Wahlverhalten von Männern und Frauen in Wien: Wer wählt wie warum?

Von Amina Beganovic
Männer wählen so, Frauen aber so? Das Wahlverhalten der Geschlechter weist mitunter "Gaps" auf.
Männer wählen so, Frauen aber so? Das Wahlverhalten der Geschlechter weist mitunter "Gaps" auf. - © APA/Sujet
Männer sind anders, Frauen auch – das ist eine bekannte Tatsache. Aber spiegelt sich bei beiden Geschlechtern ein Unterschied im Wahlverhalten wider? VIENNA.at hat mehr zum “Gender-Gap” im Zuge der Wien-Wahl am 11. Oktober erfahren.

Wählen Frauen anders als Männer? Und wenn ja, mit welchen Beweggründen?

VIENNA.at wollte vor dem Wahltag am 11. Oktober mehr über das Wahlverhalten der Wienerinnen und Wiener erfahren und bat Meinungsforscher Christoph Hofinger, Leiter des Forschungsinstituts SORA, zum Interview über männliches und weibliches Wahlverhalten, “Unisex” in der Politik und über die Themenbereiche, die dem jeweiligen Geschlecht besonders am Herzen liegen.

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Bild: SORA

Das Wahlverhalten von Männern und Frauen in Wien

Gibt es einen „Gender-Gap“ im Wahlverhalten zwischen Männern und Frauen? Kann man sagen, dass die beiden Geschlechter unterschiedlich wählen?

Auf jeden Fall. Das wurde immer wieder untersucht und bestätigt, unlängst erst bei den Landtagswahlen in Oberösterreich.

Wo liegen die signifikantesten Unterschiede?

Es hat sich gezeigt, dass bei Männern die Freiheitliche Partei stärker punktet. Bei Frauen wiederum sind es eher die Grünen. Dieses Muster zog sich bislang durch alle Landtagswahlen.

Links, rechts – mitunter eine Geschlechterfrage also?

Es ist mehr eine Frage der Inszenierung. Strache ist in diesem Punkt für Männer ansprechender. Mit ihrer kommunikativen Art wiederum kommen die Grünen gut bei den Wählerinnen an. Das hat mitunter soziale Gründe: Immer mehr junge Frauen haben Matura, und Wähler und Wählerinnen mit Matura fühlen sich stärker von den Grünen angesprochen, während solche ohne Matura mehr zur FPÖ tendieren. Es gab in den vergangenen Jahrzehnten eine Bildungsexplosion bei Frauen, da punkten die Grünen mehr.

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Bild: APA

Wählen Frauen gerne Frauen, Männer lieber Männer?

Das kann man nicht pauschalisieren. In den USA beispielsweise kommt Barack Obama sehr gut bei der weiblichen Wählerschaft an. Männliche Politiker haben es generell etwas leichter, bei Männern und Frauen gut anzukommen. Es hängt wie gesagt vieles von der Inszenierung ab, vieles entwickelt sich erst über die Zeit: Bei der SPÖ beispielsweise hat sich die Präferenz von Männern und Frauen über die Jahre angeglichen. Was man auf jeden Fall sagen kann, ist, dass Frauen tendenziell häufiger links wählen. Das hängt oft mit Lebensumständen zusammen: Frauen beziehen öfter Sozialtransfers wie Kindergeld, sind öfter abhängiger vom Sozialstaat, während sich Männer nach wie vor in der “Erhalterrolle” sehen. Diese Rollenbilder sind in Österreich nach wie vor vorhanden.

“Emotional wählen alle”

Ist die Sicherheitsfrage für Frauen wichtiger als für Männer?

Das kommt auf die Thematisierung an. Wenn beispielsweise Pensionistinnen mit sieben Stunden Medienkonsum pro Tag die aktuellen Verbrechensmeldungen aus den Lokalnachrichten hören, beunruhigt sie das natürlich sehr! Die Botschaft “alles wird unsicherer” kann – auch wenn die Kriminalstatistik rückläufig ist – entsprechend ankommen, womit die FPÖ wieder punktet.

Ihrer Erfahrung nach: Welche Partei ist wiederum „unisex“?

Das kann sich phasenweise immer wieder ändern, schließlich ändern sich auch die Parteien laufend. In den 70/80er Jahren gab es kaum eine Geschlechterkluft, wobei die FPÖ unter Jörg Haider in den 1980er nochmal stärker bei Männern war. Aber in der Hinsicht gibt es keine “Naturgesetze”. An sich versuchen alle Parteien, beide Geschlechter anzusprechen, “unisex” ist für alle die Basisstrategie. Die Kernprogramme wirken dann natürlich unterschiedlich.

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Bild: APA

Wählt ein Geschlecht „impulsiver“, eines überlegter?

Das kann man nicht verallgemeinern. Tendenziell hieß es früher, dass Männer mehr “für sich” wählen, während Frauen bei der Wahl mehr an das Wohl ihrer Umgebung oder der Allgemeinheit denken. Das ist aber eine ältere Theorie und muss in der Gegenwart nicht zwingend zutreffen. Emotional wählen alle – das zeigt die Forschung der letzten Jahrzehnte. Politische Vernunft ist immer emotional.

Stichwort Nichtwähler: Wer ist Wahl-unwilliger, Männer oder Frauen?

Das ändert sich gerade: Männer sind früher eher zur Wahl gegangen, jetzt sind es mehr die Frauen. Das hängt mit der weiblichen Bildungsexplosion zusammen, Frauen haben heutzutage neue ökonomische Interessen. Das ist kein eindeutiger Trend, aber in den meisten europäischen Ländern scheint die weibliche Wahlbeteiligung die männliche langfristig zu übertreffen.

Zum Abschluss: Was ist Ihre Prognose für die Wien-Wahl am 11. Oktober?

Das verrate ich Ihnen am Sonntag um 17.00 Uhr (lacht). Eines ist aber jetzt schon sicher: Auch in Wien wird das Wahlverhalten von Männern und Frauen höchstwahrscheinlich sehr unterschiedlich ausfallen.

>> So wählten die Wiener Bezirke in den letzten Jahren.

Red./(ABE)

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