Welser ÖVP-Kandidatin tritt nach umstrittenen Facebook-Posting zurück

ÖVP-Kandidatin in Wels wird Judenfeindlichkeit vorgeworfen.
ÖVP-Kandidatin in Wels wird Judenfeindlichkeit vorgeworfen. - © APA
Das Facebook-Posting einer türkischstämmigen ÖVP-Kandidatin, die bei der OÖ-Wahl am 27. September 2015 in Wels antreten wollte, gibt nun auf. Nach dem Posting wurde ihr Judenfeindlichkeit vorgeworfen.

Die auf Platz 61 von insgesamt 72 Kandidierende zur Landtagswahl in Oberösterreich hat in einem sozialen Netzwerk für ihre Partei und sich mit einem Foto – ein Kopftuch tragend – sowie einem Text aus dem Koran geworben: “Aus euch soll eine Gemeinschaft entstehen, die zum Guten aufrufen, das Rechte gebieten und das Verwerfliche verbieten. Das sind die, denen es wohl ergeht.” (sic!), wie Medien am Dienstag berichteten.

ÖVP-Kandidatin wird Judenfeindlichkeit vorgeworfen

Im Lauf des Tages ist auch noch ein Foto aufgetaucht, das Markennamen und darunter einen türkischen Text zeigt. Unter den internationalen Handelsmarken steht “Kaufe diese Güter/Waren damit die Juden stärker werden”. Unter den türkischen steht: “Benutze, kaufe diese Güter/Waren damit dein Land erstarkt.” Diese Übersetzung stammt vom grünen Bundesrat Efgani Dönmez, der die Kandidatin skeptisch sieht. Vom Klubobmann der FPÖ im Landtag Günther Steinkellner kommt Kritik an der ÖVP: Nicht daran, “dass die ÖVP eine muslimische Kandidatin aufstellt, sondern welche Signale sie mit eben dieser Kandidatin aussendet”.

Csar hielt auf APA-Anfrage fest, er habe bereits die Kandidatin in einem Gespräch mit den Vorwürfen konfrontiert, am Mittwoch werde es ein weiteres geben. Die Frau habe sich entschuldigt. Sie habe versichert, sie habe niemand verletzten wollen und sie habe die Brisanz ihrer Postings unterschätzt. Der Shitstorm habe eine große psychische Belastung bei ihr zur Folge gehabt, deswegen wolle sie auch keine Stellungnahme in einem Interview abgeben. Csar erklärte, sie habe wohl übers Ziel hinausgeschossen. Ein Koran-Zitat für die Wahlwerbung sei nicht im Sinn der ÖVP. Politik und Religion würden getrennt. Ansonsten sei die Kandidatin aber eine sehr integre Person, die auch ehrenamtlich tätig sei. Bei der ÖVP sei sie erst seit kurzem aktiv, habe sich aber sehr engagiert eingebracht.

ÖVP-Kandidatur zurückgezogen

Die Frau teilte der Partei in Wels mit, dass sie ihre ehrenamtlichen politischen Aktivitäten einstelle und für eine Kandidatur nicht mehr zur Verfügung stehe. Sie wolle damit sich und ihre Familie schützen, der die Postings und verbalen Angriffe der letzten Tage massiv zugesetzt hätten. Außerdem wolle sie der ÖVP Wels nicht schaden und erwarte sich, dass die persönlichen An- und Untergriffe beendet werden.Der Stadtparteiobmann und Landtagsabgeordnete Peter Csar reagierte mit der Feststellung, die ÖVP akzeptiere ihre Entscheidung und wünsche ihr sowie ihrer Familie alles Gute für die Zukunft. “Grundsätzlich halte ich fest, dass sich die ÖVP Wels von jeglicher Einflussnahme einer Religion auf die Politik verwehrt. Wir stehen natürlich für ein christlich orientiertes Werte- und Gesellschaftssystem, das Familie, Gemeinschaft, Offenheit, Menschlichkeit und auch Leistungsbereitschaft in den Vordergrund stellt.”, erklärte Csar.

(APA/Red)

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