Wien-Hernals: Rekonstruktion eines Mordes

Wien-Hernals: Rekonstruktion eines Mordes
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Mehr als drei Jahre nach der Schießerei im – mittlerweile umbenannten – Cafe “Cappuccino” in Wien-Hernals ist in der Nacht auf Freitag die Tat rekonstruiert worden. Neun Stunden lang, von Donnerstag 22.00 Uhr bis Freitag 9.00 Uhr, haben Beschuldigte und Zeugen gemeinsam mit Staatsanwälten und Richtern nachgestellt, was in der bleihaltigen Nacht passiert ist. Damals, am 30. Mai 2006, ist ein 32-jähriger Lokalbesucher ums Leben gekommen, ein weiterer Mann wurde schwer verletzt.

Die Ottakringer Straße ist während der Rekonstruktion zwischen Helbinggasse und Bergsteiggasse für den Fahrzeug- und Personenverkehr gesperrt worden, die Straßenbahnhaltestelle wurde vorübergehend “geschlossen”. Aus Sicherheitsgründen waren ein Polizei-Hubschrauber und die Cobra im Einsatz.

Die Tat sei vom Beschuldigten selbst nachgespielt worden, sagte BK-Sprecher Armin Halm zur APA. An Ort und Stelle waren auch die Tatortgruppe sowie die Dokugruppe Wien, die mitfilmte und fotografierte. Rechtsanwälte, Staatsanwälte und Richter stellten Fragen an Zeugen und Beschuldigte. Nun müsse abgeglichen werden, ob das Gutachten mit den Aussagen übereinstimme, so der Sprecher.

Seit etwa einem Jahr ist das Bundeskriminalamt (BK) mit den Ermittlungen befasst. Die Rekonstruktion der Mordnacht wurde von der Richterin angeordnet, sagte Halm.

Bei der wilden Schießerei zählte Munir F. aus dem früheren Jugoslawien, der als Rotlicht-Größe gilt, zu den “Cappuccino”-Gästen. Dem rechtskräftigen Urteil zufolge, behinderte er Polizei und Justiz massiv bei der Suche nach dem Mörder. F. soll nach der Schießerei Zeugen unter Druck gesetzt und damit den Tatverdacht auf einen 39-jährigen Kosovo-Albaner gelenkt haben, der schließlich als vermeintlicher Mörder in U-Haft kam. Im Prozess gegen den angeblichen Schützen brach dann jedoch das von “Muki” errichtete Indiziengebäude zusammen. Die Staatsanwältin musste die Anklage zurückziehen, weil mehrere Zeugen ihre bisherigen Angaben nicht mehr aufrecht erhielten. Der 39-Jährige wurde nach eineinhalbjähriger U-Haft freigesprochen. Munir F. wurde zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt.

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