VIENNA.at kürt den Wiener des Jahres 2015: Gewinner Josef Köberl im Interview

Von Verena Kaufmann
Josef Köberl wurde zum "Wiener des Jahres 2015" gewählt.
Josef Köberl wurde zum "Wiener des Jahres 2015" gewählt. - © VIENNA.at/Verena Kaufmann
Das Voting ist beendet, der Sieger steht fest: Josef Köberl wurde zum Wiener des Jahres 2015 gewählt. Was er über seinen neuen Titel denkt, mit welchen Schwierigkeiten er bei der Ärmelkanalquerung zu kämpfen hatte und welche weiteren Projekte der Eisschwimmer derzeit plant – darüber verriet er uns im Interview mehr.

Viele unserer Leser sind in den vergangenen Wochen dem Aufruf gefolgt und haben fleißig Vorschläge für den/die “Wiener/in des Jahres 2015” eingesendet bzw. anschließend für ihren Favoriten abgestimmt. Nun steht der Gewinner fest: Josef Köberl gewann mit 35,51 Prozent der abgegebenen Stimmen vor der Hilfsorganisation Train of Hope und Bürgerinitiativen-Obmann Merten Mauritz.

Nominiert wurde Josef Köberl nicht nur aufgrund seiner Ärmelkanalquerung im August 2015, auch das Eisschwimmen sowie seine kommende Biographie sind Projekte von ihm, bei denen er Spenden für die Kinderkrebsforschung sammeln möchte. Außerdem organisiert Josef Köberl regelmäßig das Vollmondschwimmen in der Neuen Donau in Wien.

Wir haben den frisch gebackenen Wiener des Jahres zum Interview gebeten.

Wiener des Jahres 2015: Josef Köberl im VIENNA.at-Interview

VIENNA.at: Herzlichen Glückwunsch nochmals zum Titel “Wiener des Jahres”. Wie fühlen Sie sich als frisch gebackener Titelträger?

Josef Köberl: Ja, es ist ganz witzig, weil ich ja eigentlich aus dem Ausseer Land komme, und natürlich haben sie das dort auch mitbekommen. Dort sind auch alle ganz begeistert. Es ist ganz witzig, als Ausseer plötzlich als Wiener des Jahres gewählt worden zu sein, als Wahl-Wiener sozusagen.

Stört Sie die Tatsache also nicht, als “Wiener” bezeichnet zu werden, obwohl Sie eigentlich aus der Steiermark kommen?

Nein, nein. Durchs Ärmelkanalschwimmen habe ich ja auch noch teilweise in Kärten gewohnt und in Wien und eben in der Steiermark. Also gibt’s den Wiener Josef Köberl, den Steirer und teilweise dann auch den Kärtner. Das ist aber kein Problem, ich bin überall daheim, wo ich mich wohlfühle.

Haben Sie denn mit einer Nominierung gerechnet?

Ich hab das Ganze anfangs gar nicht so mitbekommen. Ehrlich gesagt war ich sogar überrascht, weil es gibt ja soviele wichtige Projekte. Eben, auch der Train of Hope war ja eine super Aktion und auch was der Herr Mauritz macht ist toll. Ich bin auch ganz begeistert von ihm und auch Mitglied auf seiner Facebook-Seite.

Wie sind Sie eigentlich zum Eisschwimmen gekommen? Sind Sie denn hauptberuflich Sportler, oder ist es nur ein Hobby?

Nein, hauptberuflich mache ich etwas anderes. Vor vier Jahren bin ich in einer Zeitung darauf aufmerksam geworden, dass eine Längsdurchquerung des Hallstätter Sees geplant ist. Da hab ich mir gedacht, da mache ich einfach mit. Ich habe drei Wochen trainiert und bin das Ganze dann gleich durchgeschwommen. Da bin ich aber noch mit Neopren-Anzug geschwommen, da war ich noch ein bisserl verwöhnt. Da hab ich mir dann gedacht: Wenn das so einfach geht, also mit ein paar Wochen Vorbereitung, dann schwimme ich den Ärmelkanal.

Also gleich nach Ihrem ersten Schwimmen ist Ihnen also die Idee der Ärmelkanalquerung gekommen?

Ja, ich dachte, wenn das Schwimmen so einfach geht, dann mache ich das. Komplett blauäugig – ich hab ja nicht gewusst, was dahinter steckt. Nach einiger Recherche habe ich gelesen, dass bisherige Kanalquerer auch schon im Winter immer wieder ins Wasser gegangen sind zur Abhärtung und Gewöhnung. Das habe ich dann auch gemacht und angefangen im vier, fünf Grad kalten Wasser Distanzen zu schwimmen. Dann hab ich mich über die Szene erkundigt und welche Bewerbe es gibt und mich gleich für die “Ice Mile” im Jahr 2014 entschieden, das sind rund 1600 Meter in unter fünf Grad kaltem Wasser. Drei Wochen später war ich bei der WM im Eisschwimmen und konnte den achten Platz erreichen.

