Western – Trailer und Kritik zum Film

Western – Trailer und Kritik zum Film
“Western” ist ein echter Männerfilm – in dem im Wesentlichen Männer vorkommen. Dabei steht mit der deutschen Regisseurin Valeska Grisebach eine Filmemacherin hinter der deutsch-österreichischen Koproduktion. Der 49-Jährigen ist eine beinahe anthropologische Studie über das Andere und die Annäherung zweier Kulturen gelungen.

Die Protagonisten von “Western” sind eine Gruppe deutscher Bauarbeiter, die im bulgarischen Niemandsland ein Wasserkraftwerk errichten soll, und die einheimischen Dorfbewohner.

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Western – Die Handlung

Die Baustelle stockt angesichts ausbleibenden Kiesnachschubs. Die Männer sind zum Nichtstun verdammt. So häufen sich die Konflikte mit der Dorfbevölkerung. Kleine Begebenheiten führen zu Misstrauen, ein Pferd wird “geborgt”, eine deutsche Flagge aufgezogen, ein Hut beim Planschen im Fluss einer Bulgarin im verzweifelten, unbeholfenen Flirtversuch vorenthalten. Hier ist “Western” ganz Versuchsanordnung einer langsamen Eskalation.

Die Mehrheit des deutschen Bautrupps ist laut, hält sich für klüger und stärker als die Ortsansässigen. In tiefem Brandenburgisch drehen sich die Gespräche um Frauen, das Schießen, den Alkohol. Schon alleine aus der Dialektperspektive sticht alleine der Thüringer Meinhard als Außenseiter heraus. Während die anderen praktisch immer die Klappe offen haben, hat Meinhard seine praktisch immer zu. Er ist kein Mann großer Worte, aber einer mit großem Herzen.

Western – Die Kritik

So gelingt ihm, großartig dargestellt vom langjährigen Schausteller und Trödelhändler Meinhard Neumann, als Einzigem eine Annäherung an die Bevölkerung vor Ort. Grisebach hat bei ihrem dritten, heuer in Cannes präsentierten Spielfilm mit Laiendarstellern gearbeitet – eines der Erfolgsrezepte von “Western”, der durch beinahe erschreckend authentische Szenen und Dialoge gekennzeichnet ist, die dabei nie in eine künstlerische Unbeholfenheit abgleiten. Stattdessen kommt in dieser Geschichte eine Schicht zu Wort, die nur selten im Film zu sehen ist und praktisch niemals aus dieser unvoyeristischen Perspektive.

Zugleich lassen ihre Bilder die flirrende Sommerhitze des Settings geradezu aus der Leinwand fließen – eine der vielen Parallelen, die auf den ungewöhnlichen Filmtitel “Western” für das Sujet verweisen. Auch eine gewisse Coolness des Hauptdarstellers erinnert an die Spaghettistreifen der 1960er, hinzu kommen Pferde und der über allem schwebende Mythos der Eroberung scheinbar unbewohnten Landes durch Pioniere, die sich für die “Eingeborenen” nicht interessieren.

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Der Western ist nun einmal ein Genre, mit dem die Filmemacherin Grisebach, der heuer eine ganze Personale bei der Viennale gewidmet ist, aufwuchs. In dessen Rahmen arbeitet sie Fragen danach ab, wie sich Gesellschaften bilden, wer darin die Gesetze macht und ob immer der Stärkere obsiegt. Zugleich hält sie das Geschehen nie in der narrativen Zuspitzung, sondern verflechtet herzliche Momente mit Lethargie, harte Sequenzen mit alltäglichen Momenten. Am Ende muss nicht nur Meinhard für sich klären, wer er ist und was er will.

“Western” läuft am 29. Oktober um 18 Uhr im Gartenbaukino und am 2. November um 11 Uhr in der Urania im Rahmen der Viennale.

(APA/Red. / Bilder: Stadtkino Filmverleih)

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