundesheer entwickelt. Sie gilt als meistverkaufte Pistole der Welt. Die in Deutsch-Wagram in Niederösterreich ansässige Firma wirbt auf ihrer Internetseite so für die Waffe: “Wegen ihrer unübertroffenen Zuverlässigkeit, überdurchschnittlichen Magazinkapazität von 17 Schuss im Standardmagazin sowie ihrem geringen Gewicht vertrauen ihr Beamte auf der ganzen Welt im täglichen Dienst. Durch das revolutionäre ‘Safe Action’ Abzugssystem ist sie sicher, einfach und schnell bedienbar.”

Die Glock 17 im Kaliber 9×19 sei “die weltweit meistbenützte Behördenpistole”, heißt es weiter. Die Schusswaffe hat eine Lauflänge von 114 Millimetern und ungeladen ein Gewicht von 625 Gramm.

Waffen müssen in Dienststelle bleiben

Dienstwaffen der Polizei müssen prinzipiell in der jeweiligen Polizeiinspektion in den dafür vorgesehenen Einsatzmittelräumen bzw. Waffenschränken verwahrt werden. Ausnahmen sind nur auf Anweisung des Vorgesetzten möglich, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck. Diese richten sich nach den Umständen im Einzelfall. Das sei etwa der Fall, wenn ein Beamter “am nächsten Tag eine Dienstreise antritt, und das nicht von der Dienststelle, sondern von Zuhause aus, erläuterte Grundböck. Dann könne der Vorgesetzte anordnen, dass der Polizist die Dienstwaffe mit nach Hause nehmen darf.

Unterdessen ist am Dienstag eine lang diskutierte Novelle zum Waffengesetz in Begutachtung gegangen. Damit soll ermöglicht werden, dass Polizisten in Zukunft auch privat Schusswaffen tragen dürfen. Und das, ohne individuellen Nachweis einer persönlichen Bedrohung, wie es bisher der Fall ist. Allerdings sollen Polizisten nur Waffen mit Kaliber bis zu neun Millimeter, wie sie auch bei der Polizei im Einsatz sind, führen dürfen. Die Begutachtungsfrist für den Entwurf des Waffengesetztes läuft bis 2. November.

Obduktionsergebnis bestätigte Aussagen

Das Obduktionsergebnis hat die Aussagen des tatverdächtigen Polizisten bestätigt. Der Tod der Frau sei durch Erschießen herbeigeführt worden, sagte Polizeisprecher Patrick Maierhofer am Sonntagabend. Der gemeinsame Sohn des Paares wurde demnach erwürgt.

>> Polizist unter Mordverdacht an Frau und Sohn: Einvernahme begann

(apa/Red)

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