In Wien veranstalten Sie regelmäßig das Vollmondschwimmen in der Neuen Donau. Bleibt der Fixpunkt für Wasserratten auch weiterhin bestehen?

Ja, natürlich. Ich hoffe, es wird noch sehr sehr lange bleiben. Im Winter sind immer mehr Teilnehmer als im Sommer. Allein letztes Jahr hatten wir insgesamt über 200 Menschen, die sich in die kalte Donau gewagt haben. Wir haben uns deswegen auch entschieden, dass wir am 1. Jänner 2017 ein Neujahrsschwimmen veranstalten. Geplant sind so 300 bis 500 Leute, die gemeinsam Spaß haben. Wien hat soetwas noch nicht, wobei ich gehört habe, dass es ein Silvesterschwimmen geben müsste.

Sind eigentlich viele Österreicher im Eisschwimmen vertreten?

Ja, es gibt dort und da in jedem Bundesland ein paar Leute, die schwimmen, aber es hat nie eine Vereinigung gegeben. Deshalb haben wir 2015 die Ice Swimming Association Austria gegründet. Momentan haben wir um die 20 Mitglieder in Wien und es kommen stetig neue Leute dazu. Bei den Österreichischen Meisterschaften in Wien im Dezemer hatten wir beispielsweise 42 Teilnehmer aus acht Nationen, darunter auch aus Argentinien und aus Afrika.

Also eigentlich sehr international. Sind das alles Hobbysportler?

Nein, nein. Wir haben Künstler dabei, Musiker, auch einen Pfarrer, Mathematiker, Pensionisten, Beamte – alles mögliche. Beim Vollmondschwimmen sind vor allem auch viele junge Mädchen dabei, die eine Herausforderung suchen. Und Eissschwimmen ist ja eine gewaltige Herausforderung, wenn man sich das antut.

Kann man sich wirklich einfach so, ohne Training oder Abhärtung, ins kalte Wasser wagen?

Ja, ein gesunder Mensch sicher. Man sollte halt keine Kreislaufprobleme haben, das wäre wichtig. Auch als Raucher ist es eher ungünstig. Abhärtung ist natürlich intelligenter, aber man kann auch so kurz ins Wasser gehen.

Um noch einmal auf die Ärmelkanalquerung zurück zu kommen: Hatten Sie bei dem Unterfangen auch mit Problemen zu kämpfen?

Ja, hauptsächlich die höchst spontane Terminverschiebung. Eigentlich sollte ich am 25. August schwimmen, doch das Wetter spielte nicht mit. Am 21. August wurde ich am Vormittag verständigt, dass ich am Nachmittag schwimmen muss, sonst geht es diesen Monat gar nicht mehr. Da hatte ich natürlich extrem weiche Knie, da war ich echt fertig. Mein ganzes Team war noch nicht vor Ort. Das Schwimmen selbst war eigentlich okay.

Haben Sie weitere Projekte geplant, die in nächster Zeit umgesetzt werden sollen?

Ja, es gibt schon mehrere Projekte. Kurzfristig gesehen zum Beispiel das Ice Mile-Schwimmen, oder auch die Idee, die doppelte Ice Mile über 3,2 Kilometer zu schwimmen. Das hat bis jetzt zwar noch niemand gemacht, aber ich denke das ist machbar. Weitere größere Ziele sind die Olympiaden 2018 in Südkorea und natürlich 2022 in China. Bis dahin müssen wir das Eisschwimmen in Österreich soweit fit machen, dass wir dort auch daran teilnehmen können. Außerdem habe ich auch vor den Nordkanal zwischen Schottland und Irland zu durchschwimmen, das haben erst 24 Leute geschafft. Ich stecke grundsätzlich voller Ideen, mal schauen, was sich alles ausgeht.

Wie sieht es eigentlich mit Ihrer Biographie aus? Ist sie schon im Entstehen?

Ja, sie ist im Entstehen. Derzeit bin ich in Verhandlungen mit Verlagen, vielleicht kommt sie noch vor Weihnachten auf den Markt. Thema ist unter anderem mein sportlicher Werdegang aber auch mein familiärer Hintergrund. Dass ein Teil der Einnahmen der Kinderkrebsforschung zugute kommen soll, kommt nicht von ungefähr. Auch in meiner Familie gab es bereits mehrere Todesfälle aufgrund dieser Krankheit.

Abschließend: Was wollen Sie Ihren Unterstützern und Freunden noch mitteilen?

Also auf jeden Fall ein großes Dankeschön, dass sie alle für mich gevotet haben und mit großem Engagement dahinter waren. Als das Voting beendet war, erreichte mich ein riesen Ansturm an Gratulationen, fast schon mehr als wenn man Geburtstag hat. Da war ich ganz hin und weg, das ehrt mich wahnsinnig. Ich bin sehr dankbar, vor allem weil es so überraschend kam, soetwas habe ich noch nicht erlebt. Und es war ja auch knapp, das muss ich ja auch zugeben.

Wir gratulieren Josef Köberl noch einmal recht herzlich zum gewonnen Titel “Wiener des Jahres 2015”!

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