Wiener Grüne wollen Bausperre für Funkhaus

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Der ORF will das Funkhaus verkaufen.
Der ORF will das Funkhaus verkaufen. - © APA/Roland Schlager
Der ORF bietet das historische Wiener Funkhaus zum Verkauf an, der grüne Planungssprecher Christoph Chorherr befürchtet eine Wohungsnutzung, was nicht der erwünschten öffentlichen Nutzung entsprechen würde.

Die Wiener Grünen wollen eine Bausperre über das historische Gebäude des ORF-Funkhauses verhängen. Das kündigte Planungssprecher Christoph Chorherr am Mittwoch per Aussendung an. Unterdessen läuft das Bieterverfahren für den Verkauf, noch bis 11. November können Anbote gelegt werden. Das wird auch die Gruppe von Aktivisten rund um Schauspieler Karl Markovics tun, wie sie am Mittwoch bekannt gab.

Die derzeitige Nutzung des Funkhauses durch die Radiosender des ORF stelle eine ideale Verwendung dar, betonte Chorherr. Da der ORF das Haus nun mit “fragwürdig kurzer Frist” zum Verkauf anbiete, müsse die Stadtplanung Vorsorge treffen, dass das auch so bleibe. Denn die derzeitige Widmung ermögliche an diesem Standort eine “nahezu ausschließliche Wohnungsnutzung”. Das entspreche “keinesfalls” der stadtstrukturell erwünschten öffentlichen Nutzung. “Deswegen ist es stadtplanungspolitisch sinnvoll, für dieses Objekt zügig eine Bausperre zu verhängen, um eine geeignete öffentliche Widmungskategorie vorzubereiten, die diesem wichtigen Haus entspricht”, so Chorherr. Diese Vorgangsweise sei auch mit dem Bezirksvorsteher des 4. Bezirks, Leopold Plasch (SPÖ), akkordiert und soll in einer der ersten Sitzungen des Wiener Gemeinderats beschlossen werden.

SPÖ: “Nichts spricht gegen eine Bausperre”

Auf APA-Anfrage zeigte sich auch der momentane und vermutlich künftige Koalitionspartner der Grünen, die SPÖ, nicht abgeneigt: “Gegen eine Bausperre würde nichts sprechen”, so Klubchef Rudolf Schicker. Sollte der neue Eigentümer Veränderungen oder Zubauten machen wollen, müsse er sich ohnehin an die Stadt Wien wenden, meinte Schicker: “Da ist eine Bausperre gut.” Eine solche müsste – ebenso wie eine Widmungsänderung – im Wiener Gemeinderat abgesegnet werden. Der ORF wollte sich zu einer möglichen Bausperre nicht äußern.

Die Gruppe von Aktivisten um den Schauspieler Karl Markovics, die sich bereits wiederholt gegen einen Verkauf des ORF-Funkhauses ausgesprochen hat, will hingegen als Bietergemeinschaft in den derzeit laufenden Bieterprozess einsteigen. Die Aktivisten nutzten die Gelegenheit auch, um erneut den Verkauf des historischen Gebäudes sowie die Art der Durchführung zu kritisieren. Das vom ORF festgesetzte und per Anzeige veröffentlichte Mindestgebot liegt bei 18 Millionen Euro, in einer internen Besprechung habe man dem ORF bereits ein Angebot von 60 Millionen Euro für das Funkhaus gemacht, hieß es.

Der ORF verteidigte unterdessen in einer Aussendung erneut den geplanten Verkauf der Liegenschaft. Man habe die Planungsannahmen in einem mehrjährigen, eingehenden Analyseprozess unter Einbeziehung externer Fachleute entwickelt und abgesichert, hieß es darin. Die Konsolidierung der ORF-Standorte im Zentrum am Küniglberg sei “eindeutig wirtschaftlicher” als die Beibehaltung des Status quo.

(APA, Red.)

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