Wien: Preise bei privaten Mietwohnungen schießen in die Höhe

Private Mieten werden immer teurer.
Private Mieten werden immer teurer. - © APA (Symbolbild)
In Wien ist eine private Mietwohnung um knapp 40 Prozent teuerer als eine neu gemietete Gemeindewohnung. Die Preise bei Privatmieten stiegen doppelt so rasant wie die Inflation.

In Wien kommen laut einer AK-Analyse vor allem neu abgeschlossene Mietverträge für private Mietwohnungen extrem teuer. Konkret müssten private Mieter pro Quadratmeter um drei Euro mehr bezahlen als im sozialen Wohnbau, kritisiert die Arbeiterkammer am Freitag in einer Presseaussendung. Zudem steige die Zahl der befristeten Mietverträge rasant an.

In Wien wohnen mehr als drei Viertel aller Einwohner – das sind 665.000 Haushalte – in Hauptmiete, davon 32 Prozent in Gemeindewohnungen, 26 Prozent in Wohnungen gemeinnütziger Bauvereinigungen und 42 Prozent in privaten Mietwohnungen, so das Ergebnis einer AK-Sonderauswertung des Mikrozensus der Statistik Austria.

Luxuspreise müssen Mieter in Wien laut AK bei Neuabschlüssen privaten Vermietern bezahlen. Der Bruttopreis – Hauptzins inklusive Betriebskosten und Umsatzsteuer – pro Quadratmeter lag demnach bei 10,7 Euro. Bei Gemeindewohnungen waren es 7,7 Euro und bei den Gemeinnützigen 7,1 Euro. Für eine neue private Mietwohnung müssten also um fast 40 Prozent mehr bezahlt werden, als für eine neu gemietete Gemeindewohnung.

Mietpreise hängen die Inflation ab

Die Bruttomieten im gesamten Mietwohnungsbestand sind in Wien von 2008 bis 2014 um 24 Prozent angestiegen, also doppelt so stark wie die Teuerungsrate, die um zwölf Prozent stieg. Der Anstieg der Betriebskosten im Bestand betrug ebenfalls zwölf Prozent, lag also im Rahmen der allgemeinen Teuerung. Die Hauptmietzinse, also die Vermietereinnahmen, stiegen hingegen insgesamt um 30 Prozent.

Dieser überproportionale Anstieg geht laut AK vom privaten Mietwohnungssegment aus. Dort sind die Hauptmietzinse im Vergleichszeitraum um satte 43 Prozent gestiegen – und damit dreieinhalbmal so stark wie die Teuerung. Bezüglich der Hauptmietzinssteigerungen ist im privaten Segment auch kein Unterschied nach Baujahr festzustellen. Der Anstieg bei preislich nicht geregelten Neubauwohnungen und preisgeregelten Altbauwohnungen war laut AK also de facto gleich groß.

Über ein Drittel der privaten Mietverträge befristet

In Wien sind der AK-Analyse zufolge mehr als zwei Drittel aller im privaten Sektor neu abgeschlossenen Mietverträge befristet – genau 69 von 100 neuen Verträgen. Bei allen bestehenden privaten Mietverträgen ist insgesamt schon ein Drittel lediglich befristet. Über 90.000 Wiener Haushalte haben ihre private Wohnung bloß auf Zeit. Hier sitzt man als Mieter laut AK auf einem besonders kurzen Ast: Bei einer Vertragsverlängerung etwa sei man dem Vermieter hinsichtlich möglicher Mieterhöhungen de facto ausgeliefert – umziehen sei schließlich auch mit hohen Kosten verbunden.

Zudem werde man es sich dreimal überlegen müssen, Rechte gegenüber dem Vermieter geltend zu machen. Dieser habe schließlich immer die Option, gegebenenfalls den Vertrag nicht zu verlängern. Durch Befristungen seien überdies mittel- bzw. längerfristige Lebensplanungen nicht möglich. Der Verlust sozialer Netze und Bezugspunkte durch unfreiwillige Umzüge sei problematisch – besonders für Familien mit Kindern, etwa wegen Schule oder Kindergarten.

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